Zwei Briefe bestimmen Brittas Zukunft. Sie darf den geliebten Vater für einige Zeit nach Paris begleiten. Ein reizendes kleines Haus mit zwei siamesischen Katzen ist hier zu betreuen. Britta fühlt sich wie im Himmel. Eines Tages aber scheinen alle Sterne erloschen: - Der Vater wird nach Südfrankreich berufen - Die erwartete Kusine ist krank geworden und kann nicht kommen - Mutterseelenallein und todtraurig sitzt Britta in der fremden Stadt. In diesen Tagen der Einsamkeit und Verlassenheit findet sie wie durch ein Wunder Menschen, denen sie vertrauen kann. So lernt sie nicht nur Paris kennen, sondern vor allem sich selber.
Annik Saxegaard wurde am 21. Mai 1905 in Stavanger geboren. [...] Später zog die Familie nach Oslo um, wo Saxegaard 1925 ihr Abitur machte. Zunächst versuchte sie sich als Schauspielerin, merkt aber schnell, dass hier nicht ihre eigentliche Stärke lag. Sie verdiente bereits zu dieser Zeit Geld mit dem Schreiben, außerdem arbeitete sie im Rundfunk.
Als ihre Eltern sich scheiden ließen, zog Saxegaard mit ihrer Mutter nach Bergen. Hier leitete sie eine Rundfunksendung, hielt Vorträge, schrieb Werbetexte und begann schließlich Tiergeschichten für Kleinkinder zu verfassen. Nachdem diese zu Erfolgen wurden, veröffentlichte sie zunächst einen Roman. Danach begann sie Mädchenbücher zu schreiben, die ihr vor allem in Deutschland zu großer Popularität verhalfen. Unter dem Pseudonym Berte Bratt wurde sie zu einer der meistgelesenen Mädchenbuchautorinnen in Deutschland, mit einer Gesamtauflage von über 5 Millionen Exemplaren. Einige ihrer Romane wurden zunächst als Lore-Romane unter dem Pseudonym Nina Nord veröffentlicht, außerdem verwendete sie das Pseudonym Ulla Scherenhof (Gina-Reihe).
1958 zog sie nach Deutschland. Ab diesem Zeitpunkt schrieb sie ihre Bücher fast ausschließlich auf Deutsch. Sie wohnte in Kiel zusammen mit einer deutschen Freundin und lebte dort bis zu ihrem Tod am 16. August 1990." (Wikipedia.de)
Die 16jährige Britta wohnt als Tochter des 44jährigen Kunstmalers Benno Dieters auf Seehundsrücken in der Nordsee; die dänische Mutter starb, als Britta erst zehn war. Zum Haushalt gehören noch „Omi“, die Mutter des Vaters, sowie bis vor einem Jahr Tante Birgit, des Vaters Schwester, die jetzt als Lehrerin an einer Schule in Kiel unterrichtet. Den Unterhalt verdient der Vater mit Bildern für die Touristen auf der Insel. Der erste der zwei titelgebenden Briefe kommt nun als Reise- und Studienstipendium für ihn: er bekommt einen Auslandsaufenthalt als Maler finanziert. Davon hat ein Bekannter in der Zeitung gelesen und schickt ihm sogleich den zweiten Brief: der dänische Redakteur Ahlsen war Inselbesucher und hat sich mit der Familie angefreundet. Bekannte von ihm, das Ehepaar Aubel, sie Dänin, er Franzose, haben ein Haus im Pariser Vorort Colombes, für das sie einen Haus- und vor allem Katzensitter benötigen.
Alsbald macht sich also das Vater-Tochter-Gespann auf nach Frankreich, wo Britta sich um Haushalt, Katzen und den Erwerb von Französisch-Kenntnissen kümmern soll, während der Vater malt. Die siamesischen Vierbeiner Bajadere und Rajah benutzen zwar die gleiche Toilette wie die Menschen, sollen aber teureres Essen bekommen, als ihre „Sitter“ es für sich kaufen würden – dazu sind sowohl Brittas Französisch als auch ihre Kenntnisse in Haushaltsführung und Kochen gleichermaßen spärlich. Vati hingegen neigt zu impulsiven Spontankäufen und -entscheidungen. Prost Mahlzeit!
Als der Vater über den Architekten Latour vor Ort das Angebot bekommt, seiner Leidenschaft nachzugehen und die Freskomalereien in einer Kirche in Südfrankreich restaurieren soll, kommt ein Brief von Brittas zehn Jahre älterer Cousine Ellen aus Dänemark, die liebend gerne wieder Paris sehen würde, gerade recht: da die Katzen ja nicht allein bleiben dürfen und Britta nicht allein in der Großstadt bleiben soll, wird flugs die frankophile Dänin eingeladen. Doch nach der Abfahrt des Vaters kommt leider nicht, wie geplant, eine Stunde später Ellen an. Was eine Diphterie, Eselreiten im Park, ein Brief ein die bekannte Autorin von Mädchen-Büchern Edda Callies, die Liebe, eine Erkältung und ein Clochard noch an Abenteuern für das junge Mädchen bereithalten, sollte aber lieber jeder selbst lesen.
Ich mache gerade einen Re-Read der Berte Bratt-Bücher aus meiner Teenager-Zeit und liebe diese noch immer – und ja, es wird sehr viel Wert auf eine hauswirtschaftliche Erziehung von Mädchen gelegt (würde ich heute für beide Geschlechter für wichtig halten zumindest in den Grundzügen), und ja, die Bücher sind oft sehr emotional. Dabei vermitteln alle eine praktische Einstellung zum Leben und den Grundsatz „Es macht Spaß zu helfen, dort wo Hilfe gebraucht wird“ (S. 80), Humor, eine liebevolle Grundeinstellung zu Mitmenschen, die Bedeutung davon, für sich eine sinnvolle Aufgabe/Arbeit im Leben zu finden und diesen Plan dann auch zu verfolgen, die Wichtigkeit guter Kameradschaft und noch vieles mehr, was nun überhaupt nicht veraltet ist.
In loser Reihe ist dieses der zweite Band aus der Reihe um Reni, Bernadette und Co.