"Cato" Kwong, chinesisch-stämmiger Australier, ist als Nachkomme chinesischer Einwanderer eine „Banane“, nur äußerlich gelb und in seinem Verhalten kaum noch von Weißen zu unterscheiden. Die Polizei von Freemantle hat in Catos aktuellem Fall mit der komplizierten Kombination aus Bandenkriminalität und Bestechlichkeit innerhalb der eigenen Reihen zu tun. Als ein Undercover-Ermittler in einem Nachtclub ermordet wird, stellt sich die Frage, wie Tipps ihrer Informanten bestimmte Polizisten durch geradezu märchenhafte Zufälle auf ihre derzeitige Position spülen konnten. Dem Arbeitsklima tut die Konfrontation mit dem Undercover-Kollegen nicht gut, von dessen Auftrag niemand wusste. Der Auftritt zweier Banden auf Freemantles Straßen stört das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung empfindlich und veranlasst die Polizei, deutlich Flagge zu zeigen. Eine Sondereinsatztruppe gegen Gewalt im öffentlichen Raum wird organisiert. Kato hat zudem mit einem Gewalttäter zu tun, der die schon länger vermisste Tochter seiner Ex-Lebensgefährtin in seiner Gewalt haben könnte.
Das Setting eines Einwanderungslandes, das sich inzwischen mit Zuwanderung verschiedenster Nationalitäten schwertut, hat mich schon in Carters erstem Krimi interessiert. Sprache und Setting sind Stärken auch des zweiten Bandes. Die Arbeitsbedingungen seiner Ermittler unter diesen Voraussetzungen schildert Carter äußerst realistisch. Verdächtige und Polizisten langen ohne Rücksicht auf Verluste hin, auf Seiten der Polizei sitzt der Taser locker. Bemerkenswert auch, dass die Ermittlungen durch umfangreiche Videoaufzeichnungen aus Überwachungskameras im öffentlichen Raum gestützt werden. Schnelle Schnitte und Gewalt auf beiden Seiten können jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass die Figuren flach bleiben. Zurückhaltung in Bezug auf die Persönlichkeit der Ermittler könnte ein handwerklicher Kniff des Autors sein, um möglichst spät erst die weicheren Seiten seiner Figuren zu enthüllen. Trotz des interessanten sozialen Hintergrunds sind mir in diesem Band auf Kosten einer differenzierteren Personenzeichnung deutlich zu viele Wunden aus dem Kampf Polizei gegen „das Böse“ enthalten. Spannung in Krimis und Thrillern setzt bei mir Entwicklung der Figuren voraus.