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Dresden Revisited: Von einer Heimat, die einen nicht fortlässt

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Eine Liebeserklärung an die im Moment unbeliebteste Stadt DeutschlandsWie weit muss man weg gehen, um von seiner Herkunft nicht noch da eingeholt zu werden, wo man es am wenigsten vermutet? Wäre das heikle Wort Heimat der angemessenere Begriff? Oder wie soll man das nennen, wenn man sich ständig für eine Stadt rechtfertigen muss, in der man schon seit einem Vierteljahrhundert gar nicht mehr wohnt?Peter Richter arbeitet als Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung in New York und wirft in seinem Essay »Dresden revisited« einen Blick zurück auf seine Geburtsstadt, aber auch auf Deutschland generell. Denn gerade im Rückspiegel zeigt sich, dass das Image einer Heimat, wie bei einem Vexierbild, in sein Gegenteil umschlagen kann. Dresden ist so gesehen eine einzige Dem Selbstbild als beneidenswerte Symbiose von landschaftlicher Schönheit, Kunstsinn und international besetzten Forschungsinstituten steht vor allem im Westen der Ruf provinzlerhafter Traditionsversessenheit und einer fast schon notorischen Fremdenfeindlichkeit entgegen, und das nicht erst seit Pegida die Postkartenkulisse der Altstadt kapert. Was, wenn beides nicht falsch ist? Und was, wenn der Rest des Landes, selbst wenn er im Moment mit Dresden lieber nichts zu tun haben will, aus der Ferne gar nicht so viel anders wirkt?

Peter Richter schreibt aus einer Doppelperspektive. Er schaut seinen Landsleuten selbst noch vom New Yorker Schreibtisch aus in die aufgewühlte Seele. Gleichzeitig sieht er die Herausforderungen, vor denen Deutschland mit Flüchtlingskrise und Rechtspopulismus steht, bei seiner täglichen Arbeit im politisch heillos zerstrittenen Einwanderungsland USA oft schon vorausgespiegelt.

161 pages, Kindle Edition

Published August 29, 2016

9 people want to read

About the author

Peter Richter

41 books8 followers

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Community Reviews

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Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Steffi.
1,123 reviews272 followers
May 29, 2021
Wenn jemand schon im Untertitel Erich Kästner zitiert, fühle ich mich angesprochen. Kästner, der in Dresden Geborene und trotz Nazis und Schreibverbot in Deutschland Gebliebene, schrieb 1950 ein Gedicht mit dem Titel „Notwendige Fragen auf überflüssige Fragen“:

Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.
Mich läßt die Heimat nicht fort.
Ich bin wie ein Baum, der – in Deutschland gewachsen -
wenn‘s sein muß, in Deutschland verdorrt.


Und auch Peter Richter schätze ich seit Jahren, Deutsches Haus und 89/90 mochte ich sehr.

Auch hier lasse ich mich gerne auf seine Geschichten ein. Er zeigt ein differenziertes Bild der Stadt, bei dem die rechte Szene nicht ausgespart wird, aber eben auch die vielen andere Dresdens nicht vergessen werden. Er befindet sich dabei gleichzeitig in der Situation des in Dresden Geborenen, Aufgewachsen, Sozialisierten, als auch in der des Weggegangenen, der jetzt auch ein bisschen von außen auf diese Stadt schaut.

Das Ganze im bekannt pointierten Stil Richters. Dass immer wieder Schriftsteller und Künstler genannt werden, rundet mein Lesevergnügen ab.

Zum Ende hin vergleicht Richter – er war einige Zeit New York-Korrespondent – die Situationen in den USA und Dresden. Auch das ist interessant, auch wenn ich den Bewertungen des Autors nicht immer folge.

Aber das letzte Kapitel stimmt wieder versöhnlich:

Profile Image for Babette Ernst.
347 reviews82 followers
March 28, 2022
Ein Essay, den Peter Richter im Rahmen der Reihe „Dresdner Reden“ Anfang 2016 im Schauspielhaus vortrug, liegt hier in überarbeiteter und erweiterter Form als Buch vor. Es ist eine Zeit, in der Pegida bundesweit Schlagzeilen machte und, wie Richter schreibt, Dresden kein Ort der Herkunft, sondern eine Diagnose wurde. Richter schildert seine Wahrnehmungen, versucht sich an Erklärungsansätzen, beleuchtet Zusammenhänge und Hintergründe. Dabei nutzt er seine Erfahrungen, die er in Dresden 89/90 gemacht hat und die er schon im gleichnamigen Buch beschrieben hat, aber darüber hinaus nutzt er sein Wissen als Kunsthistoriker und bringt damit bisher noch nicht gehörte und sehr interessante Gedanken ein. Besonders beeindruckte mich der Vergleich eines Fotos von Protesten in Freital und dem Gemälde von Wolfgang Mattheuer „Der übermütige Sisyphos und die Seinen“. Es sind tatsächlich ähnliche Typen zu sehen mit einer ungeheuren Freude am Protest und der Provokation. Diese Gegenüberstellungen von Kunst und aktuellen Erscheinungen fand ich sehr stark.

Natürlich kann Peter Richter keine abschließenden Erklärungen liefern, warum Dresden immer wieder so besonders negativ auffällt. Aber seine Gedanken sind wichtig, gerade weil sie nicht absolut sind. Ein Kapitel beginnt mit „Einerseits. Andererseits.“ Dresden ist nicht homogen, sondern schon immer besonders kontrovers, aber auch Pegida ist, zumindest zum Erscheinen des Buches, nicht eine einheitliche Menge Gleicher. Mit Herabwürdigungen, ob es nun die Bezeichnung „Pack“ oder „Dunkeldeutschland“ ist, werden die Gräben nur vertieft, Zweifelnde verbittert und Gespräche verhindert. Damit passiert auf der Gegenseite von Pegida eigentlich etwas ähnliches - die undifferenzierte Zuschreibung von negativen Eigenschaften zu einer Gruppe, ob es Protestierende sind oder sogar die Einwohner einer Stadt oder eines Bundeslandes.

Da der Autor in der Entstehungszeit des Buches 2015/2016 in New York lebte, flossen viele Vergleiche zu New York, Amerika und der dortigen Einwanderungspolitik ein, auch das differenziert mit den beiden Seiten, die jede Medaille hat.

Wie oft habe ich inzwischen Fragen nach den Verhältnissen in meinem Wohnort beantworten müssen, oft mitleidige Blicke erhalten, und wie viele Gedanken habe ich mir zu den Ursachen gemacht, wie viele Artikel und Bücher gelesen. Da hatte es Peter Richter schwer, etwas Neues beisteuern zu können, zumal ich mit dem Lesen dieses Buches spät dran bin. Und doch schafft er es, vor allem mit seinen Verbindungen zur Kunstgeschichte, aber auch einigen anderen Aspekten, noch ein paar neue Gedankengänge beizusteuern in einem wundervollen Sprachstil. Und fast allem, was ich schon anderswo gehört oder gelesen hatte, konnte ich zustimmen. Manche Dresdner hätten nicht gehen sollen, sondern hier ihre Stimme erheben, vielleicht könnte das helfen.
Profile Image for Steffi.
52 reviews9 followers
February 4, 2017
Unbedingte Leseempfehlung!

Peter Richter, selbst in Dresden geboren und mittlerweile als Pressekorespondent in New York tätig, richtig hier, einfach ausgedrückt, den Blick auf seine Heimatstadt und Deutschland als Ganzes. Dabei beschäftigt er sich mit der aktuellen politischen Lage rund um die Flüchtlingsdebatte, das Aufblühen rechts orientierten Gedankenguts in der Bevölkerung, sowie der PEGIDA Bewegung. Diese Reflektion geschieht vorallem aus zwei Gründen. In der neuen Heimat New York wird der Autor des Öfteren mit seinem Heimatland konfrontiert und auf brisante Meldungen angesprochen. 'Was ist denn da los bei euch in Deutschland/Dresden?' ist ein viel gehörter Satz geworden. Darüber hinaus, wurde Peter Richter darum gebeten, in Dresden selbst eine Rede zu halten. So beginnt er also über seine Heimat und auch den Heimatbegriff als solchen nachzudenken. Durch das ganze Büchlein hinweg glänzt der Autor durch seine differenzierte Betrachtungsweise. Neben der durchaus teilweise romantisierten Verbundenheit zu seiner Geburtsstadt, setzt sich Richter kritisch mit Fremdenfeindlichkeit auseinander und zwar nicht nur Fremdenfeindlichkeit gegen Ausländer sondern auch gegen Mitbürger aus dem Westen. Er verweist dabei immer wieder auf die Ironie einiger Denkweisen ohne harsch oder angreifend zu werden. Peter Richter solidarisiert mit keiner der Extremen in dieser so aktuellen Debatte, versucht durchweg logisch, neutral und historisch fundiert zu argumentieren. Er verteufelt keine Individuen, sondern sieht die Menschen hinter den Massen und appeliert daran ihre Ängste wahrzunehmen und zeigt darüber hinaus auf, wie die beiden Extrempole sich gegenseitig beeinflussen und hochschaukeln. Besonders interessant ist dabei immer die doppelte Sichtweise, nämlich jene im Inneren und jene von Außen. Immer wieder tritt Richter einen Schritt zurück und formuliert Gedanken, die sich allgemein mit Heimat beschäftigen und mit den durchaus auch ambivalenten Gefühlen gegenüber der Heimat. Dies sind Gedanken, die jeder für sich auf seine eigene Herkunft übertragen kann, was das Buch zu einer Bereicherung für jeden Leser und nicht nur für Dresdner und Dresden-Interessierte macht. Für manch einen ein besonderes Schmankerl, stellen die zahlreichen Verweise auf Künstler und Schriftsteller und deren Wahrnehmung von Dresden durch die ganze deutsche Geschichte hinweg dar. Dies kann allerdings an der ein oder anderen Stelle auch anstrengend und etwas langatmig werden, wenn man mit besagten Künstlern und Werken nicht vertraut ist. Alles in allem ist das Buch dennoch eine kurzweilige Lektüre, die gleichzeitig nachhallt und vorallem zum Nachdenken anregt und zwar zum refliktieren Nachdenken auf einer Metaebene, die Emotionen und Temperament außenvor lässt.
Profile Image for Jasmin.
56 reviews
November 17, 2020
Es fing so gut an. Die ersten zwei Drittel habe ich viel gelacht und viel über Wahrheiten geseufzt, aber das letzte Drittel war denn nicht mehr so klar, worauf Herr Richter eigentlich hinaus will, alles war ein bisschen zu Amerika-überschwänglich (vielleicht ging das vor der T**** Präsidentschaft auch noch besser) und es gab mir den einen oder anderen Kommentar über Muslime/Geflüchtete zu viel, den man eben so und so verstehen konnte. Und leider einen transfeindlichen Satz, der den ganzen Rest des Buches bitter nachwirkte und damit nichts besser gemacht hat. Schade! Hundert Seiten dachte ich wirklich, das ist ein neues Lieblingsbuch.
Profile Image for Mark Swatek-Evenstein.
Author 1 book8 followers
November 26, 2016
leider entbehrlich. eine auseinandersetzung mit dem "gegen-sachsen-sein" ist halt so sinnvoll wie "gegen-sachsen-sein". immerhin, es gibt ein bisschen was über dresden zu lernen.
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