Aesthetic Economy is a theory of the recent development of capitalism in our national economies. Basic needs are easily satisfied and, as a result, most commodities are no longer intended for consumption, but for the staging of our lives. That is, they are used to produce atmospheres. Applications of the theory are found wherever staging is in commodity aesthetics, in marketing, as well as in the sphere of production. As to technology, we find a turn from useful to joyful technology. And the technology of entertainment has become a huge part of the general economy. Similarly, a further horizon of Aesthetic Economy is to be seen in the aestheticization of politics, the staging of sporting events and the management of culture.
Gernot Böhme (born 3 January 1937, in Dessau) is a German philosopher and author, contributing to the philosophy of science, theory of time, aesthetics, ethics, and philosophical anthropology. He is the main pioneer of German ecocriticism, the study of the relationship between culture and the environment. He has been the director of the Institute for Practical Philosophy in Darmstadt since 2005. Despite being one of Germany's most acclaimed public intellectuals, very little of his work has so far been translated into English. German
1995 Atmosphäre: Essays zur neuen Ästhetik. Frankfurt am Main 1999 Theorie des Bildes. Fink, München 2001 Aisthetik. Vorlesungen über Ästhetik als allgemeine Wahrnehmungslehre, Fink 2002 Die Natur vor uns. Naturphilosophie in pragmatischer Hinsicht. Kusterdingen 2003 Der Typ Sokrates, Suhrkamp 2005 Goethes Faust als philosophischer Text. Die Graue Edition, Kusterdingen 2006 Architektur und Atmosphäre. München 2008 Invasive Technisierung. Technikphilosophie und Technikkritik. Kusterdingen 2008 Ethik leiblicher Existenz. Über unseren moralischen Umgang mit der eigenen Natur. Suhrkamp, Frankfurt am Main
English translations
2001 Ethics in Context: The Art of Dealing with Serious Questions, Polity 2012 Invasive Technification: Critical Essays in the Philosophy of Technology, Continuum 2017 Atmospheric Architectures: The Aesthetics of Felt Spaces, Bloomsbury 2017 Critique of Aesthetic Capitalism, Mimesis
Böhme geht davon aus, dass der fortgeschrittene Kapitalismus eine grundlegend neue Struktur der Ökonomie hervorbringt, die sich durch die Einführung des Inszenierungswertes auszeichnet. Der Inszenierungswert geht aus der kapitalistischen Produktionsweise hervor und verleiht der Ware einen neuen Status. Gebrauchswert und Tauschwert werden im Zuge der Ästhetisierung der Warenwelt auf eine Dritte Wert-Kategorie überschritten. Damit ist der ästhetische Kapitalismus bezeichnet. Böhme formuliert den Anspruch eine historische Fortsetzung der kritischen Theorie zu entwerfen. Die Kritik der Kulturindustrie sei in der Gegenwart als eine Kritik der ästhetischen Ökonomie zu systematisieren.
Dabei sitzt Böhme bereits in der Problemstellung einem fatalen Irrtum auf. Als Phänomenologe geht er davon aus, dass Adorno und Horkheimer in ihrer Betrachtung der Kulturindustrie ausschließlich deskriptiv verfahren. Daraus entsteht der Eindruck, dass die Kulturindustrie nur eine Phase des kapitalistischen Entwicklungsprozess darstellt. Dabei ist die These der Integration, der Liquidation und Verschlechterung der Kultur nicht als Gegenwartsdiagnose zu verstehen, sondern eher als innere und treibende Dynamik des Kapitalismus, die in seiner historischen Dialektik fundiert ist. Die Dialektik des Begriffs erlaubt es Adorno, den Kapitalismus in seinem Fortschritt zu denken. Es ist also davon auszugehen, dass die Thesen der Kulturindustrie eine Gültigkeit haben, die weit über die 40er Jahre hinaus gehen.
Adorno argumentiert in gewisser Weise gegen einen dritte Wert-Kategorie. Der Warencharakter zerfällt nämlich, indem er sich vollends realisiert. In anderen Worten: Der Warencharakter hebt sich selbst auf, indem er die ästhetische Autonomie aus dem Bereich der Produktion verdrängt. Die Kunst wird in der Konsumsphäre liquidiert, das heißt: sie verliert ihren ästhetischen Schein, ihre transzendierenden Qualitäten. Diese Problemstellung einer negativen Ästhetik in der kritischen Theorie geht mit eigenen Schwierigkeiten einher. Böhme scheint sich allerdings überhaupt nicht für die Negativität der Kultur zu interessieren. Durch die Hintertür führt er den Begriff des Inszenierungswertes ein, der ganz und gart unvereinbar ist mit der kritischen Tradition.
Ein weiterer Gedankenstrang, der mich zugleich fasziniert und verwirrt hat, setzt bei den Bedürfnissen an. Böhme betont die Wichtigkeit einer Ökonomie der Bedürfnisse. Das Wirtschaftswachstum hat eine Entsprechung in den Subjekten: nämlich das gesteigerte Begehren. Böhme unterscheidet zwischen Begehrnissen und Bedürfnissen. Begehrnisse lassen sich nicht befriedigen, sondern nur steigern und äußern sich als destruktives Verhalten in den Subjekten. Böhme findet die treffende Analogie zum Suchtverhalten. Seine Kritik richtet sich dann allerdings nicht gegen den Kapitalismus als Ursache dieser Dynamik, sondern gegen eine spezifische Form der Subjektivierung. Der Einzelne "muss durch eine Haushaltung seiner Bedürfnisse seine Souveränität gegenüber dem Wirtschaftssystem zurückgewinnen"; nicht um sich gegen die schädigende Ursache (nämlich das Wirtschaftssystem selber) aufzustemmen, sondern schlicht und einfach um besser leben zu können. Das Nachdenken über Praktiken der Selbstsorge im Kapitalismus bei Böhme ist in einer so krassen Partikularität gefangen, dass es an die Einsicht in den inneren Widerspruch der Konsumgesellschaft überhaupt nicht heranreicht. Merksatz an dieser Stelle: Es gibt kein richtiges Leben im falschen!
Es hängt die Annahme im Raum, dass der Kapitalismus bereits so weit fortgeschritten ist, dass eine Veränderung der Wirtschaftsweise nicht mehr zu erwarten ist. ("Unmöglichkeit der Revolution": auch kein neuer Gedanke.) Obwohl die Unterscheidung zwischen Bedürfnissen und Begehrnissen eine Wachstumskritik in ihrer subjektiven Ausprägung nahelegt, bleibt Böhme bei einer allzu banalen Konsumkritik stehen. Die Steigerungslogik kann zwar partiell durchbrochen werden – ein Gegenverhalten wäre denkbar. Die Immanenz dieser Logik bleibt allerdings unangetastet. Unter dem Vorwand, dass sich der Kapitalismus tendenziell immer weiter verschärfen wird und den Druck auf die Individuen verstärkt, beschäftigt Böhme die Frage, wie sich der Einzelne in dieser Welt am Besten einrichten kann. (diese Formulierung ist nicht mal polemisch, sondern entspricht dem Wortlaut Böhmes, vgl. S. 22)
Die Entwicklung eines kritischen Begriffs vom Kapitalismus bei Böhme bleibt aus. Der ästhetische Kapitalismus beschreibt in der Tat nur ein Oberflächenphänomen, das den Widerspruch der Basis weitestgehend ausklammert. Böhme ist an einer Meditation über die Lage des Einzelnen interessiert und ausdrücklich nicht an einer kritischen Analyse der Situation des Ganzen. Die Rede von einer Ökonomie der Bedürfnisse verklärt und mystifiziert in dieser Hinsicht die ökonomische Realität. Es ist noch dazu unerträglich, wie tief das Missverständnis in Böhmes' Rekonstruktion der kritischen Theorietradition reicht. Ich musste die Lektüre aus intellektuellen Qualen leider abbrechen.