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368 pages, Paperback
First published January 1, 1975
Ich war nicht sonderlich überrascht, als sich herausstellte, daß der erwähnte Chirurg nicht nur nicht der Leibchirurg des Königs war, sondern, wie er lachend einräumte, nie auch nur ein einziges Mitglied der königlichen Familie kennengelernt hatte. In den Staaten ausgebildet, war er schlicht Chirurg bei der thailändischen Armee.
Er war mir aber trotzdem sehr sympathisch.
Die Operation ging unter provisorischen, um nicht zu sagen primitiven Bedingungen vonstatten; ich machte mir mehr Sorgen um mein Herz als um diesen angeblichen Brustkrebs und hielt während des ganzen Eingriffs mein Fläschchen mit Nitroglyerzerintabletten umklammert. Die Wirkung der Lokalanästhesie ließ während der Operation nach; das Ganze dauerte etwa eine Stunde, und der histologische Befund lautete auf Gynäkomastie – eine recht häufig auftretende Vergrößerung der männlichen Brustdrüse bei Leberschädigung durch vorhergehenden Alkoholmißbrauch.
In der Klinik war kein Zimmer für mich frei. Unmittelbar nach der Operation trank ich einen kräftigen Schluck Sherry und ging dann mit einer kleinen Gesellschaft von Thai-Jünglingen ins beste Restaurant der Stadt, wo wir uns zur Feier des Tages an Steak au poivre und einheimischem Wein gütlich taten.
Mein restlicher Aufenthalt in Bangkok war ein Traum, den ich eines Tages wieder zu träumen hoffe. Ich wünschte, es stünde mehr Raum zur Verfügung, um seine exotischen Wonnen eingehender zu preisen!
Dann kehrte ich über San Francisco in die Staaten zurück und las zum ersten Mal im Leben meinen Namen in Schlagzeilen, die etwa wie folgt lauteten: „Tennessee Williams scherzt über Krebs und Tod“. Im weiteren Text hieß es, ich sei „hässlich, elegant und arrogant“.
All das ist fünf Jahre her, und nun suche ich nach einem guten Vorwand, wieder nach Bangkok zu reisen. Kann sein, daß ich bereits einen gefunden habe – jedenfalls wird es dieses Mal keine Operation sein.