Wladimir und Estragon warten auf Godot, doch er kommt nicht. Vielleicht hat er sich verlaufen, oder er weiß gar nicht, dass jemand auf ihn wartet. Godot ist in Marion Braschs wunderbar absurdem Roman unterwegs und erlebt seltsame Abenteuer: Er verliert seine Stimme, begegnet Hermann Hesse und dem Gefährlichen Reißwolf, trifft rauchende Krähen, sonderbare Frauen und steht einmal sogar vor dem jüngsten Gericht. Und so ganz nebenbei wird auch noch das Geheimnis der Weltformel gelüftet.
Marion Brasch wurde 1961 in Berlin geboren. Nach dem Abitur arbeitete die gelernte Schriftsetzerin in einer Druckerei, bei verschiedenen Verlagen und beim Komponistenverband der DDR. 1987 begann sie als Musikredakteurin beim Jugendsender »DT64« und ist heute als freie Rundfunkjournalistin und -moderatorin bei »Radio eins« (RBB) tätig. Ihr erster Roman ›Ab jetzt ist Ruhe‹ ist 2012 bei S. Fischer erschienen.
Marion Brasch entführt uns für die Dauer eines Samstagabendfilms ins literarische Absurdistan. Endlich erfährt man, was Herr Godot (ja, DER Godot) während Becketts Stück so getrieben hat. Der Plot entwickelt sich aus Versatzstücken von Märchen mit einer unwiderlegbaren Traumlogik ins absolut Groteske. Vielleicht nichts für jeden Leser und auch nicht für jede Situation. Aber ulkig, lustig, charmant und bar jeder Logik.
Der Klappentext hat es mir angetan, im Inneren wurde ich trotzdem überrascht. Godot erlebt viel. Dann trifft er auf Nebencharaktere, die eigene Kapitel und Geschichten haben und auch viel erleben. Waschmaschine (um im Stile des Buches zu bleiben, einfach so, weil man sauber bleiben muss). Es ist ein herrliches Buch, das eine hohe Gefahr der Wiederlesbarkeit hat.
Diesem Buch wird man gerecht, wenn man sagt, Marion Brasch erzählt uns Räuberpistolen oder versucht uns einen Bären aufzubinden, wobei es dann hier natürlich Räuber gäbe plus ihre Pistolen und es wäre unser Problem, was wir mit dem Bären machen. Während irgendwo Leute auf Godot warten, ist er voll beschäftigt. Er wird mit einem Kamel konfrontiert, dass lieber durch ein Nadelöhr gehen würde, als sich von ihm helfen zu lassen. Dann fällt ihm in einem Waschsalon ein, dass seine Anziehsachen schon lange keine Waschmaschine gesehen haben. Auch das Problem muss er lösen - sozusagen wortwörtlich. Die Geschichte hat die zwingende Logik von Träumen. Wortspiele und Vergleiche, Redewendungen, Sprichwörter und Metaphern; alles findet Verwendung, wird aneinandergereiht, zerpflückt und neu zusammen gesetzt. Es ist ein bisschen so wie bei Pieter Bruegel der Ältere und seinem Gemälden der Niederländischen Sprichwörter - nur eben als Roman.