Maria Sibylla Merian war gleich in mehrfacher Hinsicht eine außergewöhnliche Frau. Schon als kleines Mädchen interessierte sie sich für alle Arten von Insekten, nicht nur für die hübschen Schmetterlinge, nein, bei ihr durften es auch Raupen, Käfer und Fliegen sein, die sie in Schachteln mit nach Hause nahm und beobachtete. Sie hatte das Glück, in einer Familie von Malern und Kupferstechern (Tochter des berühmten Matthäus Merian d. Ä.) aufzuwachsen, die ihre Talente förderte. Und selbst als Hausfrau und Mutter hat sie ihre Leidenschaft der Erkundung und naturgetreuen Darstellung von Tieren und Pflanzen nicht aufgegeben, sondern verwirklichte sie weiter, indem sie opulente Bildbände veröffentlichte, zuletzt mit den Ergebnissen ihrer zweijährigen Reise nach Surinam. Ich war schwer beeindruckt von dem Forscherdrang, aber auch dem Selbstbewusstsein und Mut Maria Sibylla Merians.
Boris Friedewald hat auf weniger als 150 Seiten dieses spannende Leben skizziert und es mit Darstellungen aus Merians Werk so illustriert, dass man einen Eindruck von ihrer Lebensleistung gewinnen kann. Er schreibt gut, einfühlsam, nur an einigen Stellen hätte ich mir genauere Erklärungen gewünscht und ich war mir nicht immer ganz sicher, ob Fragen offen bleiben geblieben sind, weil der Platz oder weil die Quellen zu ihrer Beantwortung fehlten. Wirklich enttäuscht hat mich allerdings das Format der Reise zu den Schmetterlingen. Es handelt sich nämlich nicht um einen Bildband (in DINA4-Größe), sondern um ein Geschenkbändchen, zwar wunderhübsch, aber in Taschenbuchgröße, bei dem manche Illustrationen und Untertitel für mich zu Suchbildern wurden.