Ailis und Fee sind von Kindertagen an fast wie Schwestern auf der Burg von Fees Onkel am Rhein aufgewachsen und waren stets trotz ihrer grundverschiedenen Charaktere die allerbesten Freundinnen, bis es zwischen ihnen zu einem Bruch gekommen ist, den beide schwer überwinden können.
Als Spielleute auf der Burg zu Gast sind, bemerkt Ailis, dass sie in der Lage ist, eine "Melodie hinter der Melodie" zu hören, die magische Kräfte besitzt. Doch das ist nicht ihre einzige merkwürdige Entdeckung - eines Tages erlebt sie auf dem Lurlinberg hoch über dem Rheintal eine Überraschung: das kleine Mädchen, das sie ein Jahr zuvor im Wald gefunden hatte, ist dort in einem hermetisch verriegelten und gesicherten Brunnenschacht gefangen. Recht schnell wird klar, dass es sich dabei um kein normales Kind handeln kann, sondern um ein Wesen mit enormem Gefahrenpotential, das in der Lage ist, Menschen auf unheimliche Weise in seinen Bann zu ziehen.
Als Fee in diese Gefahr gerät, setzt Ailis alles daran, ihre immer noch geliebte Freundin zu retten ...
Der Loreleyfelsen regt seit Jahrhunderten die Phantasie der Menschen an, so auch die von Kai Meyer, der daraus einen stimmungsvollen Mittelalterroman mit ein paar phantastischen und unheimlichen Elementen gemacht hat.
Seine Figuren sind plastisch, wenn auch ab und an ein bisschen klischeehaft (Ailis ist die typische Frau in Hosenrolle und Fee das zarte, hübsche Prinzesschen), die Loreley-Gestalt des unschuldig scheinenden und gerade deshalb furchteinflößenden Kindes gefiel mir jedoch sehr gut.
Die Verflechtung von historischen Fakten, Legenden, Landschaften und dem Alltag auf der Burg ist gelungen und liest sich spannend und flüssig. Abgerundet wird das Buch durch ein Nachwort, in dem Meyer auf die geschichtlichen Tatsachen sowie Sagen und Fakten rund um die Loreley eingeht (und Lust darauf macht, sich den sagenumwobenen Felsen mal aus der Nähe anzuschauen).