"Peter Henisch schreibt so scheinbar leicht, so heiter-melancholisch, wie Franz Schubert komponierte." Der Spiegel
Ein Kind lehnt am Fenster, neben ihm, auf dem Fensterbrett, sitzt eine Katze. Sie ist die erste in seinem Leben. Das Fenster ist eines von vielen, aus denen es schauen wird, doch hier erwacht sein Bewusstsein. Der Autor nimmt uns in diesem Buch mit in seine Kindheit im Wien der Nachkriegszeit. Dass es zu verträumt ist, das hört das Kind nicht selten. Das Träumen ist eine Eigenschaft, die sich der Schriftsteller Peter Henisch bewahrt hat, und bis heute ist er auch ein Katzenfreund geblieben. Die Katzen, die sein Leben begleitet haben, und die Fenster, aus denen er die Welt betrachtet hat, bilden den Rahmen für diese Autobiographie, in denen Henisch kunstvoll persönliche Geschichte mit Zeitgeschichte verknüpft.
Peter Henisch wurde eineinhalb Jahre vor Ende des Zweiten Weltkriegs in Wien geboren; sein Vater Walter war zu dieser Zeit ein sehr geschätzter fotografischer Kriegsberichterstatter der Wehrmacht. Nach 1945 arbeitete sein Vater für sozialdemokratische Medien.
Erste schriftstellerische Versuche machte Peter Henisch nach der Matura während eines Volontariats bei der Wiener Arbeiter-Zeitung (AZ), dem Zentralorgan der SPÖ. Im darauffolgenden Studium belegte er Germanistik, Philosophie, Geschichte sowie Psychologie. Ein Promotionsvorhaben über Ernst Bloch blieb unabgeschlossen. 1966/1967 war er Lokalredakteur der AZ.
Seit 1971 lebt er als freier Schriftsteller in Wien, Niederösterreich und in der Toskana und trat erstmals mit Hamlet bleibt hervor. Von 1972 an war er Literaturredakteur der Zeitschrift des Theaters der Jugend Neue Wege. Von 1970 bis 1973 war er Mitglied des „Arbeitskreises österreichischer Literaturproduzenten“.
Das bekannteste seiner Werke ist der Roman Die kleine Figur meines Vaters (1975; überarbeitet 1987 und 2003; verfilmt 1979). In ihm setzt sich Henisch mit der Vergangenheit seines Vaters als offizieller Kriegsfotograf während des Dritten Reiches auseinander.
HENISCH, Peter: „Suchbild mit Katze“, Wien 2016 Der schon ältere Dichter erzählt aus seiner Kindheit. Um dem Titel des Romans „Suchbild mit Katze“ gerecht zu werden kommt immer wieder eine Katze (eingestreut) vor. Einerseits ist es eine Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit, andererseits ist es auch ein allgemeiner historischer Rückblick für den Leser; Bericht eines Zeitzeugen. Bei manchen seiner Erzählungen ist er sich aber nicht sicher, gesteht das aber ein „Oder habe ich das erst später gesehen? Zumindest erst später wahrgenommen? Vielleicht Deja-vu, also mit dem Gefühl, es schon früher gesehen zu haben … Aber sehen ist eins, und begreifen ist etwas anderes.“ (Seite 107) Diese und ähnliche Formulierungen geben den Anschein, als sei das Manuskript noch auf einer Schreibmaschine oder gar per Hand geschrieben. Später hochkommende Ideen werden dann wie ein Postskript eingebracht. Henisch bringt den Lesern in der Zeit großer Einwanderungen aus den Kriegsgebieten in Syrien und Afghanistan in Erinnerung, dass am Ende der Österreichisch Ungarischen Monarchie viele Menschen aus Tschechien, Ungarn und den anderen Kronländern ins Kernland zogen. So auch die Großeltern des Schriftstellers, der seinen Großvater sagen lässt „wenn man zureist, in so eine große Stadt, in der man sich sonst fremd fühlt, dann sucht man zuerst die Nähe der eigenen Leut. Und damals sind ja viele von uns gekommen. Aus Böhmen, aus Mähren und aus der Slowakei. Aber für die Wiener, die schon hier geboren waren und sich deswegen besser vorgekommen sind, war das alles eins: Wir waren die Bem.“ (Seite 186) Wie schon gesagt: eine Katze gibt den Rahmen für den Roman. Es ist eine Geschichte mit Happy End, denn die Katze, die vom Fenstersims abstürzt landet am Rücken der Hausmeisterin und überlebt. Damit habe ich den Schluss vorweggenommen, aber es ist ja kein Kriminalroman, wo man so etwas nicht machen darf.