Der blaue Stein hatte gedacht, er würde ewig im Wald bleiben. Nach einem Waldbrand, der monatelang wütete, bleibt er mit Asche bedeckt zurück, als hätte er ein Tarnkleid angelegt. Regen legt die strahlend blaue Farbe frei, der Stein wird geteilt, eine Hälfte abtransportiert. Ein Steinmetz arbeitet eine Elefantenfigur aus dieser Hälfte heraus, die vor Sehnsucht nach ihrer anderen Hälfte zerbricht. Immer wieder wird der Stein transportiert und bearbeitet, immer wieder bricht die strahlend blaue Farbe unter der äußeren Hülle hervor. Der Rest wird dabei kleiner und kleiner, landet sogar bei den Kindern aus dem Waisenhaus, die auf dem Cover zu sehen sind. Die Sehnsucht nach der fehlenden Hälfte bleibt selbst in den verbleibenden kleinen Steinchen erhalten. Als ein paar Staubkörnchen in die Luft geblasen werden, fragt man sich, was ist eigentlich Staub – und wie viel vom blauen Stein ist darin enthalten?
In Jimmy Liaos Bilderbüchern stehen oft einsame Kinder im Mittelpunkt. Diese Bücher richten sich in erster Linie an Erwachsene; sie können natürlich gemeinsam mit Kindern betrachtet werden. Durch die rhythmische Wiederholung des Reisens und Bearbeitens, während der Stein immer kleiner wird, entsteht in „Der blaue Stein“ jedoch die Spannungskurve einer Kindergeschichte. Entstanden ist ein Bilderbuch in kleinem Format, das man als Vorleser am Ende der Geschichte noch nicht zuklappen kann, wenn es heißt „Nochmal!“Das Entdecken zahlreicher Details, die Suche nach dem Blauen Kern unter verschiedenen Oberflächen und schließlich die Heimkehr in den Wald sprechen kleine Betrachter an. Erstaunlich, wie gut man sich gemeinsam in das Wesen des Steins einfühlen kann.