Ich hab es ja nicht so mit Hypes – sobald etwas hochgelobt wird, muss bei mir erst einige Zeit vergehen, bis ich dieses Etwas näher betrachte. So ging es mir auch bei Ellbogen auf das ich durch Goodreads, Instagram & Co. zwar neugierig wurde, mich aber noch nicht heran traute. Bis jetzt – und siehe da, in einem Tag ausgelesen.
Ich mochte die Geschichte um Hazal und ihre Freundinnen, die als junge Frauen unter ihrem restriktiven sozialen, familiären Umfeld leiden, das ihnen vieles versagt (kurze Röcke, erste Erfahrungen mit Jungs, eigene Entscheidungen treffen ...) und ihnen eine Menge anderer Bürden auflädt (sich um die Familie kümmern, den eigenen Ruf rein halten, tun, was andere für gut befinden ...). Dass sich da eine Menge Wut aufstaut, ist klar. Doch als sich diese in einer der – leider – bekannten U-Bahn-Prügeleien inklusive Todesfall entlädt, findet sie ihren traurigen Höhepunkt, der Hazal nach Istanbul flüchten lässt und ihre Freundinnen in Untersuchungshaft schickt.
Erzählen tut Fatma Aydemir rotzig, umgangssprachlich und direkt. Hier gibt es keine Schönfärberei, nicht in Worten und auch nicht in Taten. Die Frage danach, ob Hazal bereut, was sie getan hat, bleibt offen. Genauso wie das Ende, das den Leser ein wenig hilflos da stehen lässt, aber zum Roman passt. Für mich bietet dieser Entzug an literarischen Vorgaben die Freiheit, weiterdenken und die Figuren in einem anderen Licht betrachten zu können.
Ein starkes Debüt.