Steckbrief Name: Kenjiro Takeda Beruf: Kommissar Hobbys: Saxophon spielen Besonders Interessen: amerikanischer Jazz Besondere Kennzeichen: schulterlanges Haar
Von Tokio nach Hamburg Als die Eheleute Haubach tot in ihrer Wohnung in Hamburg-Altona gefunden werden, scheint der Fall auf den ersten Blick klar: Selbstmord. Deshalb hat man auch Inspektor Kenjiro Takeda, Mitarbeiter der Mordkommission Tokio und zurzeit als Hospitant in Deutschland tätig, zum Tatort geschickt. Doch Takeda ist skeptisch. Zu recht, wie sich bald herausstellt, denn es finden sich Spuren, die auf Mord hindeuten, und Verdächtige gibt es auch genug. Gemeinsam mit seiner deutschen Partnerin, Hauptkommissarin Claudia Harms, nimmt Takeda – auf seine Weise – die Ermittlungen auf. Spannend und ungewöhnlich – ein Japaner und eine deutsche Ermittlerin
Okay, ... ein Stern für das Pseudonym. Wiki weißt den Namen Siebold mit guten Japan Kenntnissen aus. Das fand ich sehr interessant und dachte erst, da schreibt jemand mit familiärem/historischem Hintergrund. Allerdings war 2 Klicks später klar, dass es sich um ein Pseudonym handelt. Die Figur des Austausch Polizisten ist auf den ersten Blick stimmig und es macht Spass mit ihm Deutschland zu erkunden. Nur leider hört es dann auf. "Wer bin ich und wenn ja, wieviele?" fragt der Autor auf seiner Homepage und komischerweise habe ich mich das auch gefragt: Wie viele Leute haben an diesem Roman gestrickt? Die Stadt Hamburg könnte auch Mannheim oder irgendeine andere Stadt am Wasser sein, denn man liest zwar die Beschreibung, aber sie lösen kein Gefühl aus. Was habe ich mich bemüht, wenigstens im Hintergrund Jan Fedder Claudia Harms bei der Brennnesselsudherstellung zusehen zu lassen. (Das lustigste sind wohl die Namen der "geilen" Kollegen: Horst, je 2 Hans, Dieter und Hans-Dieter) Die Kollegin ist eine so nervige Ansammlung von Klischees, dass ich mich echt gefragt habe, ob sich der Autor im Sonderangebot mit Stereotypen, Vorurteilen und Klischees eingedeckt hat und alle los werden wollte bevor das MHD abgelaufen ist. Sollte ich nochmal in die Verlegenheit kommen und einen weiteren Band lesen, dann hoffe ich, dass auch andere Charaktere so gut gearbeitet sind wie Takeda. Der Charakter Harms ist schrecklich zusammen gestoppelt; mag mancher als Ecken und Kanten sehen, ich empfinde es als sehr störend. Entweder ist sie eine unabhänige Frau oder ein launischer Teen, der gerade in einer Phase steckt, aber nicht versuchen beides gleichzeitig in ein Schema zu pressen. Vielleicht doch lieber Bücher für jüngere Leser schreiben.
Ich bin kein Fan von Krimis mit politischem Hintergrund, aber dieser hier hat mir super gut gefallen. Dieses ist vor allem dem japanischen Inspektor Takeda zu verdanken. Claudia Harms finde ich in vielen Dingen widerspruechlich aber es hat in diesem Buch funktioniert. Fuer die Zukunft hoffe ich, dass ihr Charakter etwas aufgebessert wird. Ich freue mich schon auf den 2. Teil der Serie.
Ein toller Krimi, der durch den spannenden Fall und die interessanten Charaktere überzeugt. Die Hintergründe des Falls fand ich spannend und das Milieu gut dargestellt. Und die Einblicke in die japanische Kultur und die Betrachtung der deutschen Sitten und Bräuche durch die Augen eines aus einer anderen Kultur stammenden Ermittlers fand ich auch eine tolle Idee und sehr unterhaltsam.
Dieses Buch fing mäßig an und konnte sich bei mir auch nicht mehr retten.
Zum einen ging mir schon recht früh auf die Nerven, dass Inspektor Takeda Wörter in Katakana-deutsch wiederholt hat. Also jemand stellt sich als Claudia vor und er murmelt dann Kuraudia vor sich hin. Das mag beim ersten Mal noch irgendwo süß gewesen sein, würde aber auf Dauer lästig. Gibt es Japaner, die so reden? Ja, aber viele mit denen ich mich im Laufe meines Lebens unterhalten habe, haben ganz normales Deutsch mit mir geredet. Bin aber generell kein großer Freund von Akzenten und Dialekten in Büchern. Egal ob amerikanisch, japanisch oder bayerisch.
Was mir ebenfalls nicht so gut gefallen hat, war der Charakter Claudia. Ich hatte bei ihr oft das Gefühl, dass der Autor nicht wusste, was für eine Persönlichkeit sie haben soll. Einmal wird sie als krasse Kommissarin dargestellt, im nächsten Moment will sie die Flinte ins Korn werfen, weil ihre Haupttheorie doch nicht stimmt.
Einziger Pluspunkt, den Täter hatte ich am Ende nicht erraten.
Es ist so schwierig, dieses Hörbuch zu bewerten. Die Idee ist super und stellenweise auch gut umgesetzt. Aber manchmal ist das mehr eine langatmige Erzählung, als auch nur ansatzweise ein Krimi. Insgesamt leider nur 3 Sterne, weil auch der Narrator nicht der Beste ist. Schade. Trotzdem werde ich Teil 2 auch hören, weil ich es umsonst bei Audible bekommen habe.
"Das Gebäude wurde abgerissen, genau wie die Buchhandlung gegenüber. Es war vorbei. Altona machte Platz für das neue Einkaufszentrum, das neue Geld, die neuen Einwohner. Die Toten, deren Schicksal sie aufzuklären versuchten, kamen Claudia vor wie die letzten Opfer eines Krieges, der kurz vor dem Ende stand. Sinnlos waren alle Toten, aber diese ganz besonders."
I enjoyed this book, and especially the protagonists. It was interesting to read about life in Germany from an outside perspective, and the Japanese inspector interacted with such a complex tangle of political ideologies that it was actually a nuanced exploration of the current political climate. Even though the female protagonist was rather stereotyped, I hope she will be developed further in future books. The mystery was really interesting, and I did not see the solution coming. I wish the ending had been slightly less rushed, but everything was mostly explained, I would just have liked to see some more consequences.
Mir hatte der erste Fall mit Inspektor Takeda ganz gut gefallen und ich könnte mir vorstellen mit ihm noch weitere Verbrechen aufzuklären, dann aber bitte ohne Claudia Harms. Die Art und Weise seiner Partnerin hat bei mir beim Lesen leider öfter Kopfschütteln ausgelöst. Ich weiß nicht, ob ihre sprunghaft aufbrausende Art mit Absicht als Gegenpol zu Takeda geschaffen wurde, aber im Gegensatz zu ihm fühlte sie sich als Figur zu sehr gewollt an. Der Fall an sich war von der Prämisse her interessant, aber die einzelnen Elemente hätten noch organischer ineinander greifen können. Was ich ein bisschen unglaubwürdig fand, waren die jeweiligen Einzelbesuche von Takeda und Harms bei Zeugen. Unabhängig davon, dass ich glaube das Takeda zwar gut Deutsch spricht, aber vielleicht trotzdem nicht alle subtilen Hinweise in Zeugenaussagen erkennen kann, müssten solche Befragungen nicht generell mit 2 Ermittlern durchgeführt werden? Trotzdem ein guter Auftakt für die Reihe, denke ich, aber nicht die erhoffte neue Suchtreihe.
Gar nicht so schlecht. Ich mag Hamburg, so anders als mein südwestdeutsches Zuhause. Ich mag den japanischen Inspektor. Sogar seine deutsche Kollegin (meine Namensschwester ...) mag ich. Sie könnte jedenfalls viel schlimmer sein. ;) Auch der Fall ist interessant, wenn auch etwas klischeebeladen mit den Türken, die keiner mag, den alten Linken und neuen Rechten. Und man erfährt einiges über die Japaner. Der Autor kennt sich offensichtlich ziemlich gut aus. Bin gespannt, wie es weitergeht.
Ein sehr entspannter Krimi, in dem die Bezüge zu Japan und der neugierig-offene Blick auf den hiesigen Alltag amüsieren. Das Erzähltempo ist sehr gelassen und ruhig, manchmal aber doch zu ruhig. Ein Spannungsaufbau gelingt leider damit nicht durchgängig.
Sehr gut, und dazu sehr interesant war es, um die japanische Kultur in der Polizei arbeit zu erfahren. Ich habe das Buch sehr genossen, und werde mehr Romaner mit Inspektor Takeda lesen!
Im Rahmen einer Kooperation zwischen der Kriminalpolizei Hamburg und der Polizei in Tokio kommt Kommissar Kenjiro Takeda für zwei Jahre nach Hamburg. „Ken“, der noch nicht lange geschieden ist, wurde aufgrund seiner Sprach- und Landeskenntnisse als Austauschpartner ausgewählt. Dem Kollegen aus Japan eilt der Ruf voraus, ein brillanter Ermittler zu sein. Bevor der Austausch beiden Ländern in der Zukunft nützen kann, scheint Ken für seine Mentorin Claudia Harms bisher eher eine Last zu sein. Ein Crashkurs wie Japaner ticken hat offenbar kaum Eindruck bei Harms hinterlassen; im Umgang mit ihrem japanischen Hospitanten wirkt sie für jemanden in ihrer beruflichen Position reichlich rüde. Hinter Harms ungehobelter Art verbirgt sich eine ehrgeizige Frau, zu ehrgeizig für die Männerdomäne Mordkommission.
In ihrem ersten gemeinsamen Fall ermitteln Harms und Takeda zum Tod eines älteren, desillusionierten Buchhändler-Ehepaars in Hamburg Altona. Das Haus in Altona, in dem das Paar lebte und arbeitete, soll abgerissen werden. Fast alle Mieter haben eine Abfindung erhalten und sind bereits ausgezogen. Bereits bevor das Viertel durch Luxussanierung sein Gesicht verlieren wird, kündigte sich der wirtschaftliche Niedergang der früher einmal bekannten linken Buchhandlung an. Die Ermittler fahnden nach möglichen privaten, geschäftlichen oder politischen Motiven für den Tod des Paars. Dabei geraten sie im Viertel auch in Kontakt mit Parallelgesellschaften und deren Konflikten. Die politische und private Vorgeschichte des Paars nimmt für Takeda erst allmählich Form an; Claudia Harms muss jedoch die Erfahrung ihres Kollegen und seinen ausgeprägten Instinkt bei Ermittlungen am Tatort anerkennen. Takeda beobachtet sorgfältig und wird für die Arbeit an diesem Fall schon bald unentbehrlich.
Harms und ihr japanischer Kollege arbeiten bei aller Eigenwilligkeit und kulturellen Verschiedenheit überraschend erfolgreich zusammen. Mit ihren privaten Eigenheiten zeigen beide Potential für weitere Ermittlungen. Bei interkulturellen Begegnungen kommt es ja nicht nur auf die Fremdheit des Anderen an, sondern das Fremde spiegelt, wer man selbst ist. Die Möglichkeiten solch einer Zusammenarbeit schöpft Henrik Siebold für seinen Krimiplot längst nicht aus. Zwar vermittelt er umfangreiches Wissen über Japan, seine Sprache und die Landessitten, lässt nach meinem Geschmack seine Leser dabei jedoch zu wenig in Takedas persönliche Wahrnehmung blicken. Die typisch deutsche Sichtweise des Beobachters verdrängt zu oft Takedas persönliche Sicht auf ein multikulturelles Stadtviertel. Im mittleren Teil leidet die Spannung unter der Vielzahl der Handlungsfäden und denkbaren Motive, zieht zum Ende jedoch wieder an. Ein sorgfältigeres Lektorat sollte sich mit Logik (S. 43) und Stil befassen. Einige Passagen der Erzählerstimme wirken zu lax und umgangssprachlich. Auch wenn sich z. B. in der gesprochenen Sprache „die ganzen“ für viele/alle durchgesetzt hat, empfinde ich das noch lange nicht als gutes Deutsch.
Fazit: Ein durchaus lesenswerter Krimi - der im mittleren Teil an Tempo verliert - vor dem Hintergrund deutscher Nachkriegsgeschichte, mit eher gering ausgeprägtem Lokalkolorit.
Für mich 2,5 Sterne, die ich aus Liebe zur schönsten Stadt der Welt mal auf 3 hochwerte. Ich habe einiges an Problemen mit dem Buch gehabt. Die Kurzversion: Die Kommissarin ist ein wandelndes Klischee und so überdeutlich von einem Mann geschrieben, dass es fast schon lächerlich ist. Der Schreibstil ist manchmal viel zu fokussiert auf langweilige Details (das Buch hätte sicher um ein Drittel gekürzt werden können), manchmal so sprunghaft in der Erzählung, dass es wirkt, als ob der Autor sich nicht ganz sicher war, wie die Handlung von Punkt A nach Punkt B kam, also hat er die Erklärungen einfach gelassen. Takeda ist zwar interessant, aber ein ziemlicher Gary Stu (in allem perfekt, gutaussehend, intelligent, quasi ohne Fehler...). Der Fall selbst hat mich noch am meisten interessiert, und ich war bis kurz vor Schluss ganz angetan. Dann jedoch wurde die Handlung so unglaubwürdig und überladen, dass mich die Auflösung am Ende eher irritiert hat (vor Allem der Verweis "Wenn sie früher die Standardprozedur xy gemacht hätten, wäre der Fall längst geklärt" war wirklich lachhaft). Aus dem Konzept hätte man wirklich etwas machen können, denn der Hamburg-Tokyo Kulturclash war amüsant, gespickt mit viel Lokalkolorit, und interessanten Vergleichsgedanken. Aber ich persönlich war eher enttäuscht von der Umsetzung. Schade, denn ein Krimi der in meiner Heimatstadt spielt und in dem ich viel erkenne und mich daher sehr gut in die Handlungsorte eindenken konnte, schien zunächst ein Glücksgriff zu sein.
Das Buch: Mir gefällt das Bild auf dem Cover sehr gut. Wer nicht aus Hamburg kommt, kennt aber vermutlich trotzdem die Speicherstadt. Somit ist sofort klar, wo Inspektor Takeda ermittelt. Es handelt sich hierbei um den ersten Teil um das Ermittlerduo Kenjiro Takeda und Claudia Harms.
Worum geht’s? Ken Takeda ist eigentlich Ermittler bei der Tokioter Polizei. Er genießt einen sehr guten Ruf, hat aber persönliche Probleme. Er nutzt ein Programm zwischen Japan und Deutschland um für 2 Jahre bei der deutschen Polizei zu ermitteln. Claudia Harms, die einzige weibliche Ermittlerin bei der Hamburger Mordkommission, bekommt den Auftrag ihn in die deutsche Polizeiarbeit einzuführen. Darüber ist sie zunächst alles andere als begeistert, da sie befürchtet nun keine wirklichen Fälle mehr übertragen zu bekommen. Sehr schnell bemerkt sie jedoch, dass in Ken viel mehr steckt, als sie anfänglich vermutet hatte und der Fall entwickelt sich zu deutlich mehr als einem Doppelselbstmord der Eheleute Haubach.
Charaktere: Henrik Siebold hat in diesem ersten Teil zwei unverwechselbare Charaktere gezeichnet, die viele Gemeinsamkeiten aber auch deutliche Unterschiede aufweisen. Sowohl Claudia Harms als auch Ken Takeda sind in ihrer Einzigartigkeit zu jeder Zeit glaubwürdig. Im Verlauf des Buches lernt der Leser beide Ermittler immer besser kennen. Aber der Autor versteht es „nicht alles auf einmal zu erzählen“ und überlässt dem Leser so die Möglichkeit zu eigenen Spekulationen.
Claudia Harms ist für mich die typische Hamburgerin – gerade heraus, manchmal etwas zu laut und ungeduldig, aber herzlich. Sie hat sich in jungen Jahren ihrem Vater widersetzt und ist ihren eigenen Weg gegangen. Hier ist Ken Takeda das absolute Gegenteil – ruhig und besonnen, auf japanische Art zurückhaltend. Auf mich wirkt er sehr vornehm – sowohl in seinem Auftreten als auch in seiner Ausdrucksweise. Darüber hinaus hat er sich dem Willen seiner Eltern, speziell seines Vaters, auf traditionelle Art gebeugt.
Ken Takeda spricht fließend Deutsch, weshalb es keine Verständigungsschwierigkeiten gibt. Allerdings wiederholt er Gehörtes oft, was der Autor in den Text einfließen lässt. Etwas, das mir ausgesprochen gut gefallen hat und mich zum Schmunzeln brachte. Und er sammelt besonders lange, deutsche Wörter – ebenfalls eine Eigenschaft, die mir Ken Takeda überaus sympathisch macht. Claudia Harms übt sich in kurzen Sequenzen im Japanischen, was ihren Respekt ihrem Kollegen gegenüber ausdrückt – insbesondere als sie sich entschuldigen will. Das lässt sie noch einmal etwas liebenswürdiger erscheinen, als sie ohnehin schon ist.
Eine Eigenschaft von Ken Takeda gefällt mir ganz besonders gut. Er ist Whisky-Trinker und in diesem Zusammenhang musste ich über die folgende Erkenntnis lachen: „… einem sehr japanischen Getränk, bei dem guter Whisky soweit mit Wasser verdünnt wird, bis er wie Tee aussah … Man konnte nur hoffen, dass die schottischen Destillen nie von dieser Unsitte erfuhren, sie würden den Export nach Japan … augenblicklich einstellen.“ (Zitat, S. 285) Das ist Humor, wie er in diesem Buch öfter geschrieben steht.
Auch alle anderen Figuren passen hervorragend in die Geschichte. Durch die Befragungen der Ermittler erfährt der Leser mehr und mehr über das, was vor dem Fund der Toten passierte. Einige Charaktere sind dabei sofort sympathisch, andere suspekt und wieder andere kann man von Anfang an einfach nicht leiden. Es ist als hätte der Autor ganz reale Situationen beobachtet und aufgeschrieben.
Setting: Ich liebe Hamburg! Ich wohne hier und habe die Veränderung – auch in Altona – ebenfalls gesehen und erlebt. Henrik Siebold ist es glänzend gelungen, über eben diese Veränderungen im Stadtbild, in der Zusammensetzung der Einwohner und die Interaktionen miteinander zu erzählen. Dabei bleibt er völlig wertfrei. Es sind Beobachtungen und der Leser kann sich seine eigene Meinung bilden. Hin und wieder habe ich gedacht, ja… das stimmt, das sehe ich genauso.
Gleichzeitig erzählt der Autor – der selbst in Japan gelebt und gearbeitet hat – über eben dieses Land. Diese Sequenzen sind nie vordergründig oder zu ausführlich. Vielmehr verpackt er sie in Kens Erinnerungen oder wenn er Claudia etwas erzählt. Und das tut er glaubwürdig. Ich kenne Japan nicht, aber auf mich machen diese „Ausflüge“ einen sehr authentischen Eindruck. Er erzählt über Traditionen, über die Menschen dort, über Kens Jugend und darüber, wie sich Japan entwickelt hat. Dies alles gekonnt verpackt in einer Hamburger Geschichte.
Sozialbetrachtung: Mir gefällt es sehr, wie Henrik Siebold es schafft, sowohl die Freund- als auch die Feindschaft zwischen Deutschen und Migranten darzustellen, ohne in der einen oder anderen Ecke zu landen. Es ist ein politischer Fall, da bleibt es nicht aus, dass sich Autor und Leser mit der politischen Meinung der unterschiedlichen Charaktere befassen müssen. Ganz wunderbar wird die Entwicklung der einzelnen Figuren und ihrer Beziehungen zueinander erzählt – aber auch hier ist diese Entwicklung wieder nicht im Vordergrund. Darüber hinaus berichtet der Autor auch – wenn auch nur am Rande – über sehr reale Personen und Fälle in Hamburg wie z.B. Ronald Schill und den Ehrenmord an Morsal Obeidi. Mir gefiel diese Verflechtung von Fiktion und einigen realen Fakten sehr gut. Ein Satz hat mir in Bezug auf den Wandel des Landes ganz besonders gut gefallen. Ausgesprochen wurde er von Inspektor Takeda: „Deutschland ist nicht mehr so deutsch, wie ich es in Erinnerung hatte. Wie alle glauben, dass es ist.“ (Zitat S. 246)
Schreibstil / Dialoge: Der Schreibstil von Henrik Siebold ist toll. Man kann in die Geschichte eintauchen und sich von ihr mitreißen lassen. Es gibt keine komplizierten Satzbauten – nur manchmal schwierige Worte aus dem Japanischen, aber das gehört in diesem Fall einfach dazu. Die Dialoge sind lebendig und klingen authentisch. Ich musste immer wieder lachen, wenn Ken feststellte, wie sehr die Deutschen jammern. Immer wieder positiv aufgefallen ist mir, dass typisch hamburgische Redewendungen oder Worte erklärt werden z.B. was es mit den „Pfeffersäcken“ auf sich hat und dass „Hamburg die schönste Stadt“ der Welt sei. Man fühlt sich in der Geschichte als Hamburger ganz einfach zu Hause.
Fazit: Dieses Buch ist eine wunderbare Mischung aus Kriminalfall, Sozialstudie und der Unterschiedlichkeit der deutschen und japanischen Kultur. Wer den stillen, wenig blutrünstigen Krimi mag, einen Fall, der wohl konstruiert ist ohne konstruiert zu wirken, der wird dieses Buch lieben. 5 von 5 Sternen.
Die recht eigenwillige und leicht erregbare Hamburger Kommissarin Claudia Harms ist wieder einmal sauer! Da hat man doch ausgerechnet ihr den Auftrag erteilt, sich um den Kollegen Ken Takeda aus Tokio zu kümmern, der im Rahmen eines wenig beliebten, verächtlich belächelten Austauschprogramms für zwei Jahre nach Deutschland geschickt wird, um hier Erfahrungen zu sammeln und die hiesige Vorgehensweise bei der Verbrechensbekämpfung zu studieren, wobei er voll eingebunden sein soll in alle anfallenden Ermittlungen. Claudia aber weiß es besser! Als Kaltstellen ihrer Person betrachtet sie ihre unliebsame Aufgabe, weiß sie doch, dass sie, die einzige Hauptkommissarin der Mordkommission, nicht nur ihren ausschließlich männlichen Kollegen sondern vor allem ihrem Chef, der sie liebend gerne loswerden möchte, ein Dorn im Auge ist, ein Ärgernis, der man jede Gelegenheit verwehren sollte, ihr unanzweifelbares Können bei der Lösung auch der kompliziertesten Fälle unter Beweis zu stellen. Doch die Vorbehalte, die Claudia dem Japaner gegenüber hat, zerstreuen sich schnell, denn dieser ist, so stellt sich rasch heraus, ein außerordentlich sympathischer und höflicher Mann, der nicht nur ein begabter Saxophonspieler und Karaoke-Sänger ist, sondern darüber hinaus auch noch mit einem besonderen Gespür für Kriminalfälle gesegnet ist – und einer enormen Neugierde auf Deutschland, das Land, das ihm sein Vater, ein Verehrer der deutschen Kultur und überhaupt alles Deutschen, in den leuchtendsten Farben geschildert hat. Dass der erste Einsatz, zu der der Chef die mürrische und besserwisserische Claudia und den eleganten Japaner mit der Vorliebe für teure Anzüge abordnet und der als unwichtige und von Anfang an als bereits gelöst betrachtete Angelegenheit angesehen wird, sich als ziemlich verzwickt herausstellen würde, war nun wirklich nicht geplant! Dem ungleichen Ermittlerpaar wird nämlich schnell klar, dass der als Selbstmord eingestufte Tod eines Buchhändlerpaares im Hamburger Stadtteil Altona in Wirklichkeit ein geschickt getarnter und mit großer Sorgfalt ausgeführter Mord ist! Der Täter scheint bald festzustehen, doch ist er so offensichtlich, dass den inzwischen gut zusammenarbeitenden west-östlichen Ermittlern berechtigte Zweifel kommen. Gegen alle Widerstände beginnen sie, in einem Sumpf von Verrat, rücksichtsloser Bauspekulationen, grassierendem Ausländerhass und unkontrollierbarer Aggressionen zu stochern – und geraten alsbald immer tiefer in immer gefährlicher werdende Situationen, bis sie schließlich, als es für beide schon beinahe zu spät ist, die ganze trübe, traurige und zutiefst abstoßende Wahrheit erkennen.... Der Japankenner Henrik Siebold hat mit dem ersten Band um die beiden Kommissare Ken Takeda und Claudia Harms einen trotz der düsteren Szenerie erfrischend neuen, einen jedenfalls nicht alltäglichen Kriminalroman geschrieben, der sich angenehm von der den längst unüberschaubar gewordenen Krimimarkt überflutenden Massenware mitsamt ihrem auf die Nerven gehenden Lokalkolorit unterscheidet. Dabei ist der Mordfall, um den es in vorliegendem Roman geht, zwar nicht leicht zu durchschauen, aber auch nicht sonderlich spektakulär, der Hintergrund, vor dem die beiden Hauptfiguren ermitteln, ist, wenn auch traurige Wirklichkeit, nichts, worüber man unbedingt Bescheid wissen möchte und schon gar nichts, was als Stoff für einen wirklich guten Krimi vorstellbar wäre. Und auch das ungleiche Polizistenpaar hat man ganz ähnlich schon in zahlreichen anderen Kriminalgeschichten angetroffen. Was vielmehr den Reiz der hier zu besprechenden Geschichte ausmacht, ist die Art und Weise, wie der Autor die aus anderen Romanen dieses Genres hinlänglich bekannten Ingredienzien miteinander mischt und verschmelzen lässt, wie er Schritt für Schritt eine Reihe von unannehmbaren Zuständen wie auch Machenschaften vor der Kulisse der bei so vielen Menschen angesagten und ach so attraktiven und lebenswerten Stadt Hamburg aufdeckt, durchaus auch vorsichtig anprangert, die umso erschütternder sind als sie, man kann es nicht mehr leugnen, der Realität entsprechen und, möchte man Prognosen wagen, eskalieren werden, wenn keine Lösungen gefunden werden. Der eigentliche Glückstreffer des Kriminalromans allerdings, die Figur, mit der alles steht und fällt und ohne die die Geschichte doch wieder in die Durchschnittlichkeit zurückfallen würde, ist Kenjiro Takeda, der in den uralten Traditionen seines Heimatlandes verwurzelte Japaner, der dennoch offen allem Neuen und für ihn unendlich Fremden gegenübersteht, dessen ausgesuchte Höflichkeit so wohltuend ist und durch dessen Augen der Leser einen Blick wirft auf das eigene Heimatland – und damit auch auf sich selbst. Gleichzeitig nähert er sich dem Land, aus dem Inspektor Takeda stammt, erfährt nicht wenig über eine ganze Reihe japanischer Gepflogenheiten, über für Westliche sehr fremdartig anmutende Denk- und Verhaltensweisen, die aber trotzdem, oder gerade deshalb, eine eigenartige Faszination ausüben. Auch Takedas Zusammenspiel mit der kantigen, oft grob unhöflichen, insgesamt wenig sympathisch erscheinenden, doch außerordentlich fähigen Kollegin Claudia Harms hat seinen Reiz. Beide finden trotz entgegengesetzter Ansichten und Lebensphilosophien eine tragfähige gemeinsame Basis, finden zu einem tiefen gegenseitigen Verständnis, das eher auf Instinkt als auf Ratio beruht und das, so meine ich, von dem Autor dem Leser sehr glaubhaft vermittelt wird, authentisch geradezu, in keiner Weise konstruiert oder an den Haaren herbeigezogen wirkend, wie man das des öfteren in ähnlichen Roman-Konstellationen bereits erleben und erleiden durfte. Und dieses wunderbare west-östliche Paar, dessen Zusammenarbeit sich – bisher! - ausschließlich aufs Berufliche bezieht, lässt denn auch – fast – gewisse Mankos vergessen, die vor allem in der sich doch etwas zu sehr hinziehenden, sich auf zu vielen Schlachtfeldern abspielenden und damit unnötig verwirrenden und auch überfrachteten Handlung zu finden sind. Hier wäre etwas weniger gewiss mehr gewesen.... Doch sei's drum – der Krimi ist in jedem Falle empfehlenswert und macht neugierig auf ein Wiedersehen mit dem anziehenden Japaner in den inzwischen erschienenen drei Folgebänden!
If possible I would have given more stars! And sorry, all my English speaking friends, obviously this is only abailable in German, but this was a very gripping, engaging read. It kept me guessing up to about 80 pages before the end, when I got a hunch. Nevertheless, the solution in the end was rather surprising. Very well done!
There was a similarity regarding the music, it was woven into the story in a way that reminded me of Harry Bosch and Inspector Banks. Not a bad thing!
Additionally there was the fact that the whole setting of the story and the problems with migrants and hints to NSU, with all that it was very current and up to date.
If I had something to niggle, I would be the vast amounts of alcohol our heroes consumed and the lack of proper sleep. But that's most probably just my age talking. LOL!
The dynamic between our MCs was very believable and entertaining and I really hope, that the author is already working on the next book with Claudia Harms and Kenjiro Takeda.
Ein Buch, das mir wirklich gut gefallen hat. Neue Umgebung, neuer Fall, relativ unkomplizierte Kommissare, das macht neugierig. Henrik Siebold findet hier die richtige Mischung aus Spannung, Humor, ernsthafter Arbeit, der Polizisten und auch dem brisanten Hintergrund in der zu ermittelnden Szene.
Ich hoffe, da gibt es noch mehr Fälle mit dem Austauschkommissar aus Japan und der sympathischen HK Claudia Harms.
Inspektor Takeda bietet ein unterhaltsames Krimi-Erlebnis mit einem skurrilen, cross-kulturellen Ermittlerduo – oft charmant, manchmal aber auch klischeehaft. Besonders gelungen sind die atmosphärischen Details: der Kiez von Hamburg-Altona, lokale Konflikte, Jazz-Anspielungen – sie sorgen für authentische Momente und machen das Lesen angenehm kurzweilig.
Im Vergleich zu meinen jüngsten Lektüren – Robin Alexander (Letzte Chance), Gabrielle Zevin (Tomorrow, and Tomorrow, and Tomorrow), Chimamanda Ngozi Adichie (Dream Count) und Haruki Murakami – fehlt mir jedoch die Tiefe. Dort wird Kultur als Erfahrungsraum erlebbar gemacht: vielschichtig, reflektiert und lebendig. Bei Siebold hingegen bleiben kulturelle Elemente oft Rückblicke oder kurze Einschübe, die von Takeda selbst kaum reflektiert werden. Figuren bewegen sich eher entlang bekannter Muster – der exzentrische Gerichtsmediziner, die Ermittlerin aus männlicher Perspektive – während Takedas Sprachbarrieren zu einem wiederholten Gag verkommen.
Fazit: Eine atmosphärische Krimireihe mit sympathischem Setting und einigen kulturellen Highlights – mir fehlt jedoch mehr Nuanciertheit: Kultur zum Mitfühlen statt als Kulisse, komplexere Figuren und Beziehungsgeflechte. Ich bleibe der Reihe treu, hoffe aber auf weniger Klischees und mehr echte kulturelle Würdigung.
Ein relativ seichter Krimi, in dem ein Kommissar aus Japan, Inspektor Takeda, im Rahmen eines Austauschprogramms nach Hamburg kommt, um dort mit seiner Kollegin Claudia Harms in der Mordkommission zu ermitteln. Ein Ehepaar wird tot aufgefunden, was erst nach Suizid aussieht, entpuppt sich bald als Mord.
Auch wenn die japanische Perspektive auf die deutsche Gesellschaft eine nette Idee ist, plätschert der Krimi so vor sich hin, natürlich vor gängigen Orten der Stadt Hamburg, die als Kulisse des Geschehens dient und der erste Fall bemüht sich, aktuelle Themen wie aggressive Immobilienerschließung, Gentrifizierung, den NSU und die Neo-Rechten unter einen Hut zu bringen und arbeitet sich damit an klischeehaften Figuren ab, die man schon aus ARD/ZDF-Krimis kennt. Es gibt Schlimmeres, denn sprachlich ist der Krimi gut gelungen, aber eben relativ flach.
Gottseidank kein Regional-Krimi, denn obwohl er in Hamburg spielt gibt es (im Gegensatz zu den diversen Frankreich-Krimis aus deutscher Feder) keine Betrachtungen touristischer Motive im Schein der untergehenden Sonne oder raffinierte Kochrezepte. Dieser Krimi spielt und betrachtet das Hamburg und Deutschland von heute, mit Deutsch-Türken, sowie jammernden Deutschen, die Beamte, neue und alte Rechte und auch alte Linke sind, aber es ist ein ganz normaler Krimi. Der eben auch dieses sich von historischen Klischees so stark unterschiedliche Deutschland aus Sicht eines externen Betrachters beschreibt , des japanischen Austausch-Kriminalisten Inspektor Takeda.
Dieser ist auch kein typischer Japaner und zusammen mit seiner deutschen Partnerin ermittelt da ein für den Leser sehr interessantes Team in einem Fall mit vielen Überraschungen. Mögen diesem Buch noch viele folgen!
Eine spannende Kombination: Ein japanischer Gast-Ermittler bei der Hamburger Polizei, der kurz nach seiner Ankunft gemeinsam mit einer deutschen Kollegin seinen ersten Fall übernimmt. Mir hat insbesondere der Aufbau der Geschichte sowie auch ihre Auflösung gut gefallen. Mal wird allein über Ken Takeda geschrieben - der sich über Verschiedenes, das ihm in Deutschland begegnet wundert - mal über Claudia Harms - die sich über Verschiedenes bei ihrem neuen japanischen Kollegen wundert. Bei beiden Hauptcharakteren kommen auch schnell ihre privaten Geschichten ins Spiel und bereits beim ersten Band habe ich das Gefühl, dass sie sich beide weiterentwickeln werden. Ich bin gespannt auf den nächsten Fall!
Nope nope nope. I just can't get through it. The bad Japanese makes it very obvious that the author does not speak the language, and couldn't be bothered to let someone who actually does check if his Katakana German-Japanese mash-up makes sense. If you're just a little interested in seeing Japanese culture meeting German culture - go ahead by all means, you might enjoy it. But if you are like me, German, and actually live in Japan, it is very cringy.
Der Krimi hat eigentlich eine spannende Ausgangslage und das Setting in Altona bringt eine schöne Atmosphäre mit – leider wird das Ganze durch die Figur Claudia Harms ziemlich getrübt. Sie wirkt auf mich flach, klischeehaft und einfach nur anstrengend. Ihre überzeichnete Art hat mir das Lesevergnügen streckenweise echt verdorben. Schade, da wäre mehr drin gewesen. Trotzdem werde ich Teil 2 lesen und dem Ganzen noch eine Chance geben – vielleicht entwickelt sich die Reihe ja positiv weiter.
Nett geschrieben, was mir besonders gefallen hat war, dass die Untersuchung nach der vermeintlichen Lösung erst richtig begonnen hat und die kompletten Hintergründe lange nicht für mich erkennbar waren. Nicht zu viel, aber in einer angenehmen, humorvollen Weise wird dir Sprechweise des Japaners ausgeschrieben, die mich sehr an eigene Erfahrungen erinnert. Ich freue mich auf Band 2
Eine schöne Beobachtung des gesellschaftlichen Wandels in Deutschland und seiner damit verbundenen Herausforderungen. Auch ich fand die Figur der weiblichen Ermittlerin ein wenig unter komplex und zu sehr aus männlicher Sicht geschrieben. Auf jeden Fall macht das Buch Lust nach Hamburg und Japan zu reisen..
Grundsolider Krimi mit allem was man von Hamburg erwarten darf: nationale Dorfbullen, noch nationalere Anwälte, hormongesteuerte türkische Schläger, verbitterte Altlinke, noch verbittertere RAFler und als Salz in der Suppe ein japanischer Austausch-Kommissar.
In der Hoffnung eine neue intelligente Krimireihe zu finden, gefiel mir die Idee dieses japanischen Kommissar sehr gut. Hier ist aber so viel Klischee und Konstruktion im Spiel, dass es am Ende nur noch genervt hat, vor allem die Figur der weiblichen Ermittlerin. Schade, keine Reihe für mich.