Der Band Kolonialismus erschien in der Reihe C.H.BECK Wissen, ist also vom Anspruch her eine neutrale Beschreibung eines bestimmten Themengebietes. Ob dies hier genauso wie bei Themen wie "Die Germanen" oder "Technik im Mittelalter" gelingen konnte? Schwierig erscheint es mir jedenfalls.
Die Autoren versuchen, Kolonialismus thematisch abzuarbeiten, von einer ordentlichen Begriffsdefinition, über staatliche Organisation, Wirtschaftsform, Gesellschaft, etc. Ein Versuch, Kolonialismus in Epochen zu gliedern ist auch dabei.
Das vielleicht unlösbare inhärente Problem ist, dass Kolonialismus sehr facettenreich war. Solange sich einfache Schemata finden lassen, ist das Buch sehr hilfreich, wegen der vielfältigen Abweichungen vom Schema in der Realität, werden dann doch oft Einzelfälle erwähnt, aber eben natürlich nur einzelne, oft bekannte.
Die gewählte Sachlichkeit, die bei einem unverfänglicheren Titel selbstverständlich wäre und an sich auch für eine einem ausführlichen Lexikonartikel, dem dieses Buch gleicht, angebracht ist, grenzt manchmal aber auch an einer gewissen Verharmlosung. Es wird sehr wenig auf den gewalttätigen Charakter (den ich jedenfalls bei dem Thema zu sehen meine) hingewiesen. Es liest sich eher so, wie wenn man über die Bundesrepublik Deutschland referieren würde.
Das Buch empfinde ich als Einführung ins Thema, vielleicht auch für universitäre Grundlage zum Thema, okay. Aber nur in Verbindung mit weiterführende Literatur, die auf Einzelbeispiele oder spezielle Themen eingeht, sonst bleibt es zu steril, ja fast irreführend verharmlosend.
Rating: 3.5/5
Sprache gelesen: Deutsch
Gelesen im Jahr: 2020, 2026
Gelesen als: Taschenbuch, Eigentum