Eine Freundschaftsanfrage per Facebook. Sie kommt von Irma. Die hat der Erzähler zuletzt vor 30 Jahren gesehen. Und alles begann und endete mit einem Zettel auf dem Küchentisch. Derart angestoßen, beginnt er sich zu erinnern: an zwei verwirrte junge Menschen, erotische Suchbewegungen, Niederlagen anderer Art, Missbrauchserfahrungen, Reisen in die Welt: Ein ganz und gar eigensinniger, sprunghafter, komischer, sehr unterhaltsamer und zugleich verstörender Versuch über Vergänglichkeit und Erinnerung, über das, was zurückschaut, wenn man autobiographisch hinter sich blickt.
Es fing sehr gut an, nach der Hälfte wollte ich dringend weiterlesen, musste aber eine Pause bis zum nächsten Tag machen. Leider enthält die zweite Hälfte dann überwiegend das, womit ich eigentlich auch schon in der ersten gerechnet hatte: Anekdoten, Bandnamenaufzählungen, was-ich-mag, was-ich-hasse, die letzten paar Kapitel habe ich nur noch überflogen. Ich glaube, auf einer der letzten Seiten steht genau das, und dass es Absicht ist, aber das macht es auch nicht besser.
It was alright, nothing groundbreaking but also not too bad. I liked that it's told in fragments and enjoyed the musings on art, music and culture in general. I was feeling pretty indifferent towards the Narrator and that's probably why I never really connected to the story, although I do think the writing style is quite well done and provides some beautiful lines
Mir fehlte ein roter Faden. Neben ein paar hervorragenden Passagen, gibt es wenig was mur gefiel. Das Buch ist meiner Meinung nach eher eine Sammlung an Kurzgeschichten.
Bin bei diesem Buch sehr zwiegespalten - einerseits sind hier wirklich grenzgeniale Passagen zu finden, sprachlich sehr einprägsam & originell, andererseits sind mir aber manche Charaktere und Ereignisse zu skurril und absurd, sodass der Text ein Problem mit der Glaubwürdigkeit hat. Tex Rubinowitz mäandert durch seine Lebenserinnerungen, beschreibt mal dies und mal jenes, scheinbar ohne irgendeinen roten Faden. Das passt zwar gut zum Ich-Erzähler (Tex?), aber es muss einem als LeserIn nicht unbedingt gefallen. Dann aber wieder sind Lebensweisheiten eingeschoben, die es beinah unmöglich machen, Text und Autor nicht zu mögen.
"Es gibt Menschen, die stehen sich selbst im Wege. Sie können das nicht ändern, es ist ihr Wesen, sie verzweifeln daran, sie brauchen die Vergangenheit, als Rückzugsgebiet und um sich in der Gegenwart zu definieren und zurechtzufinden, sie bauen sich aus Teilen der Vergangenheit eine bessere Vergangenheit, lügen sich um, um überhaupt bestehen zu können, sie können nicht anders. Ich dagegen stehe mir aus freier Entscheidung im Weg, ich bin gerne umständlich, ich ziehe Lebensfreude daraus. Effizienz bringt mir nichts, bei Logik schlafe ich ein, führt ja auch zu nichts, ausßer zu einer billig zu habenden Befriedigung. Umwege sind die besseren Wege ins totale Verschwinden. Und Fehler, ich liebe Fehler. Wenn es so etwas wie Google Translate fürs Leben gäbe, dann würde ich mein Leben in ein anderes Leben übersetzen, vielleicht in ein litauisches, dabei kommt natürlich wie beim echten Google Translate etwas Fehlerhaftes heraus und dann zurück ins Deutsche, die Fehler werden durch neue Fehler potenziert, man kann immer so weitermachen und entfernt sich immer mehr von der Wahrheit und dem ursprünglichen Ich [...]" (208f.)
03.05.2015 Nach Arno Geiger Tex Rubinowitz - ich bin gespannt ob mein Lesespagat wirklich so viel Kopfdehnung verlangt. wie ich mir das jetzt vorstelle. 05.05.2015 Ja, da war schon ein geistiger Spagat erforderlich. Ein wenig geübt in rubinowitzlesen bin ich ja schon. Rumgurken war für einen hygienischbigotten Leser wie mich, schon eine Herausforderung. Dagegen ist Irma praktisch desinfizierte Schonkost. Also ein Liebesroman ist das nicht - vielmehr nutzt Tex, nach einer kurzen Nichtbeziehungseinleitung, die leeren Seiten um wild daher zu fabulieren - und das macht er großartig. Ein bisserl abartig, zumindest phasenweise, aber so schräg und amüsant wie selten ein Autor. Ist das Literatur? Ist mir egal, um diese Abgrenzugen sollen sich andere bemühen. Nach Rumgurken bin ich ja schon ein wenig abgehärtet, und kann mich besser auf seine biographisch und nichtbiographischen Erfindungen einlassen. Schon ein Lesetipp, aber nicht für jeden Leser!
"Einmal überraschte ich ihn dabei, wie er im Bett einen ganzen Camembert aß, pur, mit ohne alles, er biss in ihn wie in einen Apfel..." 4 Sterne für Sätze wie diese. In der Mitte des Buches habe ich mich manchmal ein bisschen gelangweilt. Zu viel vom Immer-Ähnlichen. Vielleicht auch nur, weil ich vor 1000 Jahren ähnlich gereist bin - durch die Lande, durch das Leben. Die skurrilen Geschichten, die "Liebesgeschichten" - so oder so ähnlich oder ganz anders war es. Trotz der kleinen Langeweile in der Mitte: 4 Sterne. Den vierten Stern vergebe ich aus Sympathie für den erfrischenden Auftritt des Autors in Klagenfurt.
Eine Kurzgeschichten- oder Anekdotensammlung, irgendwie zu einem Gesamtwerk laminiert. Im Schlusskapitel dann auch vom Erzähler so thematisiert, ironisch, halbernst, vielleicht gehts so auch nochmal durch drei weitere Wechselschichten durch.
Wie diese Stehste-Drüber-kann-so-kann-auch-so-sein-Erzähler mir doch mittlerweile ziemlich abgerantzt vorkommen, so dass ich mich schon frage, was jetzt der besondere Kick daran letztes Jahr in Klagenfurt war (Wahrscheinlich: gut gelesen, weil gut lesbar, aber).