In wenigen Kontexten sind Begriffe so in Bewegung wie im Zusammenhang von Trans* – der aktuelle Überbegriff für ganz unterschiedliche geschlechtliche Lebensweisen und Selbstbezeichnungen, wie zum Beispiel Transsexualität, Transgender, Transidentität, Drag oder Cross-Dressing. Trans* umfasst Personen, die sich nicht oder nicht eindeutig als Frau oder Mann verstehen, ebenso wie Personen, die sich als Frau oder Mann, aber gar nicht unbedingt als trans* beschreiben würden. Welche Probleme ergeben sich, wenn ein Überbegriff dominant wird? Wie werden interne Differenzen verhandelt? Und wie ist das historisch einzuordnen? Diese und weitere Fragen werden in dem Buch aufgeworfen, um die ebenso unterschiedlichen wie komplexen Lebensrealitäten von Menschen sichtbar zu machen, die gegenwärtig unter dem Begriff Trans* zusammengefasst werden. Es wird eine offene Perspektive angeregt, die Differenzen wahrnimmt, ohne sie gegeneinander auszuspielen. Kern dessen ist eine Kritik an Transfeindlichkeit, die vielfach die Selbstverständnisse von Menschen abwertet und aberkennt. Paradoxerweise passiert dies sowohl mit dem Verweis auf vermeintliche biologische Tatsachen als auch mit der Feststellung, Geschlecht sei sozial konstruiert.
Zita Grigowski studiert nach ihrem Abschluss in Sozialer Arbeit (ASH Berlin) Soziokulturelle Studien an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), wo sie am Lehrstuhl für Vergleichende Kultur- und Sozialanthropologie spätmoderner Gesellschaften arbeitet (2015). Ihre Forschungsschwerpunkte sind Poststrukturalistische Kultur- und Sozialwissenschaften, transdisziplinäre Perspektiven auf Körperlichkeit, die Birmingham School of Cultural Studies, Trans Studies und angloamerikanische Feministische Theorie. / Zita Grigowski ist zu erreichen über die Mailadresse trans_fiction[ad]web.de
3,5 * - Viele Gedankenanstöße zum Umgang mit Trans*. Dafür werden unzählige (auch historische) Ansätze und Theorien zusammen gebracht, Widersprüche deutlich gemacht und die Vereinnahmung durch Queer Theory (speziell von Transsexualität) kritisiert. Leider ist das alles auf 70 Seiten so verdichtet, dass es selbst für Theoriebelesene schwer ist, allen Gedanken zu folgen. Das optimistische Schlusskapitel überrascht etwas - motiviert aber weiter Fragen zu stellen.