Es ist mehr als nur eine Schaffenskrise, was den erfolgreichen Schriftsteller Matthias Bamberg aus dem Berliner Alltag in die verwirrende Welt Kapstadts aufbrechen läßt. Die Geschichte einer Verstörung.
vieles bleibt verschleiert und im unklaren in dieser novelle, deren protagonist schriftsteller ist, dessen frau ihn vom einen auf den anderen tag verlässt. verschiedenste feine beobachtungen des protagonisten verdichten sich zu erscheinungen, denen der autor entsprechende narrative zuspricht - ob diese der realität entsprechen, enthält uns der erzähler vor. überhaupt scheint dies ein buch des übergangs, denn der erzähler greift viel stärker als in früheren texten langes in die handlung ein, verunklart wichtige umstände bewusst oder zoomt in entscheidenden szenen weit heraus und verlegt sich auf bloßes beschreiben. hier deutet sich bereits jene erzählstimme an, die lange im haus in der dorotheenstraße zur vollendung führt. der wanderer ist der titel des neuen romanprojekts des protagonisten, der diesen zunächst mit jener gestalt identifiziert, die ihm des nachts in der etage über ihm möbel zu verrücken scheint, später aber, ohne dass dies expliziert würde, selber zu jenem wird. denn er folgt seiner ehefrau dorthin, wo er sie und ihren liebhaber vermutet: nach kapstadt, in dessen touristischer welt er sich ebenso verliert wie in den slums. dort scheint er auch eine unheilvolle allianz einzugehen, die allerdings ebenso im vagen verbleibt, geschickt konstruiert hier lange eine styx/totenreichanalogie, um einen auftragsmord an der ehefrau und deren liebhaber zu insinuieren. am ende bricht der protagonist, als er sich eigentlich schon wieder auf der heimreise befindet, scheinbar ohne grund in den norden auf, eine reise ins nichts, in dessen unbestimmter weite der erzähler ihn ebenso halt- und ratlos zurücklässt wie uns lesende. eine irritierende lektüre, in der jedoch soviel unklar bleibt, dass sich an manchen stellen der eindruck der beliebigkeit einstellt, während an anderen stellen subtile hinweise zugänge öffnen.
Interessantes Buch. Mein erster Berührungspunkt mit Büchern von Diogenes. Zu sagen es sei ein Page Turner wäre übertrieben. Trotzdem war der Stil sehr fesselnd. Der Ausdruck des Autors wirkt sehr kurzweilig und fesselnd. Sehr bildhaft werden Szenarien erzeugt.