Antonio Gramsci gehört heute zu den nach Dante weltweit am meisten zitierte italienischen Autoren. 1926 als politischer Gegner des faschistischen Regimes verhaftet, brachte er im Gefängnis ein Werk von über zweitausend Druckseiten zu Papier. Diese sogenannten Gefängnishefte gehören zum Interessantesten, was im 20. Jahrhundert über Geschichte und Literatur, über Politik, Philosophie, Religion und Emanzipation geschrieben worden ist. Die vorliegende Einführung stellt sie in den Mittelpunkt, gibt aber auch Einblicke ins Frühwerk und die Biografie des sardischen Denkers, Politikers und Mitbegründers der kommunistischen Partei. Zudem bietet der Band Ausblicke auf wissenschaftliche Felder wie Cultural Studies und Internationale Politische Ökonomie, für die Gramsci zum Anreger und modernen Klassiker geworden ist.
Super interessant und holistisch, aber nicht als einführung geeignet. Ohne mein Vorwissen hätte ich die wesentliche Konzepte nicht so begriffen. schon echt häufig bei junius den eindruck gehabt. glaube die könnten besser lektoriert werden.. wirklich
Das Buch bildet eine übersichtliche und präzise Einführung in die Theorien des italienischen Sozialisten.
Auf ca. 170 Seiten wird in das politische Denken Gramscis eingeführt und eine Übersicht über seine Grundbegriffe (Hegemonie, Alltagsverstand, Zivilgesellschaft etc.) gegeben. Selbstverständlich kann diese Lektüre einem Autoren wie Gramsci, in all seiner Differenziertheit und seinen dialektischen Ausführungen, nicht gerecht werden. Sie bildet jedoch einen guten Einstieg und motiviert zur weiteren Auseinandersetzung. Dabei werden auch aktuellere Weiterentwicklungen und der Einfluss von Gramscis Denken nicht außer Acht gelassen. Als Einführung super geeignet. Alles, was eine gute Einführung haben sollte - wie man es vom Junius Verlag gewohnt ist.
Einziger Kritikpunkt meinerseits: Bei einigen Begriffen (z.B. "Subalternität"), die von Beginn an eine Rolle spielen, wird erst relativ spät im Buch erläutert, wie und warum Gramsci sie gebraucht.
Ansonsten kann ich die Lektüre jedem ans Herz legen, der noch nie Gramsci gelesen hat und hier einen Anfang machen will. Auch erfahrene Gramsci-Leser dürften hier ein interessantes Buch vorfinden, auch wenn für sie wohl wenig neues darin zu lesen ist.
Inhaltlich sehr interessant und mit guten Kontextualisierungen, ABER: Leider musste (wenigstens ich) manche Absätze mehrmals lesen, weil ein Satz gerne mal über 7 Zeilen geht. Bei einem Einführungswerk würde ich mir da einen angenehmeren Lesefluss wünschen - auch bei hochkomplexen Themen. (Ja, das geht!) Andere fachliche Anknüpfungspunkte sind zwar auch sehr spannend und haben Manches für mich sogar eingängiger gemacht, aber zum Teil gab es für mich auch zu viel Exkurs und zu wenig Konzentration auf Gramsci. Auch wenn ich das verstehen kann - auch mir fällt es manchmal beim Schreiben schwer, nicht noch zehn Querverweise auf Texte und Konzepte zu machen, die man gut mit dem Gemeinten verbinden kann - ich hätte mir stellenweise mehr Gramsci und weniger Einordnung in spätere Theorien gewünscht.
Trotzdem insgesamt noch solide, für mich. Aber ich studier auch Kulturwissenschaften. Und Italianistik.