Starker Tobak
Was muß Häuptling Gelber Hund von den Cheyenne wohl rauchen, daß sowohl die Oberhäupter verbündeter Stämme als auch die Vertreter des weißen Mannes die Aussicht auf Krieg als Erleichterung gegenüber der Notwendigkeit, einen Zug aus seiner Pfeife zu nehmen, empfinden? Eine kriegerische Auseinandersetzung steht nämlich unmittelbar bevor, denn ein weißer Deserteur versucht aus Rachsucht, die Indianer gegen die Siedler und die Männer der 20er Kavallerie aufzuwiegeln, und nur Lucky Luke scheint in der Lage zu sein, einen Flächenbrand zu verhindern.
Lucky Luke reitet für die 20er Kavallerie ist neben meinem Lieblingscomic aus der Reihe, Der Apachen-Cañon der zweite, in dem unser Held seine Dienste der Armee anbietet und einen Indianerkrieg abwendet. Auch dieser Band gehört für mich zu den stärkeren Abenteuern unseres lässigen Schattenschießers, denn es gibt eine Menge von Running Gags – immer ein Markenzeichen der Serie – und absurden Situationen. So schikaniert der Befehlshaber des Forts, der vorschriftentreue Colonel MacStraggle bei jeder Gelegenheit seinen Sohn, weil er sich auf keinen Fall nachsagen lassen möchte, daß er den Jungen bevorzugt. Hier machen Morris und Goscinny eine Anleihe bei John Fords Western „Rio Grande“, in dem es eine ähnliche Vater-Sohn-Konstellation bei der Armee gibt, aber vielleicht ist auch ein bißchen von Fords Colonel Tuesday („Fort Apache“) in Morris‘ und Goscinnys Colonel MacStraggle. So muß der junge MacStraggle beispielsweise zur Strafe Kartoffeln schälen, deren Schalen sein Vater dann hinsichtlich ihrer Dünne inspiziert – auch wenn gar keine Kartoffeln mehr da sind.
Verschiedentlich wird den Lucky-Luke-Heften heute auch vorgeworfen, ihren Humor zu sehr auf ethnischen Stereotypen aufzubauen, doch in diesem Heft wird dies einmal auf sehr hintergründige Weise getan, wenn der chinesische Wäschereibetreiber, der sehr vom Ordnungswahn des Colonels profitiert, von den Weißen als den „rosigen Gesichtern“ spricht. Lucky Luke korrigiert ihn, er meine wohl „Bleichgesichter“, und Ming Li Foo wehrt mit den Worten ab: „Wir sagen nicht so, da unser eigener zarter Teint an altes Elfenbein erinnert, ehrwürdiger Freund. Ihr seid dagegen rosafarben …“ Es ist eben alles eine Frage der Perspektive …
Insgesamt ist Lucky Luke reitet für die 20 Kavallerie ein kurzweiliges und sehr lustiges Abenteuer.