Manchmal lese (bzw. höre) ich auch Kurzgeschichten. Dies mache ich ehrlich gesagt nur selten, weil mich Kurzgeschichten in vielen Fällen „nicht abholen“. Dies liegt aber nicht am Genre, sondern vermutlich ich erwische ich regelmäßig einfach Werke, die mich nicht so richtig fesseln wollen.
Auf diese Erzählung stieß ich auf Zufall. Ich glaube, ich suchte damals nach einem Krimi, doch in diesem Buch ist für mich der Krimianteil nur ein Aspekt.
Für mich war diese Geschichte wie ein kurzer Blick in den Alltag einer Familie. Allerdings ein Alltag mit einem sehr tragischen Ende.
Zunächst ist dort der sehr religiöse, ja, fast schon radikale Jacow, der sich in seinem Wunsch, den richtigen göttlichen Pfad zu finden, in immer mehr und immer strengere religiöse Vorschriften verrennt. Vorschriften, die durchaus auch Ergebnis seiner eigenen Interpretation sind. Und, was nicht untypisch ist für Menschen, die einen sehr streng ausgelebten Glauben verfolgen, das Verurteilen und Maßregeln des eigenen Umfelds bei Nichteinhaltung der eigenen, individuellen Glaubensansätzen. Und das Erheben der eigenen Person über andere.
Doch dann, Religiosität hin oder her, wird jemand getötet, mitten im Alltag. Vorangegangen sind viele Streitereien, bis es schließlich eskalierte. Statt jedoch das Verbrechen zu gestehen, versuchen es die Täter und Mitwisser zu vertuschen. Die Tat kommt heraus und auch Jacow wird bestraft.
Ich fand die Erzählung interessant, weil sie auf ihre Weise zeigt, wie banale Zwistigkeiten so eskalieren können, dass es zur Katastrophe kommt. Und man muss nur die Zeitungen aufmachen, um zu sehen, dass dieser fiktive Fall in der Realität nahezu täglich vorkommt. Nicht immer tödlich, aber durchaus mit tragischem Ausgang. Familien entzweien sich, Freundschaften zerbrechen.
Das Hörbuch war jetzt kein Highlight, dennoch habe ich das Hören nicht bereut und bin auf eine lohnenswerte Geschichte gestoßen.