Cason Statler hat den Tiefpunkt seines Lebens erreicht: traumatisiert von seinem Einsatz als Soldat im Golfkrieg kehrt er in sein Elternhaus zurück, ein von der Freundin verlassener Trinker, der durchaus seine Chance hatte; als Reporter war er für den Pulitzer Preis nominiert, doch dann ging er mit der Frau seines Chefs und dessen Tochter ins Bett und damit endete seine Karriere, bevor sie überhaupt begann. Cason findet sich als Reporter eines Kleinstadt-Käseblatts wieder und ist hier für den nicht besonders spannenden Tratsch und Klatsch zuständig. Das Leben hat den ehemaligen Starreporter genügsam gemacht, doch dann kommt er einer Story auf die Spur, die Potenzial hat: eine junge Frau ist spurlos verschwunden, und Cason nimmt die journalistischen Ermittlungen auf, unterstütz von seiner neuen Kollegin…
Nachdem ich zwei gelungene Romane von Lansdale gelesen hatte, die jeweils aus der Sicht eines jugendlichen Erzählers geschrieben waren (DIE WÄLDER AM FLUSS und EIN FEINER DUNKLER RISS), hat mich hier der trockene Humor und die oft drastische bildhafte Ausdrucksweise eines Gestrandeten von Anfang an sehr eingenommen. Lansdale ist ein gewiefter Erzähler, der unterhaltsam schreibt, ohne ins Triviale abzurutschen, und dessen sympathische Helden mir schnell ans Herz wachsen.
GLUTHITZE ist ein Roman, der im Laufe der Handlung immer mehr Fahrt aufnimmt, und auch wenn der Aufbau recht klassisch ist, steigert sich die Spannung zum Ende hin enorm und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Trotzdem hat mich GLUTZHITZE nicht so überzeugt wie die vorgenannten Romane, und das liegt vor allem daran, dass GLUTHITZE zum Ende hin äußerst brutal wird. Folterszenen und grausam zugerichtete Leichen sind Elemente, auf die ich verzichten kann; diese grausamen Schilderungen waren für meinen Geschmack unnötig und teilweise überzogen brutal und stellten einen Bruch zu den ersten 300 Seiten des Romans dar, der anfänglich seine Spannung aus der sehr gut erzählten Story alleine beziehen kann. Aber mir ist bewusst, dass „der Leser“ von Thrillern eine immer härtere Gangart erwartet und ich vermutlich zu einer verschwindend kleinen Minderheit zähle, die an der expliziten Schilderung von Grausamkeiten Anstoß nimmt, denn auf dem Buchmarkt wird nicht an den Interessen des Lesers vorbei geschrieben.
Schade ist aus meiner Sicht, dass ein Erzähler wie Lansdale diese Exzesse gar nicht nötig hat und damit leider auch qualitative Einbußen damit einhergehen. Die Motivation der Figuren war teilweise schlicht nicht mehr nachvollziehbar oder zu konstruiert. Dabei hätte ich bis Seite 300 noch fünf Sterne vergeben und das Buch bedenkenlos weiter empfohlen.
Wer gerne Krimis liest, die in Texas spielen, und sich an drastischen Szenen nicht stört, wird diesen Roman trotzdem mögen, denn Lansdale ist ein Erzähltalent, wie es nicht viele gibt.