hartmut langes werk ist ein geflecht, dass sich um berlin und seine umgebung spinnt, besonders um seine peripherien: die seen, kanäle, vergessenen kopfsteinpflasterstraßen. in dieser novelle dreht sich das unheimliche chiaroscuro von langes erzählwelt um den verleger eichbaum, der von unbekannter hand briefe erhält, mal leicht drohend, mal fast freundschaftlich, die ein wissen über eichbaums leben offenbaren, das teilweise hellseherische züge annimmt. zusammen mit dieser unerhörten begebenheit beginnt auch die fassade der bürgerlichen idylle zu bröckeln, die sich in langes novellen ohenhin allzuhäufig als dünne firnis offenbart. denn eichbaum und seine frau entfremden sich, scheinbar ohne besondere vorkommnisse, nur in kleinigkeiten blitzt diese entfremdung immer wieder auf, bis schließlich die frau des protagonisten auszieht - auch das nebenbei, in einem satz abgehandelt. der protagonist durchläuft verschiedene phasen, in denen er mal mehr, mal weniger von diesen briefen aufgewühlt scheint, doch nie löst sich das rätselhafte auf, denn es ist unlösbarer bestandteil von langes erzählungen, die eben nicht unsere whodunit-automatismen befriedigen. das ende fällt für die hauptfigur so positiv aus, wie ich es selten bei lange gelesen habe, und so ist diese novelle auch eine geschichte über einen mann, der lernt, sein altern anzuerkennen und zu akzeptieren und mit sich ins reine zu kommen.