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Agentieller Realismus

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Mit ihrem Konzept des »Agentialen Realismus« findet Karen Barad seit einigen Jahren große Aufmerksamkeit, insbesondere unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich mit Diskursanalyse, Techniksoziologie und Gender Studies beschäftigten. Barads Anliegen besteht darin, das Denken über Sprache, Diskurse und Dinge auf eine radikal neue Grundlage zu stellen. In ihrem vielbeachteten Essay, mit dem nun erstmals ein Text Barads auf Deutsch vorliegt, plädiert sie ausgehend von epistemologischen Überlegungen des dänischen Physikers Niels Bohr dafür, die Grenzen zwischen den Objekten, unseren Instrumenten, der Sprache und den menschlichen Beobachtern neu zu vermessen.

122 pages, Paperback

Published March 12, 2012

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About the author

Karen Barad

20 books158 followers
Karen Michelle Barad (born 29 April 1956), is an American feminist theorist, known particularly for their theory of Agential Realism. They are currently Professor of Feminist Studies, Philosophy, and History of Consciousness at the University of California, Santa Cruz. They are the author of Meeting the Universe Halfway: Quantum Physics and the Entanglement of Matter and Meaning. Their research topics include feminist theory, physics, twentieth-century continental philosophy, epistemology, ontology, philosophy of physics, cultural studies of science, and feminist science studies.

Barad earned their doctorate in theoretical physics at Stony Brook University. Their dissertation presented computational methods for quantifying properties of quarks, and other fermions, and in the framework of lattice gauge theory.

(from Wikipedia)

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Displaying 1 of 1 review
Profile Image for xen o.
12 reviews
August 5, 2026
wie so viele philosophisch akademische literatur leidet auch diese hier unter einem gewissen jargon einerseits, und einem etwas neurotischen "abarbeiten" an philosophischen texten anderer autor'*innen andererseits (anstatt darauf abzuzielen einem publikum einfach möglichst verständlich die eigenen ideen nahezubringen).
die ideen sind halt, wohl oder übel, mit dem diskurs rund um butler, foucault, derrida usw verflochten, und ja, ich bin mir recht sicher dass ein resultat davon ist, dass die präsentierten ideen bei weitem nicht in der simpelst möglichen form darliegen.
Stattdessen werden halt überdurchschnittlich die interessen der akademisch-philosophischen klasse befriedigt, denn FÜR DIE ist es sehr interessant bis wichtig zu wissen an welchen diskurs die theorie wie andockt.
aber für den allgemeinen leser halt nicht.

ich gebe jedenfalls trotzdem 5 sterne, denn trotz allem sind die hier dargebotenen ideen, wenn man ein bisschen mit ihnen struggelt und sekundärliteratur oder google zur hilfe zieht, seeeehr nice und ganz gut dazu geeignet das eigenen denken etwas zu revolutioniern. und das ist ja das beste was philosophie machen kann.

die große stärke dieses buches ist die ontologie, bzw. epistemologie, bzw. verflechtung von beidem. es ist einfach, vorallem für mich als physiker, eine wahnsinnig befriedigende und in der quantenmechanik schön fundierte aufdröselung davon, was eine materialistische ontologie sein könnte, unter dem gesichtspunkt der qm und des poststrukturalismus (dh einer kritischen perspektive gegenüber absoluten wahrheiten und exakten repräsentationen und vermeindlich gesellschaftsfreien aspekten des lebens).

das ist geilo und würde ich jedem empfehlen. ich sehe darin nicht zuletzt eine erfrischende alternative zum marxismus (minus dem teleologischen aspekt - insofern vllt eine poststrukturalisierung von marx, abwohl marx garnicht erwähnt wird).
denn letztlich ist die idee des materiell-diskursiven garnicht soweit vom materieller dialektik entfernt. aber es ist einfach eine frische art zu reden, kommt nicht von marx (dummer personen kult), betont andere dinge und ist vorallem quantenmechanisch und poststrukturell informiert, was marx nie sein konnte. ersteres ist halt extrem wichtig für jeden materialismus, zweites für jede epistemologie und gesellschaftstheorie.


den großen schwachpunkt würde ich nicht in etwas falschem, sondern einfach in etwas verschwiegenem sehen:
1. die ethik ist etwas leer, ethik wird quasi mit "verbindung" und dadurch verantwortung gleichgesetzt. aus einer verantwortlichkeit die aus einer nicht getrenntheit entsteht kann ich aber noch keine ethik machen, ich brauche erst eine art orientierung, irgendetwas mit dem ich das jeweils gegebene ableichen kann, um dort anzusetzen und dann zu helfen die intentionalität mithilfe der orientierung in eine bestimmte richtung zu lenken. ums ganz plump zu sagen brauchen wir irgendeine vorstellung von gut oder schlecht. soetwas wird hier noch nicht einmal im ansatz kritisch besprochen, es wird einfach garnicht besprochen. das macht für mich leider keine ethik. aber es hilft die von mir mitgebrachte ethik, die von den leser*innen mitgebrachten werte mit barads verantwortungsmodell zu verflechten.
2. posthumanismus ist schön und gut, aber insbesondere wenn man anfängt epistemologie zu machen und ethik, muss man schon auch irgendwie über die innenperspektive des subjektes reden, muss man irgendwie über menschliche und andere tierische subjekte reden. es muss einen sinn dafür geben, dass wir letztlich die welt in unseren köpfen auf bestimmte art und weise wahrnehmen, dass dort, ob wir wollen oder nicht, letztlich auch der ganze wert des lebens herkommt (denn nur die tatsache dass unser leben verschiedene qualitäten haben kann ist die basis dafür, dass nicht eben alles egal ist, sondern dass es wert in der welt gibt ["wir" ist hier posthumanistisch zu verstehen lol]).
dort liegt damit auch die quelle einer jeden ethischen betrachtung, und soziale ethik wird halt erst daraus, indem man die verflechtung betrachtet. aber der erste teil ist essenziell und wird hier total missachtet. außerdem werden die epistemologischen besonderheiten komplexer biologischer subjekte nicht betrachtet. in der reduktion der epistemologie auf materielle zusammenhänge (was based und wichtig ist), geht aber auch verloren, was denn jetzt speziell ein biologisches subjekt, dass ja trotzdem, wenn auch nicht isoliert für sich, existiert, nun an erkenntnisprozessen hat. wie entsteht denn auf menschlicher ebene erkenntnis? auch das ist wichtig um letztlich eine handfeste ethik abzuleiten, eine die der menschlichen praxis im alltag gerecht werden kann, eine die mich als mensch mit körper und gehirn anspricht. und auch das wird leider versäumt.
Und da ist es halt schon auffällig dass zb. schopenhauer da deutlich mehr dazu zu sagen hatte und auch geleistet hat mit seiner ethik des mitgefühls. das kann ja nicht sein, dass wir da 150 jahre später immernoch nicht weiter sind und nicht einmal bezug darauf nehmen.

wie gesagt trotzdem fünf sterne denn die kritik ist weniger etwas was der baradschen theorie entgegengeht, sonder eher etwas was offengelassen wird (böse zungen sagen teilweise auch verschleiert, wo wir wieder beim jargon sind). ich kann den agentiellen realismus daher als hochgradige 1A ergänzung meines weltverständnisses sehen, eine weitere grundlage um weiteres denken darauf aufzubauen. auf garkeinen fall darf man dort stehen bleiben.

ich freue mich bald barads volles buch lessen zu können.
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