Bücher über die Geschichte Großbritanniens gibt es natürlich reichlich. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf dieses spezielle Werk gekommen bin, jedenfalls nicht über die zu Grunde liegende Geschichtsdokumentationsreihe der BBC, die habe ich nie gesehen. Simon Schama ist mir jedoch als in den Medien präsenter, renommierter und einflussreicher Historiker bekannt, ich folge ihm auch auf Twitter. Was mich wohl besonders gereizt hat an dem Buch, war die Zeitangabe 3000 BC. Wer mich kennt, weiß, je älter, desto mehr interessiert es mich.
Wie das aber so oft in epochenübergreifenden Geschichtswerken ist, kommt auch hier die Vor- und Frühgeschichte für meinen Geschmack etwas zu kurz. Schon auf Seite 63 beginnt das Kapitel über die normannische Eroberung. Ich wusste schon einiges über britische Geschichte, das Buch war jedoch gut geeignet, um mein Wissen aufzufrischen und zu erweitern, um die verschiedenen Könige und ihre Familienzugehörigkeiten aufzudröseln. Schama stellt auch einige Thesen auf, die mir bisher nicht bekannt waren. Interessant fand ich etwa, dass der Schwarze Tod im 14. Jahrhundert direkte Auswirkungen auf die Gesellschaftsstruktur und die Entwicklung hin zu mehr Demokratie hatte, und zwar weil so viele Arbeitskräfte fehlten, dass die Arbeitgeber gezwungen waren, bessere Löhne zu zahlen.
„A momentous change was under way in the villages of England, Wales and Scotland. The balance of economic power was shifting dramatically and, for once, it favoured the people and not the lords. Before he, too, died from the plague, the reeve of Farnham complained that the harvest was costing twelve pence an acre to bring in – double the pre-plague rates. Labour was thin on the ground now, and it was beginning to charge accordingly. … King Death, was, then, an unlikel liberator, shaking up the old social hierarchy in the countryside and rearranging the relationship between the powerful and the powerless“ (Seite 204-205).
Die Informationsdichte des Buches ist schon sehr hoch, ich konnte es nicht so schnell lesen, wie ich erhofft hatte, aber das ist bei einem Werk, das einen so großen Zeitraum abdeckt, auch nicht wirklich anders zu erwarten. Was ich ansonsten noch zu kritisieren habe, ist der Fokus auf England, Schottland und Wales kommen für meine Begriffe etwas zu kurz. Die Geschichte dreier Länder über einen so großen Zeitraum hinweg abzudecken, ist wohl einfach etwas zu ambitioniert. Hier wäre eine weitere Aufteilung in zwei Bücher für mein Dafürhalten sinnvoll gewesen. Das Buch endet mit dem Tod von Elizabeth I. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Folgebände auch lesen werde. Mein geschichtliches Interesse betrifft wie bereits erwähnt eher ältere Epochen. Ich kann mir allerdings durchaus vorstellen, eventuell andere Werke von Simon Schama zu lesen.