Die unter dem Titel "Das obszöne Werk" (deutsch erstmalig 1972 bei Rowohlt) zusammengefaßten Erzählungen Batailles apostrophierte Susan Sontag als "Kammermusik der pornographischen Literatur". Für die neuere intensive französische Rezeption Batailles - für Roland Barthes, Michel Foucault, Pierre Klosowski oder Philippe Sollers - gehen seine erotischen Schriften bei weitem nicht in diesem Genre auf. Bataille faßt die Wahrheit der Erotik tragisch: im bewußten Gegensatz sowohl zur gesellschaftlichen Verdammung wie zur hygienischen Sterilisierung der Sexualität identifiziert er sie mit dem Schrecken, dem Entsetzen, dem Tod.
French essayist, philosophical theorist, and novelist, often called the "metaphysician of evil." Bataille was interested in sex, death, degradation, and the power and potential of the obscene. He rejected traditional literature and considered that the ultimate aim of all intellectual, artistic, or religious activity should be the annihilation of the rational individual in a violent, transcendental act of communion. Roland Barthes, Julia Kristeva, and Philippe Sollers have all written enthusiastically about his work.
...und zwar "Die Geschichte des Auges": Ein Teenagerpärchen entdeckt die Lust, doch es bleibt nicht bei Fummeleien allein, denn schnell gesellen sich diverse Kinks dazu. Der Erzähler und seine Cousine vergnügen sich auf Orgien, Körperflüssigkeiten und -teilen... ja, es wird pervers, und zwar so richtig. Doch Bataille schreibt sich hier diverse Kindheitstraumata von der Seele und das Ergebnis beeinflusst und inspiriert Kunstschaffende bis heute - eine faszinierende, dennoch sehr verstörende Erzählung. Mehr zur "Geschichte des Auges" in unserer ausführlichen Besprechung @ Papierstau Podcast: #317: Perverse Perversitäten Deluxe
Wahrscheinlich eines der einflussreichsten Bücher bisher, Bataille versucht sich immer näher an den Exzeß heranzuarbeiten und auch wenn dieser Versuch zum Scheitern verurteilt ist, bleibt der Weg den man mit ihm gehen kann (trotz seines Alters) so ungewöhnlich und inspirierend, dass dieses Buch in jeden Bücherschrank gehört, der keine Angst vorm Erschrecken vor sich selber hat.
Naja. Ich fand mit der "Geschichte des Auges" und "Madame Edwarda" zwei der Werke mehr (die mit dem Auge) oder weniger gelungen und hatte zumindest bei denen das Gefühl, dass doch deutlich mehr hinter den Obszönitäten steckt. Die drei anderen, vor allem die längste "Meine Mutter" fand ich unnötig edgy und thematisch banal. Am besten allgemein da wo die Texte ein thematisches Feld zwischen Erotik, Gewalt, Tod und Psychoanalyse aufspannen.
Vor allem die Geschichte des Auges sehr lesenswert, auch wenn die Übersetzung nicht immer rund war und wegen der zu wörtlichen Übersetzung von 'cul' ein paar anatomisch unfreiwillig komische Szenen zustandekommen. Das letzte Kapitel macht aber echt noch einmal so spannende Interpretationen und Themen auf, dass es sich zu lesen lohnt.
Alles in allem lohnt es sich echt nicht, würde nur wegen der Geschichte des Auges auch eher 2.5/5 sehen.
Genitalien mit Kraken vergleichen ("Madame Edwarda" und "Meine Mutter") sollte einfach kein Ding sein
Eine besondere und eher unangenehme Leseerfahrung damals. Ich lieh mir das Buch aufgrund eines Hinweises eines Dozenten aus. Ja, es ist obzön und es provoziert; und es werden Grenzen überschritten. Erotik wird mit Schrecken und Tod auf schockierende Weise verbunden. Es ist aber zugleich surrealistisch, alles ist irgendwie mehr Metapher als reales Geschehen. Die Handlung von "Die Geschichte des Auges"gipfelt die in einem Priestermord, der wie eine Schwarze Messe zelebriert wird. An "Madame Edwarda", die andere Erzählung. Ich habe ich keine klaren Erinnerungen.
Schwierig, das letztlich zu bewerten. Vor allem braucht es Kontext aus Batailles anderen und theoretischen Schriften. Schlüsselfrage: Stimmt es wirklich, dass sich "der Neurotiker dem Grunde des Seins nähert, welcher dem Normalen verschlossen bleibt"?
Hmm also für mich ist das ein pseudointellektueller Porno, das mit den Eiern fand ich sehr spannend, würde diese Aktivität auch selbst verfolgen, wenn ich nicht vegan wär:)
Sehr schmutziger Start, später dann der philosophische Unterbau. Dauerschocker wären auch schnell öde geworden. Meine Mutter ist die stärkste Erzählung.