Jump to ratings and reviews
Rate this book

Ankunft im Alltag

Rate this book
Gleich nach dem Abitur gehen Curt, Nikolaus und Recha für ein Jahr in einen Großbetrieb, in eine für sie fremde, aufregende Welt. Ein bißchen Trotz ist dabei im Spiel, viel Idealismus und noch mehr Abenteuerlust. Wie schwierig es werden wird, sich zu behaupten, ahnt am Anfang keiner, und dass beide Jungen sich in Recha verlieben, macht es nicht leichter.

Ein legendärer Roman, der die "Ankunftsliteratur" begründete.

262 pages, Paperback

First published January 1, 1961

4 people are currently reading
120 people want to read

About the author

Brigitte Reimann

31 books44 followers
Brigitte Reimann (1933 - 1973) was a German writer who is best known for her posthumously published novel, Franziska Linkerhand.

Brigitte Reimann wrote her first amateur play at the age of fifteen. In 1950 she was awarded the first prize in an amateur drama comeptition by the Berlin theater Volksbühne. After graduating, Reimann worked as teacher, bookseller and reporter. After a miscarriage in 1954, she attempted suicide. In 1960, she started to work at the brown coal mine Schwarze Pumpe, where she and her second husband Siegfried Pitschmann headed a circle of writing workers. There, she writes the narrative Ankunft im Alltag, which is regarded as a masterpiece of socialist realism.

When troops of the Warsaw Pact states invaded the ČSSR on August 20, 1968 as a reaction to liberalisations during the Prague Spring, Reimann refused to sign the declaration by the East German Writers' Association approving of the measure.

On February 22, 1973, Reimann died of cancer at the age of 39.

During the last ten years of her life Reimann worked at the novel Franziska Linkerhand. At the time of her death, the last chapter had just been started. In the following year the novel was published in an heavily censored edition. Not until 1998 was the uncensored version published.

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
17 (13%)
4 stars
39 (31%)
3 stars
45 (36%)
2 stars
16 (13%)
1 star
5 (4%)
Displaying 1 - 11 of 11 reviews
Profile Image for Max.
277 reviews522 followers
July 23, 2023
Der beste Produktionsroman, den ich bislang gelesen habe; was allerdings nicht viel heißen muss, denn alle Vertreter dieses Genres, die ich bislang kennengelernt habe, fand ich schlecht.

Genretypisch und zeittreu geht es in diesem Buch von 1960 um junge Leute, die in ein DDR-Kombinat, meist ein Industriewerk eintreten. Auch bei Reimann lernen die 17- und 18jährigen Recha, Curt und Nikolaus zunächst die Fabrikhallen und Kollegen kennen und erfahren im allmählichen Verlauf ihres einjährigen Schnupperpraktikums die Vorzüge der Arbeit.

Zu den unangenehmen Postulaten dieses Genres gehört es, dass der neue Mensch im Sozialismus über seine Produktionskraft zum gebildeteren, besseren und eben sozialeren Menschen reifen soll. Dieser politischen Forderung zu folgen UND gleichzeitig gute Literatur zu verfassen, war für DDR-Autoren wie Langner, Claudius, Seghers oder Marchwitza... na ja, sagen wir mal schwierig.

Nicht selten ergeben sich dann nämlich bizarre Szenen, wenn Figuren etwa den ganzen Tag am Hochofen stehen und Schlacke abkippen und dabei vom "Ruhm des Menschen" reden oder wenn sie sich in vorgeschriebenen Nachtschichten faktisch ausbeuten lassen und gleichzeitig das hohe Lied antikapitalistischer Wertschöpfung für die Allgemeinheit besingen. Gerne sitzen schwielengeplagte, übermüdete Stahlarbeiter nach getaner Arbeit vor Kunstdrucken von Rembrandt oder Monet. Die Message ist so klar wie schief im Bild.

Reimanns Brigademeister Hamann hätte vielleicht gesagt: „Bei der Lektüre dieser Kaderrhetorik verleibt sich der Leser haufenweise "WhatTheFuck..."-Momente in seine Figur ein.“
Wenn ich mich ganz weit aus dem Fenster lehnen müsste, würde ich behaupten, dass das sozialistische Unterfangen, aus Produktionsromanen humane, insbesondere altruistische Werte abzuleiten, gescheitert ist. Die kulturpolitische Linie der SED war keine gute Geburtshelferin für die Literatur.

Der sozialistische Realismus kann zumindest mir nicht klar machen, welche humane Hochwertigkeit in der harten, ermüdenden Arbeit an veralteten Maschinen liegt, für die ich mir danach nicht mal geile Sachen zum Chillen kaufen kann.

Ich will hier gar nicht fies werden, dieses Buch hat aber leider ein paar Flashbacks ausgelöst: für meine Meisterarbeit habe ich mich einst mit dieser Literaturepoche wirklich intensiv beschäftigt und war damals abgeschreckt von den meisten Produktionsromanen.

Reimanns Roman entgeht diesen typischen Elementen auch nicht, sie kann dem Genre der Aufbau- bzw. Ankunftsliteratur (also den Werken der 50er und 60er Jahre) allerdings ihre eigene Handschrift hinzufügen und so einen Roman bauen, der mich dann doch gut unterhalten hat. Das liegt einmal an Reimanns toller Schreibe: Die ist wenig aufdringlich und absolut unmodern, aber klar und gut lesbar. Die Erzählerinstanz hat mich hingegen verwirrt, die ist mal personal, mal auktorial, das nervt im Detail.

Beispiel:
Über ihnen flog ein Bussard seine Kreise.
„Dort ist ein Habicht“, sagte Recha. Aber war das wirklich ein Habicht?

Den Grund für diesen klugen Abstand habe ich nicht verstanden.

Andererseits mochte ich auch die Beziehungen zwischen den drei jungen Leuten. Sie beginnen ihr praktisches Jahr aus unterschiedlichen Gründen und erhalten jeweils ein Drittel des Romans an Screen-Time. Reimann charakterisiert ihre Figuren dabei abwechslungsreich und konfliktträchtig. Schon bald werden Recha, Curt und Nikolaus in zwischenmenschliche Grenzerfahrungen vorstoßen, da geht es um Liebe, Gemeinschaft, Egoismus, Altruismus. Besonders Curt als Anti-Held, als westlich beeinflusster und oberflächlicher Rock n` Roller, dem die eigene Pomade immer die nächste ist, hat mich beeindruckt. Denn ganz untypisch lässt Reimann ihn -bei allen negativen Charaktereigenschaften- nicht fallen, ihr erzählerischer Blick lässt ihn nicht los, schickt ihn nicht in die Verbannung. Und so scheinen am Ende selbst Dissidenten, Querulanten, Egoisten zum "real existieren Sozialismus" zu gehören. Wenn das mal keine Prophetie, gar Kritik ist!
Schön finde ich auch, dass Reimann auf bestimmte Typen verzichtet, die üblicherweise zum Stamm-Personal in Produktionsromanen zählen: Der Saboteur und der Rübermacher. Curt genügt ihr als erzählerische Spielwiese des „Anderen“ im Staat.
6 Punkte
Profile Image for Francesco Iorianni.
248 reviews2 followers
August 8, 2024
Drei Abiturient:innen entscheiden sich vor dem Studium ein praktisches Jahr in einem Industriebetrieb anzutretten. Die Beweggründe sind unterschiedlich, sowie auch die Erwartungen. Das Buch setzt sich für die Arbeitswelt ein und zeichnet eine idealistische Arbeitsmoral, in der die Bedürfnisse des Kollektivs an vorderster Front stehen. Einer der drei Protagonisten findet sich in dieser neuen Situation nicht zurecht und möchte von der Gruppe herausstechen. In Reimanns Roman gibt es aber nur bedingt Platz für Individualismus und so reiht sich dieses Buch auch in die Tradition der DDR-Literatur ein.
Profile Image for Sabina.
3 reviews1 follower
November 14, 2023
Der erzählerische Umgang mit der versuchten Vergewaltigung gegen Ende kann nur als problematisch bezeichnet werden, obwohl sicherlich auch ein Spiegelbild seiner Zeit. Vorher fand ich es weniger augenfällig, dass das Werk 62 Jahre alt ist. Die hoffnungsvolle, aber nicht nur idealistische Perspektive auf das Leben im Sozialismus faszinierte mich.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Natira.
572 reviews18 followers
Read
January 14, 2018
Mein erster Titel von Brigitte Reimann und ich weiß noch nicht, ob noch ein weiterer folgen wird.

In allen drei Protagonisten - dem ruhigen Nikolaus, dem aufmüpfigen Curt, der unentschlossenen Recha -, die nach dem Abitur für ein praktisches Jahr zum Kombinat Schwarze Pumpe gehen, findet sich jeweils eine Kombination von Charaktereigenschaften, die es mir schwer machte, einen von ihnen wirklich sympathisch zu finden. Nun, dass ist grundsätzlich ja auch nicht schlimm. Daneben finde ich allerdings die Entscheidung der Autorin sehr merkwürdig, das Ereignis im Wald (gegen Ende des Romans) im Anschluss nicht konkret als das anzusprechen, was es offensichtlich war, es nur noch einmal indirekt zu thematisieren und dann auch noch das Augenmerk nur noch auf Nikolaus und Curt zu richten.

Was das Ende angeht - es macht als Aufbruchroman Sinn...
Profile Image for HomicidalJudith.
10 reviews
October 31, 2025
Es ist schwer dieses Buch mit frischen Augen zu lesen.

Reimann nimmt uns mit in die frühen Jahre des noch jungen SED-Staates und spinnt den historischen Kontext der aufkommenden Industrie der DDR ein in die Geschichte eines Liebesdreiecks zwischen 3 Abiturienten, die nach ihrem Abschluss im Gaskombinat "Schwarze Pumpe" arbeiten. Von Beginn an ist relativ klar, mit wem die Leserin sympathisieren soll.
Da ist zunächst Recha, eine junge Jüdin deren Eltern im Holocaust ermordet wurden. Ihr Jüdischsein fungiert in Reimanns Erzählung nicht als ein tatsächlicher Bestandteil ihrer Persönlichkeit sondern dient ihrer Figur lediglich als "dramatischer" Hintergrund, der ihrem Charakter eine Tiefe verleihen soll. Antisemitismus? Gibt es, zumindest in der Welt dieses Romans, nur im NS. Die beiden Männer mit denen Recha anbandelt, Curt und Nikolaus, bilden eine klare Dichotomie. Curt, der junge arrogante Sohn eines wohlhabenden Vaters, der die Arbeit im Betrieb hasst und sich nicht sonderlich für seine Mitmenschen interessiert versus Nikolaus, ein träumerischer Künstler, der nach der Arbeit Bücher über Rembrandt liest und sich vorbildlich im Betrieb aufopfert. Curt, im Herzen Kapitalist, fröhnt nach der Arbeit dem Alkohol und behandelt Frauen wie Objekte. Nikolaus, das Idealbild des sozialistischen Mannes, malt verträumte Landschaften und stellt natürlich keinerlei Besitzansprüche gegenüber der Frau, mit der er ein Verhältnis hat.

Romane müssen ihre Leser nicht belehren oder ihnen explizit sagen, wie diese oder jene Handlung einzuordnen ist. "Ankunft im Alltag" ist jedoch keine reine Dokumentation der Zustände, sondern eine Erzählung, die ihren Leserinnen immer wieder aufdrückt, wie toll das Leben und Arbeiten im Sozialismus sei und dabei gekonnt die realen Zustände ignoriert. Natürlich war keine der Figuren je überzeugter Nationalsozialist, wer diese Zeit miterlebte, erlebte sie als verfolgtes Opfer des Regimes oder war schlichtweg "zu jung" um zu wissen was er tue. Der randständige Arbeitskollege der in einem Erziehungsheim lebt wird natürlich vom Betriebskollektiv aufgenommen und vor seiner eigenen Verdorbenheit gerettet. Die zerstörerischen Arbeitszustände im Betrieb? Über diese wird lediglich gemurrt, sie sind aber nunmal notwendig zur Planerfüllung. Generell wird die harte Arbeit im Betrieb als eine Art Veredelungsprozess der eigenen Person dargestellt: Wer mehr arbeitet ist ein besserer Mensch, je härter die Arbeit, umso besser.
Vereinzelt blitzen durchaus kritische Töne hervor, beispielsweise wenn Recha im Betrieb sexuell belästigt wird oder wenn eine florierende Landschaft beschrieben wird, deren Zerstörung durch die Tagebauindustrie schon vorbestimmt ist. Die zentrale Botschaft des Romans bleibt aber klar: die Erlösung ist nur in der Aufopferung für das sozialistische (Arbeits-)Kollektiv zu finden.

Es wäre unfair, Reimanns literarisches Werk auf diesen Roman zu reduzieren, dessen Schreibstil seinen Inhalt bei weitem übertrifft. Wer sich (mit kritischer Distanz bitte) ein Beispiel der sogenannten Ankunftsliteratur reinfahren möchte, auch um zu verstehen welche soziale Rolle die Lohnarbeit im SED-Staat einnahm, dem sei dieses Buch empfohlen. Wer grundsätzlich was von Brigitte Reimann lesen möchte und zudem an einer realistischen Darstellung der Zustände ihrer Zeit interessiert ist, der sollte sich lieber ihren (wohlgemerkt von Marcel Reich Ranicki hoch gelobten) Tagebüchern widmen.
Profile Image for Furait.
274 reviews
Read
April 4, 2025
geweldige schrijfster. 3 abituriënten bij de staalarbeiders in een fabriek in DDR-Hoyerswerda in 1960.
5 reviews
January 28, 2022
verschrikkelijk, doe het jezelf niet aan xoxo
tenzij je duits goed is
anders, geen aanrader
3 reviews
September 4, 2023
Als ich begann zu lesen, dachte ich: Das sind echt interessante Charaktere. Das kann richtig gut werden. Und teilweise wurde diese Annahme bestätigt. Ich fand vor allem Nikolaus sympathisch und einige der Brigade.
Aber im Laufe des Buches wird der sozialistische Ton immer deutlicher und die unterschwellige Beeinflussung. Immer noch eine ganz solide Geschichte. Aber es mutet ein wenig so an, als seien alle sozialistisch gesinnten Menschen in diesem Buch Engel und alle etwas „kapitalistischer“ gesinnte Menschen Schweine.
Als Nachkomme von Vorfahren, die beinahe alle im Gulag im (anscheinend ja so weltverbessernden) Sozialismus ums Leben kamen, fällt mir diese Idealisierung schwer.
Man muss aber natürlich auch zugeben, dass das Buch nun mal aus der DDR ist und ein Produkt seiner Zeit und, dass man ehrlich gesagt auch nichts anderes erwarten konnte.
Displaying 1 - 11 of 11 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.