"Nichts ist übrig von früher", denkt sie. "Das Land, das ich besser kenne als jedes andere, ist jetzt Deutschland. Deutschland. Deutschland. Über. Alles. Plattitüden, gutes Benehmen und Ordnung. Aber mein alter Spielplatz ist hier nicht."
Die Hauptfigur in „Superposition“ von Kat Kaufmann, ist eine junge Musikerin namens Izy. Sie ist eine in Petersburg geborene deutsche Jüdin auf der Suche nach ihrer Identität durch Berlin streift und ihre Tage mit Alkohol, Drogen, Sex und Liebeskummer in Clubs, Bars oder Krankenhäusern verbringt.
Izy bestellt irgendwo ein russisches Gedeck (Wodka und Kaffee), klimpert zum Gefallen von Geschäftsleuten in einem Nobelhotel auf dem Klavier herum, steigt in das Auto eines Freundes, wo noch der Slip der letzten Geliebten liegt, kotzt in einer Klubtoilette, besucht die Eltern, fährt U-Bahn, raucht und plaudert mit Freunden, hat Sex mit ihrem Schwarm Timur Hertz, der aber mit Astrid zusammen ist, leidet an der Liebe, aber eben vor allem an den Fragen, die ihr die eigene Identität so stellt: Wer sie denn bitte schön sei und was sie aus ihrem Leben machen soll. Izy ist eine junge Frau mitten in einer Lebenskrise.
Der Sound von „Superposition“ Ist ungehobelt, ruppig und geht volles Risiko, auch auf die Gefahr hin, peinlich zu sein und macht damit unendlich viel Spaß zu Lesen.
Der Sound und Stil passt somit ausgezeichnet zu dem Berliner-Nachtleben-Ambiente, das in dem Buch beschrieben wird. Zuerst war ich von dem Schreibstil Kaufmanns nicht so angetan, es hat gut 30 Seiten gebraucht, bis ich in den Sog der Sprache gezogen wurde, in etwa so, wie in einen Berliner S-Bahntunnel.
Ist „Superposition“ jetzt ein Berlin-Roman? Ich würde sagen Nein! „Superposition“ ist viel mehr ein Roman über Identitäten. Ein Buch über eine junge Frau die auf der Suche nach ihrem Selbst, nach ihrer Identität ist. Deshalb geht es auch nur bedingt um Berlin. Es ist aber auch kein Selbstfindungsbuch, das Buch möchte einfach nur die Geschichte von Izy erzählen, mehr nicht.
„Superposition" ist ein ausgezeichnetes Buch!
„Superposition“ ist ein Russisches Gedeck in Berlin!
Eine klare Leseempfehlung!