Die Autobiographie eines der herausragendsten und streibarsten Schriftsteller der Nachkriegsliteratur — die bewegende und spannende Erzählung eines Lebens, das mit den geschichtlichen Vorgängen des 20. Jahrhunderts aufs Engste verflochten ist.
Was für ein Leben! Heym hat was zu erzählen und er tut es auf spannende Weise. Das dicke Buch ist mithin unterhaltsam und die Zeitzeugenschaft bis heute lehrreich.
Ich mag zum Inhalt nichts sagen, es wäre auch zu viel, was nachzuerzählen ohne Sinn ist. Erwähnenswert vielleicht, das gut zwei Drittel der Biografie die Lebens- und Schaffenszeit vor der Übersiedlung in die DDR betreffen. Deutlich wird, dass Heym hier sein wirkliches Leben gesehen hat. Lange Passagen betreffen die Kriegszeit und die Erlebnisse, die Eingang in seinen Roman "Kreuzfahrer von heute" gefunden haben. Auch später kommt er immer wieder auf diesen Roman zurück, der in den USA ein Bestseller war und den Heym in England in den Schaufenstern liegen sah, als er dort auf seinen Einsatz an der Front wartete. (Auch im ganzen sozialistischen Lager war er später mit dem Buch populär, das auch heute noch viel gelesen wird.) Mit seinen Kameraden konnte er damals die Hollywood-Verfilmung schauen, was ihm einige Privilegien in der Kompanie einbrachte.
Was daran bemerkenswert ist? An einer Stelle vermerkt Heym, dass er stets mit Blick auf seinen Nachruhm geschrieben habe, und auch wenn es immer wieder (und besonders im letzten Drittel) um seine in der DDR entstandenen Bücher geht, spürt man, dass der Autor wusste: Die "Kreuzritter" sind es, das ist das Buch, mit dem er bleiben wird. Meint auch, das kleine Land DDR mit seinen kleinlichen Problemen konnte wohl dem Autor das Leben schwer machen, aber es gab einfach keinen Stoff her für große Literatur. (Den Gedanken müsste man anderswo weiter verfolgen: Was bleibt von der DDR- Literatur, wenn man sie vor dem Hintergrund der zwischen 1949 und 1989 in der Welt vorgelegten Bücher in die Weltliteratur einordnen will? Man kann schon sagen: Nicht viel. Nicht umsonst greift Heym später zu biblischen - König David Bericht - und historischen - Lenz, Lassalle, Defoe - Themen und Motiven. Die literarische Auseinandersetzung mit der DDR - 5 Tage im Juni, Collin etc. - ist hingegen schon heute kaum noch von Interesse.)
Tragik eines großen Künstlers, der das Format, ein Weltautor zu sein, mit den "Crusaders" bestätigt hat, dem dann aber die großen gegenwartsgeschichtlichen Stoffe fehlten, aus denen sich noch einmal ein solches Buch hätte entwickeln können. Dennoch sind auch die "kleineren" Werke verdienstvoll, gut zu lesen und interessant, wenn man sich denn für die DDR oder die gesellschaftlichen Zwänge interessiert, vor die sich Autoren (nicht nur in der DDR oder im Sozialismus) immer wieder gestellt sehen. Nebenbei, das ist klar, erfährt man manch Anekdotisches von oder subjektive Wertungen über Autoren wie die Seghers, aber auch von Pablo Neruda oder Nazim Hikmet. Heym kannte viele der wichtigsten linksprogressiven Autoren seiner Zeit und auch das macht das Buch für den Literaturliebhaber spannend.
Ich hätte das Buch früher lesen sollen, allein, es war zunächst nicht zu bekommen und dann fehlte mir die Zeit. Vor allem den Jüngeren, die diese Zeit nicht miterlebt haben, sei das Buch zur Lektüre empfohlen. Selbst, wenn sie die erwähnten und besprochenen Bücher nicht kennen, bleibt noch das beispielhafte Leben eines unbeugsamen, sich dem Opportunismus weitgehend verweigernden aufrechten Menschen, das zu kennen und zu durchdenken (was hätte ich getan?) sich immer noch oder schon wieder lohnt.