Zelten – da denkt man an Sommerurlaub, romantische Abende am See, an Lagerfeuer, Luftmatratzen und Grillwürstchen. Vielleicht noch an Mücken. Was aber, wenn das Zelt zum Schlafplatz im Alltag wird? Und zwar über Herbst und Winter hinweg, bei Wind und Wetter, über 200 Nächte am Stück? Wigald Boning probiert es aus. Er sagt Matratze und Federbett ade und schläft draußen: auf Campingplätzen und in Flussbetten, auf Häuserdächern und Balkonen, am Strand und auf Parkbänken. Was er dabei erlebt und welcher Traum dabei in Erfüllung geht, erzählt er in diesem Buch.
Nach einer heißen Sommernacht in er nicht schlafen kann, entschließt sich Wigald Boning von diesem Tag an immer außerhalb von Häusern zu übernachten. Wir begleiten ihn bei diesem über 200 Tage währenden Experiment und er gibt Einblick in Erfahrungen, Ausrüstung, Gefühlslage, sowie die schönsten und schrecklichsten Orte. Wie bei Boning zu erwarten ist alles sehr gut recherchiert, mit interessanten, sowie humorristischen Fakten gewürzt. Sehr schön zu lesen, auch für den Campingmuffel!
Amüsanter, zwischen zwei Buchdeckel gepresster Selbstversuch, in dem Boning das feste Dach über dem Kopf für ein paar Monate aufgibt und jede Nacht im Zelt oder unter freiem Himmel schläft. Das ist nicht immer die wilde Natur, sondern auch mal der Rasen eines Fußballstadions oder der Balkon eines Hotelzimmers. Dass es da natürlich die ein oder andere lustige Anekdote zu erzählen gibt, versteht sich bei Boning von selbst, und so schwingt ein humor- und ironievoller Unterton durchs ganze Buch.
Das stets gewitzte Grundrauschen ist insgesamt aber auch ein bisschen schade, da der Autor zumindest andeutet, dass es in seinem Leben eine Phase des Umbruchs gab, die ihn (unter anderen Gründen) zu diesem Selbstversuch getrieben hat. Genauer lässt sich Boning hier aber nicht aus, er will die Hosen nicht runterlassen, obwohl der Komiker meiner Meinung nach auch ernst kann. So bleibt das Buch eher leichte Kost, die man immer mal wieder weglegen und wieder aufnehmen kann. Fans von Boning und Outdoor-Freunde machen hier aber sicher nichts falsch.
Ich liebe selbst erfundene „Pflichten und Pläne“. Ein halbes Jahr ausschließlich im Zelt zu nächtigen, ausnahmslos ist solch eine Angelegenheit. Wichtig ist vor allem das Unbezahlte solcher Ideen. Lediglich die Idee ist der Antrieb und schafft den Durchhaltewillen. Dass Boning ein Buch darüber verfasst, sei verziehen. Die Einnahmen aus dem Buchverkauf können nicht der Antrieb zum Durchhalten gewesen sein. Das Buch ist stellenweise sehr lustig und dann auch wieder ein bisserl langatmig. Ich habe es nicht ungern gelesen, weil es viel besser geschrieben ist als viele der vielen Outdoorbücher und Wandererfahrungstexte. Literarischen Anspruch erhebt Boning ja nicht – oder vielleicht doch? Dann wär’s nicht gelungen.
War nicht schlecht, aber ich denke, ich hätte dem Projekt mehr abgewinnen können, wenn es mit reisen verbunden gewesen wäre. Auf dem Balkon zelten und durch die Wohnung täglich zurück in den Alltag fand ich seltsam.