Brandon, Massachusetts Mitte Juni 1881. Ein junger Detektiv wird vom örtlichen Postmeister um Hilfe gebeten, weil regelmäßig Briefe an einen mysteriösen XYZ eintreffen und er vermutet, dass diese im Zusammenhang mit einer Falschgeldaffäre stehen könnten. Worauf der Detektiv wirklich stößt ist eine mysteriöse Familie mit einem dunklen Geheimnis. Eine reiche Familie, aber keiner weiß woher das Geld kommt. Die Bensons leben zurückgezogen, halten sich aus allem raus. Der Vater ist ein regelrechter Einsiedler, der Sohn arrogant bis suspekt, die Tochter bekommt selten Aufmerksamkeit. Nun, nach vielen Jahren, wollen sie einen Maskenball geben und einer der ominösen Briefe enthält Anweisungen diesen Ball betreffend. Der Detektiv wittert ein Verbrechen.
Anna Katharine Rohlfs, geborene Green, gilt mit ihren ca. 40 Büchern als die Mutter der Detektivgeschichten und als bedeutendste Vertreterin dieses Genres neben Edgar Allan Poe und Sir Arthur Conan Doyle. Umso erstaunlicher, dass heutzutage, zumindest in Deutschland, kaum einer je von dieser Autorin gehört haben dürfte. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass kaum eines ihrer Bücher übersetzt wurde. „The Leavenworth Case“ war 1878 der Bestseller des Jahres und wurde sogar von Wilkie Collins hoch gelobt. Green war vor allem dafür bekannt, dass ihre Fälle sehr gut ermittelt waren und sich an die geltenden Gesetze hielten. Den entsprechenden Hintergrund und einige Inspirationen lieferte wohl ihr Vater, der Anwalt war.
38 ihrer Bücher sind derzeitig beim amerikanischen Gutenbergprojekt, teils in illustrierter Form, hinterlegt.
XYZ erschien 1883 und ich würde die Geschichte eher als Kurzgeschichte, denn als Roman ansehen, dennoch erschien sie wohl als einzelner Kurzroman. Die meisten Leser stoßen wohl auf diese Geschichte, wenn sie einen Titel mit X für eine ABC Challenge suchen.
Der Fall ist direkt. Der Ermittler, der nicht näher benannt wird, aber in staatlichen Diensten steht und wohl dem heutigen Äquivalent eines FBI Agenten entsprechen dürfte, soll eigentlich einen Falschgeldfall ermitteln. Letztendlich stößt er aber auf ein anderes Verbrechen, dass er mehr durch Zufall aufdeckt. Eigentlich ermittelt er gar nicht richtig, er will nur herausfinden, was es mit diesem einen irgendwie anders aussehenden Brief an XYZ auf sich hat, und im Laufe seiner Schnüffeleien wird er in ein schmutziges Familiengeheimnis reingezogen.
Nicht berauschend, aber sauber durchdacht und sehr gut nachvollziehbar geschrieben. Stilistisch durchaus ansprechend und atmosphärisch, dennoch kein wirklich packender Kriminalfall, denn hier wird kein Verbrechen aufgeklärt, es wird eher beobachtet und Kommissar Zufall ist zur rechten Zeit am rechten Ort um Zeugnis abzulegen.