Tracy Pringle ist 20, wohnt noch bei ihren Eltern in einer trostlosen Hochhaussiedlung in England und sitzt an der Supermarktkasse, wo sie hoffnungslos unterfordert ist und sich die Zeit damit versüßt, in ihrer Phantasie die Kundschaft in Berühmtheiten zu verwandeln. Eines Tages kosten ihre Träumereien sie den Job, und sie muss sich nach etwas anderem umsehen. Dabei stößt sie auf ein Schild im Fenster eines persischen Restaurants, und trotz anfänglicher Skepsis lädt der Besitzer sie zum Probearbeiten ein - und ist begeistert von Tracys fotografischem Gedächtnis.
Sam, eigentlich Saaman, ist vor Jahren aus dem Iran nach England gekommen und hat zum Leidwesen seines Vaters, eines Metzgers, das vegetarische Restaurant eröffnet, in dem Tracy nun arbeitet. Sie ist fasziniert von ihm und von seinen Lebensumständen: er lebt mit zwei Frauen und vier Kindern zusammen!
Irgendwann kann sich Tracy Sams Ausstrahlung nicht mehr entziehen und schockiert ihre Familie mit der Einwilligung, Sams dritte Frau zu werden, zumal sie sich auch mit den anderen beiden Damen bestens versteht. Doch die Außenwelt hat Bedenken, allen voran das Jugendamt, das seelischen Schaden für die Kinder befürchtet ...
Ein originelles Thema, die aus fremden Kulturkreisen "eingewanderte" Polygamie, wird hier in einer ganz speziellen Ausprägung geschildert, ein eigenartiges, für Außenstehende schwer nachvollziehbares Arrangement zwischen Sam, den drei Frauen und den Kindern, das bei den zuständigen Behörden Besorgnis und bei Ausländerfeinden, darunter Tracys Exfreund, Hass und Abscheu erregt, was zu einer dramatischen Zuspitzung der Situation führt.
Leider muss ich sagen, dass ich mir von dem Buch zumindest in emotionaler Hinsicht mehr erwartet hätte. Tracys Gefühle blieben mir die ganze Zeit über fremd, und die Art, wie sich ihre Beziehung zu Sam entwickelt, wirkt ziemlich konstruiert, als beschlösse sie eines Tages einfach, sich nun auch in ihn zu verlieben, weil sie ihn und seine beiden Frauen mag. Hier fehlt es an Glaubwürdigkeit und Authentizität, die dem Autor durchaus gelingen kann, etwa bei der Beschreibung des öden, maroden Hochhauses, in dem Tracy lebt. Auch die Rassisten waren mir zu klischeehaft und platt dargestellt.
Gute Ansätze und ein ganz ordentlich gelungener Schluss, aber große Schwächen in der Figurenzeichnung.