Atlantis ist ein Science-Fiction-Roman (oder auch utopisch-technischer Roman) des Autors Hans Dominik. Zur Handlung: Das Weltgeschehen wird von drei Machtblöcken bestimmt: dem europäischen Staatenbund mit Hauptsitz in Bern, dem afrikanischen Kaiserreich unter Kaiser Augustus Salvator, und dem amerikanischen Machtblock. Zwei Hamburger, Uhlenkort, ein Minenmagnat, und Tredrup, ein Ingenieur und Abenteurer, treffen sich zufällig bei einer Zirkusaufführung in Timbuktu, dem afrikanischen Kaisersitz. Kaiser Augustus hat große Pläne; er treibt am Tschadsee einen tiefen Schacht in die Erde, um Karbid zu fördern und die afrikanische Wirtschaft anzukurbeln. Gleichzeitig fordert er vom durch Europa unterstützen Südafrika die Anerkennung der Rassengleichheit. Ein Krieg scheint denkbar; Rouse, ein skrupelloser Gewinnler mit einnehmendem Charakter, soll ihm amerikanische U-Boote für einen eventuellen Konflikt besorgen. Europa veröffentlicht eine Resolution gegen die gleichzeitige (weil günstigere) Sprengung aller Bomben; laut einem nur mit "J.H." unterzeichneten Gutachten soll dieses Vorgehen zu einer Umleitung des Golfstroms und damit zu einer Vereisung Nordeuropas bis nach Berlin führen. Die öffentliche Meinung in Amerika ist den europäischen Bedenken durchaus gewogen, die amerikanische Regierung ordert die gestaffelte Sprengung an, wie im Gutachten beschrieben. Doch Rouse ist damit nicht einverstanden. Er benutzt Juanita dazu, den Chefingenieur des Kanalprojekts, Smith, dazu zu bringen, Nebenschaltungen einzurichten; so soll eine zufällige und unerwartete Sprengung aller Sprengsätze durch den Druck der Explosionen simuliert werden... Hans Dominik (1872-1945) war ein deutscher Science-Fiction- und Sachbuchautor, Wissenschaftsjournalist und Ingenieur.
Die Ausgabe, die ich las, stammt aus 1925, dem Erscheinungsjahr, und trägt den Namenszug meines Vaters: Otto Arnold. Er wird den Bestseller damals neugierig gekauft haben. Gilt als Klassiker der Zukunftsromane, eher keine Science Fiction, obwohl er einige technische Voraussagen enthält, aber auch manche unsäglich "daneben". Der Handlungsrahmen entspricht noch dem Weltbild Ende des 19. Jahrhunderts, es gibt nur Amerika, Europa und Afrika. Letzteres befreit und geeint unter einem Kaiser, bis auf Südafrika, in dem weiter Apartheid herrscht. Teile der Motive der Hauptakteure sind eindeutig rassistisch, wenn Europa Südafrika beispringt und "die letzte weiße Bastion auf dem Kontinent verteidigt". Aber eigentlich ist das nur ein Nebenschauplatz und der Kaiser wird sehr aufgeklärt dargestellt. Viel mehr geht es um aufrechte (deutsche) Männer: geniale Ingenieure, Hamburger Kaufleute und eine übermenschliche Verantwortung tragende, geheimnisvolle Gestalt. Und die (schönen, starken) Frauen finden am Ende ihre Bestimmung in den Armen des richtigen Mannes.... Sprachlich wirkt die reißerische Dramatisierung im Stil kurzer harter Kommados wie auf einem Uboot heute eher plump. Die Beschreibungen sind - außer den Personen ‐ wenig bildhaft und ausgefeilt. Dass am Ende das namensgebende Atlantis wieder auftaucht und Landnahmen stattfinden, wie bei der Erschließung Amerikas, ist ansonsten für die vorherigen Handlungsstränge irrelevant und wirkt erzwungen. Muss man heute nicht mehr lesen, wenn, dann eher historisch als literarisch begründet.