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Wir waren keine Helden

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Wir waren keine Helden“ ist ein Coming of Age Roman, startend in den 80ern am „Arsch der Welt“, wo für Sugar mit dem Punker Pete, später auch mit Luke und Silver, Beziehungen für ein ganzes Leben beginnen. Eine rasante Reise durch das Reifen, Erwachsenwerden und Erwachsensein in vielen Etappen, oft im Grenzgang, immer auf der Suche nach stimmigen Antworten. Wieviel Freiheit, wieviel Beständigkeit verträgt ein Leben? Wie sehr können wir Entwicklungen wählen, wie oft wählen sie uns?
Und woher nimmt man den Mut, nach einem Fullbodycheck immer wieder aufzustehen?

Ein Buch wie ein Soundtrack. 24 Kapitel ergeben 24 Songs, die zusammen von 1999 - 2015, den Leser auf eine emotionale Reise durch seine eigene Geschichte schicken.

Candy Bukowski wirft dich zurück auf die Fragen: "bist du die geworden, die du hättest werden können? Hast du dich verraten? Wo stehst du, wenn nicht hinter dir?" Und das macht Bukowski mit einer so intensiven Sprache, mit einem so rotzigen, charmanten, genauen Sound, mit einem für Debütantinnen ungewöhnlich ausgereiftem Stil, dass ich mich schockverliebt habe. Wir waren keine Helden ist nicht für Feiglinge.
(Nina George, Bestsellerautorin "Das Lavendelzimmer")

Candy Bukowskis „Wir waren keine Helden“ ist eine wunderbare Coming-of-Age-Story: eine Geschichte von Aufbruch und Ausbruch, voller Musik und erzählt mit einem unwiderstehlichen Gemisch aus Coolness, Charme und Chuzpe.
(Melanie Raabe, Bestsellerautorin "Die Falle")

236 pages, Hardcover

Published June 9, 2016

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Candy Bukowski

5 books1 follower

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3 (10%)
1 star
1 (3%)
Displaying 1 - 11 of 11 reviews
Profile Image for Corinna.
114 reviews21 followers
October 3, 2016
Inhalt
„Wir waren keine Helden“ ist ein coming of age Roman, startend in den 80ern am „Arsch der Welt“, wo für Sugar mit dem Punker Pete, später auch mit Luke und Silver, Beziehungen für ein ganzes Leben beginnen.
Eine rasante Reise durch das Reifen, Erwachsenwerden und Erwachsensein in vielen Etappen, oft im Grenzgang, immer auf der Suche nach stimmigen Antworten. Wieviel Freiheit, wieviel Beständigkeit verträgt ein Leben? Wie sehr können wir Entwicklungen wählen, wie oft wählen sie uns? Und woher nimmt man den Mut, nach einem Fullbodycheck immer wieder aufzustehen?
Candy Bukowski legt mit ihrem Debütroman das Leben und Lieben auf den Seziertisch. Wild, mutig und schonungslos setzt sie das Messer an und bringt dabei mit leichter Hand und geschliffener Sprache eine Menge Tiefe zum Vorschein.
„…Wer Wehmut mit etwas Sanftem gleichsetzt, weiß nicht, wovon er spricht. Wehmut ist Vermissen in Akzeptanz, man müsste Gandhi sein, um darin etwas Sanftes zu finden. Ich bin nicht Gandhi, ich bin Lara Croft, ich trage einen unsichtbaren Munitionsgürtel um die zu breite Hüfte und bin bereit zu töten. Immer wieder töte ich den armen Gandhi und schneide Gefühlen schön langsam die Pulsadern auf. In Längsrichtung bis runter auf den Knochen…“

Man muss eine Menge dafür tun, um aufrecht groß zu werden. Position 369-369 e-Book

Meinung
Sugar wächst am Arsch der Welt auf, dort ist wirklich nichts für junge Menschen geboten. Als 16-jährige schneit der Punker Pete in ihr Leben. Er zieht wie selbstverständlich in ein Zimmer auf Emmi’s Ranch, wo sich alle immer treffen, um unbeobachtet von den Eltern zu sein. Sugar ist Candy und Candy ist Sugar. Wir begleiten sie auf der Reise ihres Lebens. Und den Versuch Helden zu sein. Wer hier eine Autobiografie erwartet dem soll gesagt sein er täuscht sich. Wortgewandt und mit Sätzen voller Poesie, die wirklich jeder verstehen kann und viel humor machte ich mich zusammen mit Sugar, Pete und Luke auf die aufregende Reise der Helden. Viele Menschen kreuzen den Weg, viele Männer kommen und gehen und alle haben irgendwelche passenden Spitznamen. Silver, der Schnauz oder auch Cinderella Rockefeller. Jeder Satz, jede Seite löste ein Schmunzeln auf meiner Seite oder ein Lachen aus. Oft bewunderte ich sie für ihre Stärke all den Widersprüchen und Gegenwind zu trotzen. Sugar hat ihren Weg gefunden, aber immer stand die Frage im Raum waren wir Helden?
Jedes Kapitel hat seinen eigenen Song bekommen und oft habe ich mich dabei erwischt den Song vor mich hin zu summen, auch wenn das alles sehr 80er Jahre lastig war und ich viele Lieder nicht kannte. Um so näher wir 2000 kamen, umso bekannter waren auch mir die Lieder. Besonders die Stelle mit Wanda/Amore hat mich herzlich zum Lachen gebracht.

Wir waren Helden unserer Zeit, auch wenn die Zeit ein ziemlich unspektakuläres Heldenprogramm eingeschaltet hatte. Position 886-887 e-Book

Fazit:
Wer wir waren keine Helden nicht liest hat definitiv einen starken Roman einer starken Frau auf der Reise ihres Lebens mit viel Wortgewandtheit, Humor und Poesie verpasst.
Profile Image for Charlotte.
31 reviews3 followers
July 12, 2018
So. Verdammt. Wortgewaltig. Schwer einzuordnen, aber ganz schön mächtig.
Profile Image for Steffi | Lesenslust.
141 reviews18 followers
October 25, 2016
„Das Leben ist kein Geschenk. Das ist völliger Unsinn. Es ist ein Gutschein. Und das Einzige, worum es geht, ist, ihn einzulösen, bevor er verfällt.“

Schon das Cover von Candy Bukowskis Romandebüt hat mich umgehauen. Der Tiger verleiht ihm so viel Kraft, Lebendigkeit und Ausdrucksstärke, das man bereits vor dem Lesen vermutet, dass sich dahinter eine charakterstarke Geschichte verbirgt. Das und noch viel mehr. Ein Roman, zum Bersten gefüllt mit Leben.

„Wir waren keine Helden“ ist ein Coming of Age Roman. Die Geschichte, die in den rebellischen 80ern „am Arsch der Welt“ beginnt, strandet irgendwann im nordischen Hamburg. Es geht um Protagonistin Sugar. Eine Frau, die mit Vollgas durchs Leben brettert und dabei stets mit vollem Körpereinsatz dabei ist. Doch ihr Einsatz bringt nicht nur Glücksmomente, sondern auch zahlreiche Niederlagen mit sich. Heftige Momente. Die, in denen man ungedämpft am Boden aufkommt und nicht weiß, ob man je wieder aufstehen kann.

Während Sugar anfangs mit Punker Pete durchs Leben zieht, gesellen sich mit den Jahren Luke und Silver dazu. Männer, die sie ihr Leben lang begleiten und es entscheidend prägen. Doch die Suche nach dem großen Glück und der einzig wahren Liebe verlangt ihr alles ab. Sie wird zu einem Kraftakt in 236 Seiten. Einer, bei der man bis zur letzten Seite mitfiebert; mit pochendem Herzen, heißen Wangen und jede Menge Adrenalin im Blut.

„Der eine, lange, unwiederholbare Moment. Einer von denen, die du dein ganzes Leben lang immer wieder mal vermisst. Der als verblichene Schwarz-Weiß-Fotografie irgendwo in deiner rechten Herzkammer steckt. Nicht im Portemonnaie wie all der andere, vermeintlich wichtige Kram. Das kleine, riesengroße Sepiaglück, mit den richtigen Menschen im richtigen Moment. Das man nicht halten kann, nur bewahren.“

Candy Bukowski ist ein grandioses Romandebüt gelungen. Ihre schonungslosen Zeilen treffen dich mit all ihrer emotionalen Härte. Sie sind berauschend, wortgewaltig und erschreckend ehrlich. Viele Zeilen begleitete ich mit einem zustimmenden Nicken, während mich andere bis ins Mark erschütterten. Sugars Leben ist kein leichtes Spiel, eine ständige Achterbahnfahrt mit allen Hochs und Tiefs. Ein Leben, das irgendwie auch Bukowskis ist. Denn es offenbart die Erlebnisse der Autorin selbst, zu deren Veröffentlichung sie sich nun entschloss.

Doch es kommt noch viel mehr zum Vorschein. Denn neben all der Härte werden Bukowskis Zeilen von Melancholie, aber auch von Hoffnung begleitet. So hangelt sich die Protagonistin bedächtig an ihr entlang. Lernt, trotz Schicksalshaftigkeit des Lebens das Gute nie aus den Augen zu verlieren. Der unkonventionelle Schreibstil der Autorin verleiht den Zeilen dabei nicht nur eine sehr authentische, sondern auch persönliche Note.

„Wenn du einen wachen Moment hast, dann fallen sie dir wieder ein, die ganz großen Geschichten, in den ganz großen Lederbändchen aus gegerbter Menschenhaut mit Lesebändchen aus geflochtenem Erinnerungshaar. Mit all dem Seufzen und Sehnen zwischen den handgeschriebenen Seiten und dem Schönsten. Dem immer wieder schönsten Schluss von allen.“

„Wir sind keine Helden“ ist kein Spaziergang durch den Paradiesgarten Eden. Es ist eine Ode an das Leben mit all seinen Facetten. Eine lehrreiches Abenteuer und eine spannende Entwicklungsreise einer jungen Frau, deren jugendlicher Panzer langsam aber sich einem reiferen und erwachseneren weicht. Der Roman präsentiert sich dabei mithilfe von unterschiedlichen Zeitetappen und den dazugehörigen Songs der damaligen Zeit. Würde ihr Roman als Soundtrack vertont werden, würde sein Beat mit voller Dröhnung durch die Boxen wummern. Mein absolutes Lesehighlight in 2016!

„Manchmal ist es bedeutend einfacher, unvorstellbare Dinge zu tun, als man dachte. Wenn all die sperrigen Wenn und Aber aus dem Weg geknickt und all die sinnbefreiten Konjunktive vom Herz gerissen wurden, dann läuft es schon irgendwie in die richtige Richtung. In eine zumindest.“
Profile Image for Isabella.
463 reviews20 followers
July 5, 2016
Worum geht’s?

Wenn man in den 80ern in einem Kaff am Ende der Welt aufwächst, dann bleibt einem als Teenager eigentlich nur eins zu tun: Die Tage zu zählen, bis man der Einöde endlich entfliehen kann. Genau das tut Candy, bis eines Tages wie aus dem Nichts der Punker Pete im Dorf auftaucht und ihr Leben komplett umkrempelt. Mit ihm, später auch mit Luke und Silver, schließt Candy eine Freundschaft fürs Leben. Ihre drei besten Freunde begleiten sie durch alle Höhen und Tiefen, die das Erwachsenwerden mit sich bringt. Mit tristem Alltagstrott gibt sich Candy nie zufrieden, noch als Mutter ist sie immer auf der Suche nach Antworten, nach Liebe und nach sich selbst.

Meine Meinung

„Wir waren keine Helden“ ist ein stark autobiografisch geprägter Coming-of-Age – Roman und wie so oft bei (gelungenen) Büchern dieses Genres, ist es kaum zu glauben, dass alles, was hier beschrieben wird, sich tatsächlich so zugetragen hat. Mir ist es sehr schwer gefallen, den Inhalt dieses Buchs zusammenzufassen, weil es darin im Grunde um das Leben an sich geht. Darum, es voll auszukosten und nach Tiefschlägen wieder auf die Beine zu kommen. Um Träume, Enttäuschungen, kleine und große Kämpfe und die lebenslange Suche nach dem ganz großen Glück. Natürlich erzählt der Roman von einem einzelnen Lebensweg, aber im Grunde beschreibt die Autorin Situationen und Gefühle, mit denen die meisten Menschen irgendwann in ihrem Leben konfrontiert sind.

Nachdem ich auf vorablesen.de die Leseprobe zu diesem Buch gelesen hatte, war für mich klar, dass ich es lesen muss, denn von Candy Bukowskis außergewöhnlichem Schreibstil war ich vom ersten Moment an begeistert. Die Autorin findet unglaublich kraftvolle und ausdrucksstarke sprachliche Bilder, fängt auch die komplexesten Gefühlslagen in einem einzigen Satz perfekt ein. Dabei habe ich ihre Sprache nie als verschnörkelt oder blumig-poetisch empfunden. Ganz im Gegenteil, ihr Stil ist erfrischend authentisch und ungekünstelt.

Dank der Ich-Perspektive habe ich mich Candy vom ersten Moment an nahe gefühlt. Wir begleiten die Protagonistin jahrzehntelang, von den Unsicherheiten im Jugendalter bis hin zur Erziehung der eigenen Teenie-Tochter. Ich fand es wirklich spannend, Candys Lebensweg mit zu verfolgen und ihr beim Erwachsenwerden zuzusehen. Ganz besonders berührend ist ihre Beziehung zu den drei wichtigsten Menschen in ihrem Leben: Pete, Luke und Silver. Die innige Freundschaft mit ihnen bleibt erhalten, auch wenn Candy sie manchmal jahrelang aus den Augen verliert. Im entscheidenden Moment sind immer einer der drei für sie da, und das macht schließlich echte Helden aus.

Fazit

Ein mitreißender Roman über die Tücken des Erwachsenwerdens und –seins! Mit starken sprachlichen Bildern und einer außergewöhnlichen Protagonistin konnte Candy Bukowski mich vollends überzeugen.
Profile Image for Anyah Maria.
467 reviews8 followers
June 23, 2016
Mit ihrem Buch „Wir waren keine Helden“ nimmt uns Candy Bukowski zurück in die 80er Jahre und somit werde auch ich als Leserin in meine Jugendzeit zurück katapultiert, die ich in ähnlichen Verhältnissen, in einer Kleinstadt in Norddeutschland verbracht habe. Die Autorin erzählt die Geschichte des Erwachsenwerdens in ländlicher Gegend, mit dem nur einen großen Ziel: Raus – in die Großstadt und ein eigenes Leben führen. Wie in einem Film sehe ich den kleinen Ort vor mir. Sehe die Charaktere, Candy, den Punker Pete und die anderen - allesamt herrliche Figuren, die wir alle so kennen oder zumindest gerne kennengelernt hätten. Die Ranch, die der einzige Zufluchtsort der jungen Generation ist, mit einer Wirtin wider Willen. Hier wird das Leben erprobt, die eigenen Grenzen ausgetestet. Nachdem die Mädchen aus den Zeiten auf dem Reiterhof herausgewachsen sind bleibt sonst nur noch der Schützenverein.

Genau schon wie beim ersten Werk der Autorin „Der beste Suizid ist immer noch sich tot zu leben“ beeindruckt Candy Bukowski mich erneut mit ihrer unglaublich schönen, ausdrucksstarken Sprache, die der Poesie nahe kommt und ihrem fabelhaften Satzbau. Ich lasse mich in ihr Meer von Worten hineingleiten und werde von ihnen getragen, versinke sofort in die Geschichte und genieße sie. Unglaublich schön! Dieses Buch nimmt mich mit und lässt mich nicht mehr los und ich durchlebe mit ihm viele Emotionen, die von Erinnerungen herrühren - ein wenig Melancholie und die ganz großen Gefühle, die erste groß Liebe ist nur eines davon, die Gänsehautmomente sind inklusive. Und zwischendrin Candys Soundtrack der 80er, der Soundtrack ihres Lebens oder besser unser aller, die wir Teenager waren zu der Zeit. Er lädt gleichzeitig zum Träumen ein über das eigene Leben, über verpasste Chancen, vergangene Wegbereiter. Ein Buch das so viel mehr ist, als ein bloßer Roman.

Ganz klar vergebe ich diesem wundervollen Buch seine wohlverdienten fünf von fünf möglichen Sternen und wünschte wieder einmal, dass ich noch mehr Sterne vergeben dürfte. Von Herzen gerne und unbedingt möchte ich das Buch weiter empfehlen an Leser, die offen sind, die junge Candy auf ihrer abenteuerlichen Reise von den 80ern bis heute zu begleiten. Ein Buch voll prächtiger Lieblingssätze ist garantiert. Candy Bukowski ist eine perfekte Wortjongleurin und ausgezeichnete Geschichtenerzählerin.
Profile Image for Barra buntseitig.
92 reviews
August 25, 2016

Ganze Rezension hier

Fazit
Buch erhalten, halb gelesen, beschlossen schon die ganze Palette an Gefühlen mitgemacht zu haben. Schicksalsschläge, abstreiten, einsehen, hinfallen, (Krone richten) aufstehen, weitergehen. Wohin? Egal - nur Los! und nach vorn. So und nicht anders wurde es mir beigebracht und vorgelebt. So und nicht anders habe ich (wenn auch jünger) meinen Teil der Gelassenheit gefunden, auch ohne die Leuchtbuchstaben gegenüber. Das waren bei uns sowieso immer nur Baukräne mit nem B. Unvergessen meine Oma: "Komisch, guckt mal, der Mond sieht heute aus wie ein 'B'." Was auch immer sie wohl in diesem Moment gesehen hat. Kann ja doch sein, dass das Leben uns hier und da Zeichen schickt und wir sie nur selbst mit einer Sinnebene füllen müssen.

Die berühmten Fragen: Würdest du dein Leben noch einmal genauso leben, wie du es getan hast? Wann ist man ein Held und für wen? Wie funktionieren Beziehungen - scheitert man jämmerlich anders, wenn man kein normales Paar ist aber scheitern ist nicht verhandelbar? Was zählt wirklich, wen vermisst du?
Gekonnt in Worte gefasst von einer Meisterin der deutschen Sprache. Ich muss, ich sollte, ich kann, ich werde dieses Buch weiter empfehlen. Das ist doch kein ComingOfAge-Roman. Aber was weiß ich schon, ich lese diese Sparte ja kaum. Für mich… ist das Punk.
"Ich sag' Dir:
Mach' Dein Ding, steh' dazu. Heul' nicht rum, wenn andere lachen."
(Die Ärzte - Punk Ist)

Mein Urteil: Musssollkann
Profile Image for Forti.
51 reviews
August 15, 2016
In Candy Bukowskis "Wir waren keine Helden" begleiten wir die Ich-Erzählerin Sugar. Von der Jugend auf dem Dorf bishin zur Frau in den Mitt-40ern ist es ein weiter Weg mit vielen Hochs und mindestens genauso vielen Tiefs. Coming of Age - hierbei denkt man vielleicht nur an die späten Teenager- und die ersten Twenjahre, aber wer ist dann heute schon reif und erwachsen?

Anhand der Namen Candy und Sugar ist es nicht schwer zu erraten, dass der Roman autobiografisch geprägt ist. Das mag den einen oder die andere abschrecken - sowas hat man ja schon oft genug gelesen! - sollte es aber nicht! Trotz der vielen Krisen, die Sugar durchläuft, wird der Roman niemals wehleidig oder depressiv, verliert sich nicht in privaten uninteressanten Details. Die ganz besondere Sprache und Erzählweise der Autorin läßt dies garnicht erst zu und macht den Roman gleichzeitig äußerst lesenswert. Genau diese präzise, klangvolle, ungewöhnliche Sprache macht für mich den Reiz des Buches aus.


FAZIT: ein Buch für Liebhaber ungewöhnlicher Sprache, die sich noch an das eigene Erwachsenwerden und der Suche nach dem eigenen Lebensweg erinnern (oder mitten drin stecken).
214 reviews24 followers
July 1, 2016
Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes. Man kann es nicht einfach nebenbei lesen und noch drei andere Sachen machen. Nimm dir die Zeit dieses Erlebnis zu genießen. Ich habe mich wirklich in den Kapiteln verloren. Es hilft, dass die Geschichten innerhalb eines Kapitels abgeschlossen ist, sodass man durchatmen kann. Ich finde es toll wie dieses Buch geschrieben ist. Die Einfachheit von manchen Sätzes steht im krassen Gegensatz zu manchen Bedeutungen. Auch bin ich mir nicht sicher ob es eine bloße Geschichte oder doch (wenn auch teilweise) eine Biographie ist. Immerhin bekommt die Hauptperson keinen konkreten Namen. Sie wird von allen nur Sugar (Sugar und Candy sind ja nicht so weit auseinander) genannt aber ich vermute das ist nur ein Kosename. Auf jedenfall ist dieses Buch melankolisch und hoffnungsvoll. ein guter Mix!
Profile Image for Sabi85.
39 reviews
August 28, 2016
Diese Geschichte war wirklich etwas ausergewöhnliches. Etwas ganz und gar kompliziertes. Am Anfang des Buches war der Schreibstil interessant, aufregend und verwirrend. Doch umso mehr die GEschichte voran schritt umso komplizierter wurde es. Es hat doch eher etwas von einer Biografie als von einem Roman.
Daher war es nicht immer einfach die Geschichte zu verfolgen.
Die Protagonistin war sympatisch, auch wenn ich ihre Gedankengänge nicht immer nachvollziehen konnte.
Und Pete war doch schon sehr gewöhnungsbedürftig.

Dennoch finde ich die Idee und die Aufmachung wirklich interessant.
Nur leider war es für mich nichts für Zwischendurch.
Profile Image for Wortmagie.
529 reviews81 followers
October 3, 2017


„Wir waren keine Helden“ von Candy Bukowski wurde mir 2016 vom Verlag edel & electric zur Rezension angeboten. Mein Grund, dieses Angebot anzunehmen, scheint ein wenig banal: in der Inhaltsangabe ist die Rede von einem Punker. Aufgrund meiner eigenen Vergangenheit mit bunten Haaren, glänzenden Nieten und schweren Stiefeln werde ich da stets hellhörig. Ich hoffte auf einen Roman, mit dem ich mich identifizieren konnte und der mich an meine wilden Jahre erinnerte. Vermutlich brauchte ich deshalb sehr lange, um mich für die Lektüre bereit zu fühlen. Ein Nostalgietrip verlangt eben die richtige Stimmung.

Als der Punker Pete vom Himmel fällt, ändert sich für Sugar alles. Überzeugt, erwachsen zu sein, verlässt sie ihr Kaff im Nirgendwo und stürmt der weiten Welt entgegen, in der Liebe, Schmerz, Traurigkeit, Hoffnung und vollkommenes Glück auf sie warten. Sie reitet die Wellen des Lebens, wird brutal unter Wasser gedrückt und taucht doch jedes Mal wieder auf. Sie ergreift Chancen, scheitert, traut sich, zu springen, um herauszufinden, ob sie fliegen kann und begreift irgendwann, dass Durchschnittlichkeit auf ihre Fragen keine Antworten bietet. Sie kämpft, um ihren Platz im verwirrenden Gefüge des Universums zu finden. Aufgeben ist keine Option. Denn Helden geben niemals auf.

Ich bin zwiegespalten. Wie bereits erwähnt, hoffte ich, mich mit „Wir waren keine Helden“ identifizieren zu können. Einerseits konnte ich das – und andererseits auch wieder nicht. Es ist kompliziert. Obwohl die Leser_innen die Protagonistin des Romans unter dem Namen Sugar kennenlernen, wurde für mich schnell deutlich, dass es sich bei diesem Buch um eine Art Autobiografie handeln muss oder es zumindest starke autobiografische Züge aufweist. In einem Interview bestätigte Candy Bukowski diesen Eindruck; sie erklärte: „Candy und Sugar sind eins. In jung und gereift“. Candy alias Sugar wuchs in einem kleinen Dorf in Westdeutschland auf und verbrachte den Großteil ihrer Jugend in einer abgeranzten Kneipe, in der man es mit dem Jugendschutz nicht so genau nahm. Mit 17 zog sie Zuhause aus und entschied sich für eine Ausbildung zur Buchhändlerin. „Wir waren keine Helden“ fokussiert allerdings weniger die harten Fakten ihres Lebens, sondern konzentriert sich auf Candys/Sugars emotionale Erlebenswelt. Ihre Beziehungen stehen im Mittelpunkt, sowohl ihre romantischen und freundschaftlichen Beziehungen, als auch ihre Beziehung zu sich selbst. Bukowski sorgt selbstverständlich für den nötigen Kontext, damit ihre Leser_innen verstehen, welche Begegnungen in welcher Lebenssituation eine Rolle für sie spielten, doch meist bleibt sie vage und beschränkt sich auf das absolute Mindestmaß an Informationen. Für ihre Geschichte ist es kaum von Bedeutung, wann sie wo lebte und welchen Beruf sie dort ausübte, entscheidend sind die Menschen und Gefühle, die sie in ihren Lebensabschnitten begleiteten. Candy/Sugar ist eine Stehauffigur, die sich trotz herber Rückschläge niemals davon abhalten lässt, ihr Bedürfnis nach einem freien, wilden Leben zu erfüllen. Diese Autobiografie versprüht ungeheure Lebenslust, nahezu unstillbaren Lebenshunger und darin erkannte ich mich durchaus wieder. In diesem Sinne konnte ich mich also definitiv mit „Wir waren keine Helden“ identifizieren. Was mir jedoch Schwierigkeiten bereitete, war der große Altersunterschied. Candy Bukowski wurde 1967 geboren und ist demzufolge 22 Jahre älter als ich. Sie könnte meine Mutter sein. Diese Spanne ist zu weit, als dass wir viele Berührungspunkte hätten. Ich kann nicht nachempfinden, wie es war, Anfang bzw. Mitte der 80er ein Teenager zu sein und ihre Erfahrungen in der Zeit, als ich jugendlich war, sind von einem erwachsenen Blickwinkel geprägt. Uns trennt eine ganze Generation, wodurch ich ihre stellvertretende Protagonistin Sugar eher objektiv betrachtete, als eine intensive persönliche Bindung zu ihr aufzubauen. Außerdem muss ich zugeben, dass ich ihren Schreibstil als übertrieben literarisch empfand. Ihre verschleiernde blumige Poetik, die ab und zu durch provozierende Direktheit aufgebrochen wird, erschien mir zu abgehoben und lyrisch. Wie alle Leser_innen weiß auch ich einen bildhaften, üppigen Schreibstil zu schätzen, doch Candy Bukowski überschritt die Grenze zum Gekünstelten, als wollte sie ihrem Werk mehr Gewicht verleihen, als es eigentlich hat. Letztendlich handelt es sich eben doch „nur“ um die Geschichte eines Lebens, die trotz aller unkonventioneller Pfade lediglich eine außergewöhnliche, einmalige Biografie unter vielen ist. Candy Bukowski ist genauso einzigartig wie ich, wie ihr, wie jeder Mensch auf der Welt. Ihr Schreibstil vermittelte mir, dass sie sich selbst als besonders besonders sieht, obwohl sie das vielleicht gar nicht beabsichtigte. Dadurch wirkte „Wir waren keine Helden“ leicht pathetisch, womit ich bloß bedingt zurechtkam.

„Wir waren keine Helden“ ist ein sehr ehrlicher Seelenstrip, der die Grenzen zwischen Autobiografie und Fiktion im Ungewissen lässt. Obwohl sich der Generationenunterschied als schwierig erwies und ich Candy Bukowskis Schreibstil etwas affektiert fand, erkenne ich uneingeschränkt an, dass sie sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst ist und ihr (emotionales) Leben in diesem Roman schonungslos offenlegt. Das erfordert Mut und verdient meinen Respekt. Sie ist zweifellos eine beeindruckende Frau, deren furchtlose Bereitschaft, außerhalb der Norm zu denken und zu leben, zu scheitern und dennoch immer wieder aufzustehen, bemerkenswert ist. Nichtsdestotrotz ist „Wir waren keine Helden“ meiner Ansicht nach ein Buch, das man lesen kann, aber nicht muss. Wer Interesse an Autobiografien hat und gern Einblicke in die Lebensweise anderer Menschen erhält, ist hier an der richtigen Adresse. Wer hingegen lieber zum klassischen Roman greift, sollte vielleicht noch einmal überlegen, ob eine andere Lektüre eventuell passender ist.

Vielen Dank an den Verlag edel & electric für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!
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