Die deutsche Geschichte ist reich an dunklen Kapiteln. Doch weil die größte aller historischen Katastrophen -- das Dritte Reich und der vom nationalsozialistischen Deutschland entfesselte Zweite Weltkrieg -- alles bislang Dagewesene in jeder Hinsicht in den Schatten zu stellen vermochte, ist manches zu Unrecht in Vergessenheit geraten. So auch die koloniale Vergangenheit in "Deutsch-Südwestafrika". Dort, im heutigen Namibia, schlugen am 11. August 1904 die deutschen Kolonialtruppen den Aufstand der Herero nieder. Die Eingeborenen vom Stamme der Bantu, die vor den Erschießungskommandos fliehen konnten, verdursteten in der Wüste Omaheke. Die übrigen wurden großteils erschossen. Insgesamt fielen in der Zeit von 1904 bis 1908 etwa 60.000 Herero den Deutschen zum Opfer -- Schätzungen zufolge etwa 90 Prozent des gesamten Stammes. Der Berliner Cartoonist Gerhard Seyfried hat sich für sein Romandebüt mit diesem historischen Stoff keines einfachen Themas angenommen. Leicht hätte er sich daran verheben können. Hat er aber nicht! Mit unerhörter Akribie hat er sich den Gang der Ereignisse erschlossen und in eine -- zudem ungemein spannende -- Geschichte verwoben. In deren Zentrum steht die fiktive Figur des Kartografen Carl Ettmann, der im Jahr 1903 eine Anstellung im Kaiserlichen Vermessungsamt in Windhoek antritt. Als der Aufstand losbricht, wird Ettmann zum Militär eingezogen, und wir erleben mit ihm das Jahr 1904, das Seyfried chronologisch, Tag für Tag aufgerollt hat. Und dabei hat er der historischen Faktizität im Zweifel den Vorrang vor der Fantasie des Romanciers gegeben. Trotzdem oder gerade deswegen ist dabei alles andere als ein Historienschinken herausgekommen. 600 Seiten, die die Lektüre wirklich lohnen! --Andreas Vierecke
Gerhard Seyfried is a German comic artist, cartoonist, and writer. One of the most popular German underground artists, he won the Max & Moritz Prize in 1990.
Herero is a book about forgotten German history. 1903 in now Namibia (Deutsch Südwest Afrika), a German cartographer has a new job. To make maps of the country. Purpose: to colonise the area and to improve transport and travel ways.
What’s coming into his ways are the Herero. The original inhabitants of the land. Pushed out of the way by German settlers. Likewise to the people in Northern America.
The description of the way is more like a picture book. A lot of details, picturesque. The names for the original inhabitants given by the conquerors, like the German, Dutch, England. Names used today from people who do not now where they originated.
I had found it difficult to read. Thinking about the actual world situation, I think why the humans haven’t learned a bit out of history.
I didn’t made it it to the end. Stopped somewhere 2 thirds through.
My second attempt to read it. I won’t try it again.
Ich habe das Buch während einer Namibia-Reise gelesen - kein Zufall, sondern so geplant. Ich finde es immer interessant, die Schauplätze eines Romans in der Realität zu sehen. Dieses Buch bietet sich dafür aufgrund der gründlichen Recherchearbeit und des großen Detailreichtums besonders gut dafür an. Um den Herero-Aufstand, insbesondere den daraus folgenden Völkermord an den Hereros, wusste ich bereits aus dem Geschichtsunterricht. Der genaue Hergang des Jahres 1904 war mir allerdings nicht bekannt, da hat "Herero" einige Lücken schließen können.
Leider wird aber genau das dem Roman irgendwie zum Verhängnis: dieser Detailreichtum. Ich fand es doch ein wenig schwerfällig zu lesen, es gab sehr viele Informationen zu Militärischem (klar, ist ja auch ein Buch über Krieg!), aber irgendwie war es mir dann doch zu viel mit den ganzen Auflistungen von Majoren und Leutnants und Generälen - oder war da noch ein Unteroffizier dabei? Außerdem habe ich festgestellt, dass die deutsche Sprache wirklich für jedes kleine Dingelchen ein Wort hat, schön zu sehen, merken werde ich mir wahrscheinlich trotzdem nicht, was eine Schwanzlafette ist.
So, und nun noch eine letzte Anmerkung aus dem Jahr 2025 (und ein Hinweis): das Buch ist im historischen Jargon geschrieben und gerade in der gesprochenen Sprache kommt es daher häufig zum Einsatz heute einfach nicht mehr zeitgemäßer Wörter (Euphemismus für: rassistisch). Mir ist klar, dass die Absicht des Autors war, zwecks Glaubwürdigkeit und Authentizität den damaligen Sprachduktus zu verwenden, und nicht, Menschen einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zu beleidigen oder zu verletzen. Nichtsdestotrotz fällt der Gebrauch dieser Wörter heutzutage unter das Problem der Reproduktion und macht solche Wörter dann irgendwie doch wieder salonfähig. Ich bin definitiv jedes Mal aufs Neue darüber gestolpert.
Die Geschichte Deutsch-Südwestafrikas und des Aufstands der Herero in einen Roman verpackt - wirkt fast ein wenig verharmlosend, denn die Darstellung wie die Deutschen da gehaust haben, kommt fast ein wenig zu kurz. Zur Ergänzung muss man da wohl doch noch ein richtiges Geschichtsbuch lesen. Dennoch sehr lesenswert, allerdings mit einem etwas unentschlossenen Ende.