Das spirituelle Bedürfnis und Interesse ist so hoch wie selten. Johannes Hartl zeigt, wie wir das Staunen vor Gott wiederfinden können: Wir müssen raus aus unserer religiösen Komfortzone, um einen authentischeren und erfüllenderen Glauben zu finden. Das Buch ist eine Absage an ein Wohlfühlchristentum mit einer klaren Botschaft: Wenn wir unseren Glauben ernst nehmen wollen, müssen wir Gott ernst nehmen. Auch wenn der manchmal unbequem ist.
Zusammenfassung: Hartl zerrt den Leser bereits im ersten Satz zwischen die Zeilen, indem er in malerischer Gewalt von einem biographischen Abenteuer, von ungezähmter See und ungewolltem Festsitzen auf einer griechischen Insel berichtete. Mit dieser Geschichte und seiner Beziehung zum Meer illustriert er die These des Buches: “wovor man nicht zittern kann, dass kann man nicht anbeten”. Im 1.Kapitel “Phantomschmerz” betrachtet Hartl das Phänomen der modernen Gesellschaft der scheinbaren Vorhersagbarkeit, der wahrgenommenen Organisierbarkeit aller Dinge des Lebens. In dieser Gesellschaft ist der Phantomschmerz das Vergessen der zentralsten Frage aller Fragen: der Frage nach Gott. Im 2.Kapitel “Realitätsverlust” führt er die Begriffe Torheit, Respekt und Weisheit anhand einer weiteren Abenteuergeschichte aus seinem Leben ein. Dabei wird die Gottesfurcht als zentrales Moment der biblischen Weisheitsdefinition und ihre Auswirkungen auf das Leben (Lebensquell, weg des Lebens, innerer Reichtum…) beschrieben. Der Verlust dieser Ehrfurcht in unserem Zeitalter beschreibt den “Realitätsverlust”. Im 3. Kapitel “Adieu, billiger "Gott"!” bezeichnet Hartl die heutige Glaubenspraxis als “Wellnessspiritualität”: ohne Gesetz, ohne Hölle. Selfiekultur im Kontrast zu gotischen Bauwerken, Schnelligkeit und Ichzentrierung statt Genuss im gegenwärtigen Moment. Er endet mit der These, dass es Zeit sei auszubrechen aus dieser spirituellen Komfortzone. In Kapitel 4 “Priorität” wird mit greifbaren Beispielen das Problem verdeutlicht, warum heutzutage die Christen so wenig von Gott erzählen (der Mund erzählt von was das Herz gefüllt ist) und schließt mit einem Abschnitt über den Unterschied zwischen “Kopfwissen” und biblischer Erkenntnis an. Anschließend wird in Zusammenhang mit Gottes Ewigkeit, die Zeit als menschlich schwer zu greifendes, philosophisch spannendes Konstrukt aufgegriffen. Dabei behauptet Hartl, dass ein Sein jenseits der Grenze der Zeit zutiefst frei wäre. Ein ewiger Gott besitzt sein ganzes Sein zu jedem Zeitpunkt und folglich haben wir Gläubigen einen immer währenden, unveränderlichen Anker und das was Jesus tat sei heute präsent und real (Hebräer 13,8). Gottes Souveränität impliziert, dass er im Besitz aller Macht ist und durch nichts im Außen in seinem Handeln begrenzt sein kann, dass alles Gute erst durch Gott selbst in Existenz treten kann (Bsp Jesaja 45,5-7). Im Kapitel “Tränen in Riga” kommt die nächste autobiographische, schmerzlich ehrliche Geschichte des Gebetshauses und damit die gewonnene Erkenntnis, dass Gott auch für seine Freunde der allmächtige, der souveräne Herr bleibt. In die „Wurzel des Problems“ greift Hartl die Paulusbriefe auf und betont die Verschiebung die entsteht, wenn Gottes Herrlichkeit nicht erkannt wird (Götzen). Diese Frage nach der Anbetung, für wen und für was man lebt wenn es von Gott verschoben wird, wird im Kapitel „Herzensgötzen“ thematisiert (side Note: das Kapitel erinnert mich sehr an die Worte Augustinus „curvatio in se“, die Verkrümmung des Herzens auf sich selbst; die 3-fache Ichbezogenheit durch Macht, Ehre und Besitz (bei Hartl: Sicherheit, Macht, Anerkennung, Trost)). Das nächste Kapitel „vor Sonnenaufgang“ ist die nächste autobiographische (diesmal auch advertising) Geschichte über das Leben im Gebetshaus im Kontrast zum Leben der schnellen Welt - was ist nochmal davon die Normalität? In „Raus aus der Komfortzone“ wird der Beginn des persönlichen Exodus in das eigene Herz gelegt und die Wichtigkeit einer echten Buße mit Trauer (als Abwendung des Kreisen um sich selbst) betont; neue Priorität = Selbsttranszendenz. Im letzten Kapitel „berstendes Glas“ wird die Anfangserzählung auf der griechischen Insel gemäß eines erfolgreichen roten Fadens wieder aufgegriffen und es endet mit Hartls Freunden Tom und der See.
My highlights
- Der Heroismus der alltäglichen Entscheidungen. - Die Frage an was unser Herz hängt sehen wir an unserer Zeitplanung. - Anbeten = sich auf das beziehen was einem am wichtigsten ist - Gott ist ewig und somit weder der Gott der Vergangenheit, der Zukunft oder Gegenwart - folglich wird auch seine Botschaft nie “zeitgemäß” sein. Gott ist ewig und somit ist Jesu Handeln heute genauso wichtig, präsent und real wie von vor 2000 Jahren - denn er ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit (Hebräer 13,8). Es erklärt wie Gott uns bereits erwählen konnte (Joh 15,16) bevor wir es taten; es erklärt die Flüchtigkeit der Gegenwart und die Schwierigkeit, gar Unmöglichkeit seine Lehren “zeitgemäß” zu verpacken - denn es ist andersherum: wir dürfen Gottes Zeitgenossen sein, indem wir durch die spirituellen Disziplinen einen Vorgeschmack auf die Ewigkeit bekommen.
-„Scheinbar greifbar habe ich nur den Augenblick” ; „Die, die keine zeit haben sind die, die keine Ewigkeit haben.” - Doppeldeutigkeit des Urtextwortes von Erkenntnis (Vereinigung der Geschlechter und Intellektuelle Erkenntnis) —> biblische Erkenntnis meint etwas ganzheitliches, aus dem etwas kategorial Neues, aus dem Leben erwächst. (1:07) Wissen, in das ich nicht eintrete ist nicht Gotteserkenntnis sondern ihr trügerischer Ersatz, der den Hunger und das eigene Herz täuscht. Hosea 6,3 ; 6,6 - “Nicht viel wissen sättigt die Seele, sondern Kosten und Fühlen der Dinge von Innen.” (Ignatius von Iola) - „Der Mangel der Worte ist der Mangel an Liebe” // “der Wunsch so viel mehr zu sagen ist quälend in dem der liebt” - Lukas 6,45 - „Ich liebe und fürchte das Meer und nur weil ich es fürchte, staune ich darüber. Keine Angst, sondern Respekt und hätte ich das nicht, würde ich es nicht kennen. Je mehr man es kennt, desto mehr liebt und fürcht man es.” - Das Staunen ist der Anfang der Philosophie und des Betens. - Denn was man nicht fürchten kann, darüber staunt man nicht. - „Es ist weise unterscheiden zu können zwischen dem eigenen Sichtfeld und dem tatsächlichen Horizont.” - „Wenn wir die Wichtigkeit der Frage nach Gott erkennen würden, dann würden alle anderen Fragen verblassen.” - Weisheit: “weise bedeutet, dann sind auch seine anderen werturteile und Handlungen sind im Lot // Weisheit ist nicht Intellekt und Torheit nicht ihr fehlen; Weisheit und Torheit sind Fragen des Überblicks und der rechten Gewichtung // Sprüche 9,10 der Anfang der Weisheit ist die Furcht des Herrn” Furcht (in diesem Sinne) = klare Erkenntnis, womit man es zu tun hat - Wie wir über Gott denken ist von höchster Bedeutung. - Ein zahnloser Gott wird niemanden packen. Was wir nicht fürchten, können wir auch nicht anbeten. - „Dem der sich selbst im Mittelpunkt sieht geht so viel mehr verloren als nur die Wahrheit; es geht ihm die Schönheit verloren, der Genuss an etwas teil zu haben in dem er sich vergisst.“ - Die Fixierung auf das eigene Empfinden zerstört das Empfinden der Lust bei etwas Schönem. (Die Selbstfixierung raubt uns das, was sich in der Gegenwart schenken möchte) - „Dass einem etwas heilig ist, bedeutet es zum Gegenstand höchster Aufmerksamkeit zu machen“
Fragen: - Ich verstehe das Kapitel zu Gottes Eigenschaft der Ewigkeit und ihren Zusammenhang mit der These dass es für uns Gläubigen dadurch klar ist dass er “nie zu spät kommen wird” nicht - Habe Schwierigkeiten mit seiner Aussage, dass im Gebetsraum Menschen Anschluss finden sollen, die Gott npch nicht so gut kennen - cuz it’s such a bubble. Hat sich mir die Frage gestellt ob sich diese Vision verändert hat
Das Buch fing an mit einem sehr guten philsophischen Dialog. Es war inspirierend und ermutigte zu einem tieferen geistlichen Leben. Es schien mir aber auch etwas weniger fokussiert als die andere Bücher von Hartl, die ich höchst empfehlen würde.
I met Johannes at the Alpha Leadership Conference and the talk he gave and the conversation we had afterwards made me really interested in what he had to say. I was also confounded by the fact that this man literally has the german version of my name. I will try to not let that fact sway my opinion. This book is a great challenge to our cozy sense of God that we at our lukewarm stages of life can hold. It is the cozy sense of God that treats him like a nice gentle meek and mild man rather than the God almighty that he truly is. Johannes' writing style is really easy to follow along with even when he is talking about some pretty big and interesting theological and philosophical concepts. Additionally he is able to make these concepts not just abstract but real and meaningful whilst at the same time not simplifying them for application, but rather recognising that the fullness of these concepts are found in it's reality. I have personally found this a really powerful book to read and is something that I will keep coming back to as I don't think I have truly gleaned all that this book has to offer. I would recommend this book to everyone whether of faith or not, whether newly found God or been a christian forever, whether on fire or lukewarm. This book has so much to offer theologically and personally that it would be a shame for others to miss out! So, go out and buy the German Jon Hart's book.
Das beste Buch des Jahres. Noch nie ein mit so viel literarischer Schönheit und fundamentaler Weisheit geschriebenes Buch gelesen. #inlove Habe das Thema Gottesfurcht auf eine ganz neue Art kennen und lieben gelernt.
This turned out to be an excellent and very challenging book. Hartl builds up to a crescendo in the last chapters after carefully constructing a foundation early on. I struggled with the foundation and was exhilerated by the crescendo. Very worth reading and pushing through the slow start.