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German

106 pages, Paperback

First published January 1, 1975

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Franz Hohler

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Hohler wuchs in Olten auf und besuchte die Kantonsschule Aarau bis zur Matura 1963. Dann begann er das Studium der Germanistik und Romanistik an der Universität Zürich. Während des Studiums führte er sein erstes Soloprogramm pizzicato auf (1965). Dessen Erfolg ermutigte ihn, das Studium abzubrechen und sich ganz der Kunst zu widmen. Sein Werk umfasst unter anderem Kabarettprogramme, Theaterstücke, Film- und Fernseh-Produktionen, Kinderbücher, Kurzgeschichten und Romane.
Er arbeitete immer wieder mit anderen Künstlern zusammen, beispielsweise auf der Bühne und am Fernsehen mit dem Pantomimen René Quellet, mit Hanns Dieter Hüsch oder als Autor und Produzent für Emil Steinberger.
Charakteristisch für Hohlers Werk ist der Wechsel zwischen politischem Engagement und reiner Fabulierlust. Oft geht er auch von feinen Alltagsbeobachtungen aus, die unversehens ins Absurde kippen. Hohler begleitet sich bei seinen Auftritten oft selbst auf dem Cello (Celloballaden). Am 8. Dezember 2011 trat er mit seinem Programm "Das Grosse Buch – Kindergeschichten für Erwachsene" an der 20. Jubiläumsausgabe des Arosa Humor-Festivals auf.
Er ist seit 1969 mit der Germanistin und Psychologin Ursula Nagel verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er wohnt in Zürich-Oerlikon.[1][2]
Hohler ist Präsident der Prix-Courage-Jury. Er ist Mitglied beim Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz und bei International PEN.

Franz Hohler currently lives in Zurich.
He is the author of many one-man shows and satirical programs for television and radio.He wrote theater pieces, children's books, stories and novels, and is equally loved and feared for his sharp, witted and pointy humor.
In 2002 he received the Kassel Literary Prize for Grotesque Humor.
One of his most famous works is the "Totemügerli". A "Swiss-German" story based upon a fabulous creature using word- creations, which do not exist.

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Profile Image for Klaus Mattes.
729 reviews10 followers
November 5, 2025
Da war ich dann froh zu finden, dass ich vor 45 Jahren den Schweizer Franz Hohler nicht zu Unrecht für meinen Lieblingsschriftsteller gehalten hatte (ihn zu lesen hat sich mit den Jahren unbemerkt wieder verloren)! „Wo?“ ist gut. Kleines Buch, kurze Sachen in Prosa, eigentlich weder Geschichten noch Belletristik, sondern eher überraschend genaues und kühles journalistisches Beobachten. Hohler schaut Ordnung, Wohlstand, Sicherheit, Familie in der Schweiz so genau an, dass sie bisweilen dann abgründig und gespenstisch erscheinen. Er macht, in einem sehr frühen seiner mittlerweile unzähligen Werke, mal nicht das, was ich bei „Rand von Ostermundigen“ und „Rückeroberung“ überhaupt nicht mehr mochte: das Erfinden abstruser Handlungen, die einer fatalen Logik des Träumens folgen, somit ständig wie Kafka Junior ausschauen. Wie die Dinge aber halt liegen, gibt es die Kafka-Spielerein, wiewohl sie nie Hits wurden, im Buchhandel immer noch, während diese Miniatur-Reportagen aus der Schweiz in den 1970-er Jahren nur noch antiquarisch zu erhalten wären.

Hohler kam aus Olten an der Aare, Kanton Solothurn. Seine Vorfahren, die in einem dieser Texte auf dem Dorffriedhof besucht und nach denen im Geburtsregister der Gemeinde im Jura geforscht wird, waren keine Schweizer, sondern gehörten damals noch zum linksrheinischen Vorderösterreich. Da gab es viele Hohlers, heute nur noch wenige. Es gibt Ursula, seine Frau, von der wir wenig erfahren. Den kleinen Sohn Lukas, mit dem er im Garten arbeitet und dabei (nicht das einzige Mal) so etwas wie eine Hommage an den sparsamen Prosastil von Peter Bichsel (ebenfalls Solothurner) aus dem 1960-er Jahren durchzieht: Ja, Lukas habe Recht, dem Garten könne man Garten sagen, dem Haus Haus. Ähnlich genau wie er in einem Stück den Bau einer Tunnelröhre durch die Alpen beschreibt, beschreibt er in einem anderen, wie Ursula einen zweiten Sohn „gebärt“, komisches Wort, sagt er:

… sie hat ihn seitlich gelegt, so daß er, wenn er die Augen offen hat, zu uns schauen muß, ob er will oder nicht, und so schaut er also, während wir Kaffee trinken, zu uns, liegt, ohne zu schreiben, seitlich und nachdenklich da und beginnt langsam Kaspar zu heißen.

Hohler wohnt am Stadtrand von Zürich, in einem alten Haus, im Dorf, sagt er. Die Gegend wird nach und nach vom Einkaufscenter-, Speditionen-, Kabel-, Lagerhallen-, Kleingarten-, Joggingstrecken-Ödland mitteleuropäischer Metropolen aufgefressen. Er fotografiert mit Worten: „Vor der Stadt“, „Im 6. Stock“, „Auf der Straße“.

Er verreist. Drei Berichte aus Amerika, wobei das Eine eine Nacherzählung eines Selbstjustizfilms mit Charles Bronson ist. Im Frankfurter Bahnhofsviertel tut er so, wie wenn er die Aufschrift „Pizza“ glauben und spätabends wirklich noch Pizza essen wollte, um „In schlechte Gesellschaft“ zu kommen, wo er dann etwas sehr naiv und verklemmt wirkt, sich aber, unter Zurücklassung einer Hunderternote, aus der Affäre zieht. In Verdun beobachtet er, dass in den vielen Löchern des hoch gelegenen Schlachtfelds sich biologische Nischengesellschaften angesiedelt haben, erinnert daran, wie hier junge, verängstigte Männer in den Matsch versanken, um Hilfe riefen, von ihren Kameraden liegen gelassen wurden, weil sie den Arm nicht schnell genug streckten, an dem man sie hätte herausziehen können. Hätten sie nicht alle miteinander den Kriegsdienst verweigern können, fragt er. Aber nein, das wäre wohl zu viel verlangt gewesen von diesen Menschen. Obwohl, dass sie nachher zu Millionen in solchen Matschlöchern verrecken, keiner auf ihre Hilfeschreie hört, ist nicht zu viel verlangt.

Sieht man, wie er die ganz gewöhnlichen Randbeobachtungen bei der Tour de Suisse, der Wahl der Bundesräte (Schweizer Regierung) und am Nationalfeiertag („An der Bundesfeier“) einsammelt, merkt man, dass die kleine Prosa nicht nur klar, knapp, luzide gearbeitet war, sondern, im Gegenteil zu dem, was man heute offenbar glaubt, kein Stück veraltet ist.

Was er sagte, hätte über weite Strecken von einem Kommunisten oder Sozialisten sein können, sein Haß auf die Banken, die Spekulation, die Großindustrie, das interessenvertretende Parlament erntete sozusagen ersatzweise Zustimmung, fast bei jeder seiner Forderungen wurde applaudiert, nur als er persönliche Freiheit für jeden forderte, klatschte niemand. Mit großem Erfolg zählte er echte Feinde auf, also die modernen Vögte hinter den Banktresoren oder die Planer, die unser Land verplanen. An diesem Punkt kam dann auch die politische Abzweigung nach rechts, indem er sämtliche sozialisierenden Maßnahmen ablehnte und die Schweiz der Zukunft als ein genügsames Land schilderte, das von bescheidenen Gewerbetreibenden und Kleinhändlern bewohnt wird und wieder sich selbst gehört, und nicht den Ausländern. Er betonte immer, daß wir selber zum Rechten sehen müssen und schloß mit einem Zitat von Gottfried Keller.
[…]
Mit diesem Ruf zog eine Gruppe von Blue-Jeans-Leuten unterhalb des Denkmals durch. Von der Anhöhe herunter stürzten sich nun Männer mit Knüppeln und Fahnenstangen auf das Züglein, das unter ihren Hieben bald auseinanderstob, und das alles sah von weitem unter den Klängen der Landeshymne, mit dem höchst farbigen Wurm von Menschen, der sich vom Hügel herunterwand, und den weißen Hemden der Kämpfer, die in der Sonne morgartenhaft leuchteten, äußerst lieblich aus.
Beim Sanitätszelt rieb man sich die Hände.
[…]
Mitten auf dem Weg stand ein Alphornbläser, der die Töne nie gleich traf, und neben mir sagte jemand im Hinabgehen: Die Soubruet isch halt überall.

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