Francis Bacon wäre im Oktober 2009 hundert Jahre alt geworden – Anlass genug, sein Werk und die überragende Bedeutung seines Schaffens für die Kunst des 20. Jahrhunderts mit einer Anthologie zu würdigen. Über Jahrzehnte inspirierte Bacons Werk Intellektuelle, Schriftsteller, Kuratoren, Philosophen und Kunstwissenschaftler zu Stellungnahmen, die zwischen Verstörung und Begeisterung schwanken. Sein Lebenswandel – von den Zeitgenossen als skandalös empfunden – sorgte ebenfalls für reichlich Stoff (es existieren mehrere Biografien und Filme über sein Leben). Und nicht selten wird Biografisches zur Ausdeutung seiner Gemälde herangezogen.
Dass Bacon auch ein sehr nachdenklicher Künstler war, belegen die von ihm gewährten Gespräche und Interviews. Sie zählen zu dem Interessantesten, was aus Künstlersicht veröffentlicht wurde. Kritiker und Kuratoren haben nahezu jeden Aspekt seines Schaffens über fünf Jahrzehnte ausgeleuchtet und waren dabei stets den Moden ihrer Zeit unterworfen. Einblicke in Leben und Werk gewähren u.a. so unterschiedliche Autoren wie Gilles Deleuze, Marguerite Duras, Michel Leiris, Fritz J. Raddatz und David Sylvester. In chronologischer Reihenfolge sortiert entsteht eine Rezeptionsgeschichte, die als Einführung in Bacons Werk dienen kann und gleichzeitig die unterschiedlichen Fragestellungen der Kunstwissenschaft über ein halbes Jahrhundert nachzeichnet.