Nicht nur wir Deutsche lieben den kleinen frechen Gallier und seinen dicken (»Nein, ich bin nicht dick!«) Freund Obelix: Asterix’ Abenteuer wurden in unzählige Sprachen und Dialekte übersetzt und jeweils in den nationalen Kontext eingebettet. Mal sehr frei, manchmal wirklich genial. Man denke nur an die Namen, auch wenn es Methusalix schlimmer hätte treffen können: In Finnland wurde er zu Senilix, in den USA zu Arthritix. Jörg Fündling schildert die Geschichte des Comics, porträtiert Texter, Zeichner und Übersetzer und zeigt, welches Echo die einzelnen Bände hervorgerufen haben, welche wir besonders gerne lesen – und warum zum Beispiel Asterix bei den Goten gerade nicht. Eindrucksvoll beleuchtet der Althistoriker, wie sich die Antike in Asterix spiegelt und wie einzelne politische Ereignisse oder auch Charaktere – antike wie zeitgenössische – im Comic verarbeitet wurden.
Der Autor pflegt in seinem Werk einen ambivalenten Kult um Asterix, der von einer grundsätzlichen Begeisterung für diesen genährt wird und veranlasst wurde. Ebenso ambivalent erscheint das, was Jörg Fündling über diese Comicreihe geschrieben hat. Zunächst meint man, bei Reclam 100 Seiten eine Einführung in die Thematik lesen zu können, zu der der Autor einen persönlichen Zugang hat, der, sei er auch noch so abwegig, die Einleitung füllt. Doch was hier geboten wird, ist vor allem Essay, dann Rezension und Kritik und nur nebenbei eine Einführung oder besser gesagt ein historischer Abriss, der das chronologische Gerüst bietet, an dem das Buch sich abarbeitet. Für jemanden, der in das Thema eingeführt werden will, schildert Fündling die Verhalte zu kurz, das heißt konkret: mit zu wenigen Anmerkungen und Erklärungen. Es scheint als schreibe er für ein Publikum beziehungsweise eine Generation, die diese Erläuterungen, also dieses Buch, nicht braucht. Wenn er und dies steht hier pars pro toto auf S. 30 „aus offensichtlichen Gründen“ schreibt und die Sache dann für erledigt hält, erschließt sich mir die Sache nicht zwangsläufig. Ab und an ist auch der Zusammenhang der gegebenen Informationen nicht – zumindest nicht einfach – verständlich. So manche Argumentationslinie bleibt textimmanent unverständlich, für mich nicht nachvollziehbar. Doch nicht nur dies muß der Leser hinnehmen, sondern ebenfalls den eigenwilligen, all zu oft abgehackten Sprachstil, der sich zusammen mit einer eigenen Art von Humor und Ironie dem Leser darbietet. Der zwanghaft wirkende Versuch, der sich besonders in der Einleitung aufdrängt, die Informationen unterhaltsam zu vermitteln wird im Laufe der Seiten von einer gewissen Gewöhnung an den Duktus abgelöst. So kann man sagen, daß die vom Cover geweckten großen Erwartungen an den Inhalt, den er umschließt, ernüchtert werden. Es findet sich kein einziger Comicstrip, nicht einmal irgendein Ausschnitt, abgedruckt. Dies mag aus Gründen der Sparsamkeit sein, ist deswegen trotzdem nicht schön. Auch sind nicht alle Bilder beschriftet, es fehlt ein Informationstext dazu, beispielsweise auf S. 21. Nach so viel Kritik ist berechtigterweise zu fragen, was denn gut gelungen ist und das ist einiges. Der Autor weist auf viele Bezüge der Comicserie und Querverweise hin, leider nur nicht ausführlich genug. Hierbei kann er seine umfassende Bildung und seinen großen Sachverstand bestens unter Beweis stellen, weswegen die Lektüre – auch wenn sie bisweilen schwerfallen mag – gewinnbringend ist. Durchwegs gibt Fündling kompetente Einschätzung, was ihn grundlegend von deutschen Wikipedia-Artikel zu Asterix unterscheidet, der zwar mehr Fakten bieten mag, jedoch diese nicht so recht einzuordnen versteht. Auf jeden Fall verschafft die Lektüre dieses Buches ein besseres Gesamtverständnis als es das, was ich im Internet dazu gelesen habe. Dies gelingt unter anderem durch die sehr gute Gliederung der 100 Seiten. Objektiv scheint mir, will der Autor gar nicht sein. Dafür fließt zu viel von seinem persönlichen Urteil ein, welches auch unbegründet und apodiktisch auftritt, manchmal ohne sich (oberflächlich) ganz festlegen zu wollen, wie im Epilog (S. 97 – 100), manchmal plötzlich hervorragend, wie auf S. 44: „in Aachen, der erstaunlichsten Stadt des Universums“, ohne weitere Begründung. Insgesamt ist auch meine Bewertung dieses Buches ambivalent, denn zum einen ist es nicht die erwartete und erhoffte Einführung und zum anderen eben doch auf einem ganz anderen eigenen Niveau. Die Lektüre kann ich also empfehlen, jedoch ohne Vertrauen auf die Erwartung des ersten Eindrucks.
Informatives Buch über den kleinen Gallier und seine Geschichte, die dann am stärksten ist, wenn Autor Fündling persönlich wird. Prolog und Epilog sind großartig.