Was hat ein Weihnachtsstollen mit diesem Buch zu tun?
Das Thema? Schon, aber nicht nur.
Auf einem Weihnachtsstollen liegt immer eine ganz dichte Schicht Puderzucker. Die einen mögen das und die anderen nicht. Dieses Buch war so überzuckert, dass man beim Lesen Angst haben musste, Karies zu bekommen. Aber die Schmerz- bzw. Geschmacksgrenze scheint da, wie schon bemerkt, sehr zu variieren, denn wie heißt es auf dem Buchrücken:
"Nicht schnulzig, sondern richtig schön romantisch, schließlich ist bald Weihnachten."
Da hat jemand wohl ein anderes Buch gelesen?
Was mir als erstes auffiel, war die Vorhersehbarkeit. Ich dachte mir bloß: das wird nichts, das wird nichts, die kriegen sich, die kriegen sich nicht und das wird passieren. Alles! Wirklich alles ist so eingetroffen. Mir war sogar sofort klar, was mit Emily los ist.
Die Protagonistin Thea ist komplett dumm, blind, naiv, mit dem Klammerbeutel gepudert. Dieses darum-geht-das-nicht ist wirkt extrem konstruiert. Wie kann man seinem Leser als Autor zumuten, das nicht sofort zu durchschauen.
Thea ist nicht 8 Jahre, sodass man ihr solche Naivität nicht mehr nachsehen kann. Aber eventuell stimmt etwas mit Judy Astleys Wahrnehmung nicht? Allein wie sie das Thema Wetter umsetzt, war sehr unrealistisch. Auch wenn es in Cornwall so milde Winter gibt, wie inzwischen auch in Berlin, heißt das noch lange nicht, dass die Menschen noch nie von Schnee gehört hätten. Aber vielleicht hat Judy Astley ja wirklich noch nie Schnee erlebt. Ich weiß nur eines, wenn ich am Strand einen Schneemann bauen würde, wäre der sandig, weil er allen Sand mitnimmt. Nur mal so.
Oder die Muskatnuss! Keine Ahnung, wo sie das gelesen hat, aber als Halluzinogen habe ich die noch nie empfunden und ich benutze sie sehr gerne in meiner Küche. Man reibt etwas davon in die Suppe, doch so wie sie da ran geht, entsteht ein völlig verdrehtes Bild. Und so ist das mit allem möglichen. Ich konnte es auch nicht so betrachten, dass würde die Autorin ihre Figuren so handeln lassen wollen. Nein, sie erweckte den Eindruck bei mir, dass sie selber die entsprechenden Defizite hat. Bei ihren Figuren macht sie einfach nur adäquate Abstriche entsprechend ihres- der Autorin - eigenen Vorstellungsvermögens (logisch) und schon passt es.
Warum ich trotzdem drei Sterne gebe liegt daran, dass ich bemüht bin, genregerecht zu beurteilen. Und dieses Buch ist ein typischer Schnulzenroman. Nur weil ich das nicht lese, heißt das nicht automatisch, dass er für andere auch schlecht sein muss. Darum habe ich nur Dinge kritisiert, die damit nichts zu tun haben und dabei meine persönliche Messlatte niedriger gelegt. Andere erfreuen sich ja an dieser ganzen fluffigen Roman-Zuckerwatte.