Als Yogalehrerin bin ich natürlich immer an Sachbüchern zum Thema Yoga interessiert, und auch die Schwesternwissenschaft Ayurveda finde ich spannend. Der Autor ist ein bekannter Experte auf beiden Gebieten; er leitet das »American Institute of Vedic Studies« und ist Redakteur von »Yoga International«, von daher dachte ich mir, das Buch hier sollte ich mal lesen.
Bevor ich jetzt inhaltlich auf das Buch eingehe, muss ich aber mal kurz was festhalten, was mir gleich zu Anfang etwas negativ aufgestoßen ist, und das sind so die Vorschusslorbeeren, die Frawley sich selbst gibt. Gleich in der Einleitung sein Magazin als „vorzüglich“ selbst zu rühmen, und sein Institut zu loben – naja, hat so ein Geschmäckle. Beim allerersten Durchblättern bin ich beim Thema Meditation hängengeblieben, und einem Anfänger / Einsteiger gleich damit zu kommen, 2 x täglich 45minütige Meditationssessions zu verordnen, weil alles andere relativ wirkungsfrei wäre, finde ich auch ein wenig weltfremd. Aber okay. Hier ist jemand von sich und seinem Wirken mal sehr überzeugt.
Jetzt aber zum Inhalt; der ist logisch und stringent aufgebaut. Teil 1 beschäftigt sich mit „Die Wurzeln des Yoga und Ayurveda“ und hat 5 Unterkapitel, die dann schon ziemlich ins philosophische D
Detail gehen; Darma, Tattva, die Gunas und die Doshas werden definiert und erklärt – und man merkt es sofort, hier geht es ans Eingemachte, hier werden gewisse Vorkenntnisse des Lesers vorausgesetzt, bzw. es wird vorausgesetzt, daß man sich tiefer mit der Materie befassen will. Was für mich okay ist, aber auch anstrengend, denn auch wenn ich die Sanskritbegriffe kenne, so komme ich mir doch teils vor wie in einer wissenschaftlichen Vorlesung und muss sehr konzentriert immer wieder innehalten und für mich die Sätze mit 5 Fremdwörtern noch mal neu sortieren.
Teil 2 befasst sich mit den Energien im Yoga und Ayurveda, auch wieder in 6 Unterkapiteln, die u.a. Prana, Tejas, Ojas, Agni-Yoga, die Chakrenlehre und die Nadis beleuchtet (man merkt; same here: ohne gewisse Vorkenntnisse kommt der geneigte Leser auch nicht weiter), und dann haben wir noch Teil 3, „Yoga und Ayurveda in der Praxis“. Wobei diese Praxis auch nicht ein Ratgeber für Neulinge ist, sondern ich würde sagen, ein Nachschlagewerk für Routiniers, die noch ein wenig mehr Infos haben wollen.
Für mich ist das Buch ein Nachschlagewerk, wenn man ein paar tiefergehende Informationen zu Spezialthemen sucht. Keinesfalls ein Buch für jemand, der keine Ahnung von Yogaphilosophie oder Ayurveda hat und sich einfach mal informieren will.
Ich habe das Buch jetzt dementsprechend auch nicht komplett von Seite 1 bis zum Ende des Anhangs auf Seite 305 durchgelesen, sondern mir „meine“ Spezialthemen rausgepickt und durchgelesen; und muss sagen, ja, Dr. Frawley hat definitiv Ahnung von der Materie, aber ich tue mich schwer mit diesem Werk. Entweder es ist super wissenschaftlich verfasst – und das sind die wertneutralen Parts - , oder aber dozierend-gurumässig, wenn Frawley die Wege zur Erleuchtung weist. Beispielsweise wenn es um Visualisierungen geht, die man genauso einfach praktizieren sollte, weil man ansonsten es nicht hinkriegt mit Meditation, Samadhi & Co. Ich bin da immer skeptisch; vielleicht tue ich ihm Unrecht, aber ich habe da so meine Vorbehalte, wenn mir ein „spiritueller Meister“ sagt, nur dies hier sei der wahre Weg.
Also, man merkt es, ich bin zwiegespalten. Den wissenschaftlichen Teilen des Buches verteile ich ein „sehr gut“, aber man darf die Untertöne des Autors nicht unterschlagen, und die kommen bei mir nicht gut an.
Um meine Besprechung auf den gängigen online Portalen hochzuladen, muss ich mich auf eine Sternebewertung festlegen, ich gebe mal 3 aufgrund meiner Vorbehalte. Sorry Dr. Frawley.