Die Bewertung dieses Buches ist mir überaus schwer gefallen. Aber von Anfang: Ich hatte große Probleme mit diesem Werk, das man als perfekten Startpunkt für eine Arbeit in diesem historischen Bereich nehmen kann. Die Einleitung versprach ein deutlich anderes Werk zu werden als ich gedacht hatte. Es erinnerte mich nämlich sehr an Hausarbeiten von mir selber oder von Kommilitonen. Nicht dass ich jemals solch ein Level erreichen könnte. Jedoch las das Buch, und das gilt für die gesamte Länge, sich stellenweise ziemlich holzschnittartig und bei weitem nicht so elegant wie etwa ein Mau oder Reckwitz. Auch der bereits erwähnte Anfang, grenzte sehr offensichtlich die Fragestellung ein und listete die bereits vorhandene Literatur auf, zeigte die Grenzen derselben auf. Auch die Gesamtkonzeption des Werkes, Forschungskontroversen am Ende jeden Kapitels, stellte ich mir spannender und erkenntnisreicher vor als es meist am Ende war. Die Kontroversen wurden weniger eindeutig entschieden, als ich gedacht hätte und Blaschke fasst auch hier häufig nur verschiedene Positionen und Argumente zusammen. Zwar vergleicht er sie, und präsentiert uns seine Gewichtung, jedoch erinnert auch da die Zaghaftigkeit des Urteils an einen Autor der noch nicht mit einer solchen Selbstsicherheit vorgeht wie Andere. Und erinnert auch an mich kleinen Studenten. Ich hätte mir mehr Ereignisgeschichte gewünscht, jedoch liefert die Blaschke dann auch, erklärt uns verschiedene christliche Fraktionen und nach den ersten Kapiteln Gewöhnungszeit, genoß ich seine Konzeption sehr. Die Forschungskontroversen sind, wenn man sich darauf einlässt, höchst erhellend und verschiedene aufgeworfene Fragen (Vereinbarkeit von Christentum und Faschismus) sind sehr spannend. Auch die Beziehung zwischen Intentionalismus und Strukturalismus der NS-Diktatur war extrem spannend und erhellend. Oder auch sein Kapitel zu gendering und Konfessionen war enorm spannend und hätte gerne länger sein können. zusammenfassend ist das Buch ein spannender Einblick in innerhistorische Interpreationskämpfe und der Erkenntnisgewinn den ich erlangt habe, macht die Eingewöhnungszeit des Anfangs wett.