Girl meets boy in der Planwirtschaft. Verklärte DDR-Literatur, anders kann ich mir den Erfolg, dass auch heute noch über das Buch gesprochen wird, nicht erklären.
Aufzählungen als Stilmittel, über die ich gegen Ende nur noch hinweglesen kann. Wiederholungen eigenartiger, gestelzter Worte - pueril, Erwebsweib, Talmi, Kalfaktor - oder der immergleichen Beschreibung: Gesichter, die immer im Profil besonders schön sind; Lampen, die immer einen Seidenschirm haben; nur einmal in der Ausnahme ihres kargen "Hotel"-Zimmers, einen Pergamentschirm.
Leicht misogyne Züge bei der Beschreibung anderer Frauen als der Protagonistin (alter Ego der Autorin?) ("Diese Sorte von enttäuschten Frauen wirkt wie ein Gift, das die Luft ringsum verseucht. Sie sind Bazillenträger und versessen darauf, den Bazillus ihrer Enttäuschung auf andere zu übertragen, und manchmal schaffen sie es, daß du, infiziert, ihren Mann - also deinen Chef in diesem Fall - als den Mörder ihrer Träume und Chancen siehst und dich selbst dick, mit flatternden Nerven und Händen, die ewig nach Seifenlauge riechen, und schaudernd begreifst: du bist demselben Gesetz unterworfen [...]")
Nach etwa 300 Seiten wurde es für mich zunehmend uninteressant, als ich merkte, dass es hier um die Selbstbeweihräucherung einer teilweise unsicheren Frau geht, die ihre Selbstbestätigung aus dem Begehrtwerden durch die Männer holt - und eben nicht aus der Arbeit, wie immer wieder versucht wird darzustellen. Bin selten so enttäuscht gewesen von einem Buch. Dabei hat mich der Anfang (Aufwachsen in den letzten Kriegsjahren, Bürgerliche Familie in Dresden) in die Geschichte hinein gezogen. Ich war gewillt, die Beschreibung der ersten Ehe von Franziska als Metapher zu begreifen, für ihre Hingabe an den Arbeiterstand, die sie dann als Architektin in Neustadt zu wiederholen versucht, mit dem gleichen Mißerfolg... aber es ging dann nur noch um Mann X (der sie im Büro anschwärmt), Y (der vor ihrem Haus tagelang auf sie wartet) und Z (der parat ist, wenn grad niemand anders zur Hand ist).
Sicher hat das Buch zu seiner Zeit weitreichendere Bedeutung gehabt, und ist eine unterschweillige Kritik an den Zuständen nicht zu überhören (Blumenschalen für die Wohnkomplexe - die geschminkte Leiche, stundenlange Besprechungen über das Sozialistische Wandbild am Kindergarten, Architektur die zu Fließbandarbeit geworden ist, und den Ingenieuren überlassen werden kann). Etwas weniger Schmonz hätte dafür aber gereicht.