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240 pages, Paperback
First published July 14, 2017
Kommt es mir nur so vor, oder ist es sehr einfach, Menschen zu erzürnen? Dieser Tage reicht es schon, ein Bild in einem sommerlichen kimonoartigen Umhang auf Instagram zu posten, um von unzähligen Usern der “kulturellen Aneignung” beschuldigt zu werden.
Vor ein paar Jahren habe ich meine Boshaftigkeit sogar zum Beruf gemacht: Monatlich veröffentliche ich auf meine mYoutube-Kanal eine sogenannte Hass-Liste und spreche über Dinge, die ich leidenschaftlich verachte. Sehr zu meiner Überraschung erfreut sich mein Hass großer Beliebtheit.
Ehrlich nervt am längsten. Wer hat Zeit, ständig nur die Wahrheit zu hören? Praktiziere daher die Technik, die ich liebevoll als “selektive Ehrlichkeit” bezeichne (andere nennen es “Lügen”), und erspare uns allen ein bisschen Zeit und Stress.
Ich finde es fürchterlich, einer Person explizit zu erklären, dass ich nicht auf Frauen, sondern auf Männer (huch!) stehe, weil solch eine Offenbarung impliziert, dass meine Orientierung nicht nur abnormal, sondern auch so sensationell ist, dass ich mich mit meinen Freunden zum Brunch treffen muss, um ihnen meine Homosexualität genau zu erklären, als wäre sie eine abstrakte, noch nie zuvor dagewesene Form der Interkation, welche Wissenschaftler erst vor kurzem auf einem fremden Planeten entdeckt haben.