Der Wolf ist zurück in unseren Breiten, und mit ihm und jedem gerissenen Schaf kehrt auch eine unbändige Urangst zurück, die ein Dickicht aus Vorurteilen, Aberglauben und Nichtwissen nährt: Die Furcht vor dem vermeintlich blutrünstigen Räuber, der im Rudel Menschenkinder zu Tode hetzt und Großmütter verspeist, hat sich über Jahrhunderte zu einer Obsession ausgewachsen, die einst zu seiner gnadenlosen Bejagung und Ausrottung führte. Doch stets weckte der Wolf auch die Sehnsüchte romantisch veranlagter Zeitgenossen und freiheitsliebender Außenseiter, die ihn mit seiner sprichwörtlichen, aber fantasierten ›Einsamkeit‹ zum Seelenverwandten erwählen. In ihrem klugen und feinfühligen Tierportrait nimmt Petra Ahne die kultur- und naturgeschichtliche Fährte des bernsteinäugigen Wanderers auf, durchstreift die Motivgeschichte von Rotkäppchen bis zum Werwolf, erkundet die ambivalente Beziehung zu seinem domestizierten Nachfahren, dem Hund, und sucht nach seinen Spuren in der heutigen Lausitz, wo Mensch und Wolf zusammenleben. Vorläufig. Denn die Frage nach dem Wolf ist die immer drängendere Frage danach, wie viel Natur und Wildnis der Mensch zu ertragen bereit ist.
Die Bücher der Reihe "Naturkunden" aus dem Matthes & Seitz Verlag sind liebevoll gestaltete Bändchen. Zahlreiche Illustrationen füllen das kleine Hardcover auf hochwertigem Papier und machen sie auch haptisch zu einem Lesegenuss.
Inhaltlich ist das Büchlein in sechs Kapitel unterteilt, in denen die kulturelle und historische Bedeutung des Tieres und der Beziehung zwischen Mensch und Wolf behandelt wird. Lange Zeit galt der Wolf als Böse, als Gesandter des Teufels, der einem das Leben schwer machen wollte. Im Mittelalter gab es gar Wolf-Prozesse, in denen Menschen als Werwölfe bezeichnet wurden und deshalb zum Tode kamen. Dass die Kirche hierbei kreativ wurde, um eine "Schöpfungsmacht" anderen Wesen als Gott zuzuweisen, war sehr spannend zu lesen.
Aber auch die Kapitel, die sich der Wiederkehr des Wolfes, der ersten ernsthaften wissenschaftlichen Untersuchungen und des neu erwachten Interesses in der breiten Bevölkerung beschäftigen waren sehr informativ. Viele projizieren auf das Lebewesen Wolf Gedanken, die ihn stark vermenschlichen. Wie sollte es der Mensch auch sonst können - er hat nur diesen Blickwinkel auf die Dinge. Abschließend wird von der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland berichtet und welche Schwierigkeiten diese mit sich bringt. Denn in vielen Köpfen ist noch der absolut böse Wolf verankert - bis zu einem gewissen Grad sogar verständlich. Der Wolf ist ein Raubtier, das darf man nie vergessen. Dennoch gibt es wie überall zwei Seiten und vielleicht finden sich in Zukunft auch Lösungen für die Menschen, die manchmal unter Wolfsrissen von Nutztieren leiden.
Väldigt vacker liten bok. Tillför kanske inte så mycket om en läst en del om vargar innan. Men jag tycker om de små anekdoterna och de fina gamla illustrationerna.
Har förut läst boken om kråkor i samma serie. Lika fin den.
Ein wunderschönes Büchlein, auf das die Bezeichnung Porträt perfekt passt. Petra Ahne stellt weder Anspruch auf Vollständigkeit, noch auf reine Sachlichkeit. "Wölfe" ist ein poetisches Guckloch in die Wildnis, das zwischen Naturkunde und Mythos changiert, den Mensch als naturwissenschaftlichen Bezugspunkt hinterfragt und dennoch demütig menschlich ist. Die Autorin, eigentlich Redakteurin - man merkt's an Aufbau und Struktur - schlägt gekonnt und in herrlicher Sprache den Bogen von der Biologie zur Biophilie. "Wölfe" ist eine respektvolle Annäherung an das Tier und eine kritisch-philosophische Betrachtung seines Jägers und Verehrers.
Ein fantastisches Buch das durch alle möglichen Wissensgebiete spannt und den Ruf des Wolfs durch die Zeiten ehrlich und informativ zeigt. Das Buch ruft viele Gedanken über das Benehmen von Menschen der Natur gegenüber und der ökologischen Zukunft des Tiers auf.
Wunderschön anzusehen sind sie immer, die Naturkunden von Matthes & Seitz, herausgegeben von Judith Schalansky. Mittlerweile sind über 100 Bücher in der Reihe erschienen, allesamt aufwendig gebunden und bebildert. Sie bieten sich als Geschenke an, an andere oder an sich selbst.
Die Kulturgeschichte des Wolfes ist düster und gewaltvoll; Jagd, Verfolgung und Ausrottung trüben die Lektüre. Der Wolf ist der Gegenpol zur Christengemeinschaft der Lämmer. Bis heute ist er das gefürchtetste Tier in Europa, weil Menschen die eigene dunkle Natur in ihm gespiegelt haben woll(t)en. Mit den Pionieren der Wolfsforschung, Murie und Schenkel, „nahm das bis heute andauernde Projekt seinen Anfang, den Wolf aus dem Dickicht von Vorurteilen, Aberglauben und Nichtwissen zu befreien, das sich so verhängnisvoll um ihn gelegt hat.“ Bei Schenkel hat der Mythos des „Alpha-Wolfes“ seinen Ursprung, der sich wahrscheinlich so lange hält, weil die Virilität nicht nur auf Wolfsforscher anziehend wirkte. Aus der neueren Wissenschaft ist der „Alpha“ inzwischen weitgehend verschwunden (Wölfe leben in Familienverbänden mit viel komplexerem Sozialverhalten), in der kollektiven Fantasie hält er sich leider hartnäckig. Der Wolf als Symbol im Nationalsozialismus, die Umdeutung des Wolfes zum Sinnstifter im 21. Jahrhundert: viele interessante Themen werden in Naturkunden-Marnier gestreift. Bei einem so komplexen Thema wie dem Wolf ist die Kürze manchmal enttäuschend. Nichtsdestotrotz ist „Wölfe“ großartig geeignet für einen Leseabend. Anmerkung: Leider wurde das I-Wort auch in der 3. Auflage (2022) nicht ausgetauscht, das hat mich geärgert.
Ein schöner und interessanter Blick auf den Wandel, den der Wolf kulturell durchlaufen hat, vom ungeliebten Feind, der mancherorts komplett ausgerottet wurde hin zum Symbol für Frei- und Wildheit. Besonders gelungen fand ich, dass Ahne bewusst macht, dass es sich dabei um anthropozentrische Projektionen handelt, egal ob positiv oder negativ aufgeladen. Schade allerdings, dass veraltete Begriffe für indigene Völker benutzt werden. Außerdem fand ich die Bildauswahl teilweise sehr brutal. Das passt einerseits, weil den Wölfen lange Zeit schlimme Gewalt angetan wurde, ist aber andererseits schwer anzuschauen und wäre vielleicht nicht nötig gewesen, um die Gewalt, die ja im Text schon beschrieben wird, zu unterstreichen.
Ett fascinerande kulturhistoriskt porträtt där naturvetenskap möter essän i sin vackraste form. Historien om vargen löper genom människans relation till den, en tusenårssaga av hat och hittepå om djävulsinkarnation, blodtörst och rovgirighet som lever kvar i utrotarsällskap än idag. Men också en falang av fascination och dyrkan där vargen får stå symbol för den missförstådde outsidern och vara sanningssökarens dragdjur.
Ein fantastisches Buch, besonders gefallen haben mir die Kapitel über den Mythos Wolf und das letzte Kapitel, in dem es darum geht, dass die Menschen die Gefahr der Wölfe bei weitem überschätzen und dass sie unser Ökosystem im Gleichgewicht halten, so dass ihre Ausrottung extrem umweltschädlich ist. Wunderschöne Illustrationen und Kunstreproduktionen, wie in jedem anderen Buch der Naturkunden-Reihe.
Eine guter kleiner Überlick über den Wolf und seine Rolle in der Gesellschaft. Die Fakten sind gut miteinander verknüpft, sodass sie ein schönes Gesamtbild ergeben. Auch an Zitaten und Bildern fehlt es nicht.
Ein tolles Buch - unheimlich informativ und dabei so verständlich und auch größtenteils spannend geschrieben, dass man es auch als Laie genießen kann. Das Cover ist wirklich sehr schön gestaltet, und die reiche Bebilderung im Buch macht das ganze Thema noch anschaulicher. Nach der Lektüre weiß man viel über das Thema Wölfe, aber noch mehr über das teilweise extreme und bizarre Verhältnis der Menschen zu ihnen, geschichtlich betrachtet, aber auch in der Gegenwart.
Den var helt grei, men dessverre ikke noe revolusjonært. Best gjør den seg som tilbakeblikk på ulvens kulturhistorie. Her er fine illustrasjoner som peker på feilaktige oppfatninger man hadde av ulv i gamle dager, men de får liten plass i boken i sitt lille format. Ellers drar boken ingen slutninger, så er litt usikker på hva Ahne ville nå frem med på disse 140 sidene.