"Marthas Mission" ist der zweite Teil aus der sogenannten "Cell 7"-Trilogie. "Marthas Widerstand" habe ich bereits auf meinem Blog vorgestellt, jetzt geht das Abenteuer von Martha und ihrem Freund Isaac in die nächste Runde. Wer also Teil 1 noch nicht gelesen hat, muss zwangsläufig mit Spoilern rechnen.
Zum Inhalt:
Teil 2 setzt unmittelbar nach dem Ende von Teil 1 ein: Isaac hat den Mord an seinem Vater eingestanden und sitzt jetzt an Marthas Stelle im siebentägigen Todestrakt. Martha dagegen bekommt schon bald die Willkür des korrupten Systems zu spüren, die Beweise, die sie zusammen mit ihrem Freunden ins Netz gestellt hat, sind von einem Tag auf den anderen verschwunden. Obwohl Martha alles versucht, Isaac zu befreien, muss sie selbst einiges daran setzen, auf freiem Fuß zu bleiben, denn die Regierung will sie alle mundtot machen ...
Meine Meinung:
"Marthas Mission" führt dort fort, wo wir die Figuren in Teil 1 verlassen haben. Isaac sitzt im Gefängnis, Martha ist auf freien Fuß gesetzt worden. Doch die Freude über diesen Sieg ist nur von kurzer Dauer, denn die Regierung schlägt mit unerbittlicher Härte zurück, die Videos mit den Beweisen verschwinden, Zeugen werden mundtot gemacht oder wandern ins Gefängnis ... Der Einstieg ist daher für den Leser ein recht abrupter, ich brauchte am Anfang etwas Zeit, um mich wieder in die Geschichte zu finden, da ich vor allem die Nebenfiguren mir nicht so gut gemerkt hatte.
Trotzdem habe ich mich schon recht bald wieder in der Geschichte zuhause gefühlt, besonders Martha habe ich mittlerweile wirklich sehr ins Herz geschlossen. Aber auch Isaac bekommt hier einen größeren Anteil, denn nun geht es um seine Gefühle, seine Erinnerungen, seine Ängste. Martha dagegen versucht alles, um ihm zu helfen, um ihm irgendwie Unterstützung zu geben - und muss gleichzeitig untertauchen, um frei zu bleiben und ihre Pläne zu Isaacs Rettung verfolgen zu können.
Wie schon in Teil 1 legt die Autorin auch hier Martha wieder jede Menge Gedanken in den Mund, die man als Leser nur als Appell verstehen kann: "Stellt Fragen!" ist meiner Meinung nach die wichtigste Botschaft des Buches - Geschichten wie "1984" lassen auch hier wieder grüßen. Gleichzeitig bleibt Drewery ihrem Schreibstil treu, wahlweise wird aus der Sicht Marthas, Isaacs und ihren Freunden erzählt, immer wieder unterbrochen von den Regie-artigen Dialogen und Anweisungen der TV-Sendungen, in den per Abstimmung "Recht gesprochen" wird.
Die einzige Schwäche sehe ich in dem Aufbau der Geschichte. Nachdem es meines Wissens ursprünglich keinen zweiten und dritten Teil geben sollte, hatte die Autorin nun die ein wenig undankbare Aufgabe, mit dem Ende von Teil 1 die Geschichte spannend fortzuführen. Dieses Ende sorgt nun jedoch dafür, dass man ein wenig das Gefühl hat, die Geschichte aus Teil 1 noc einmal vorgesetzt zu bekommen - nur mit umgekehrten Rollen. Und da der Feind in Teil 1 das Zeitliche gesegnet hat, musste nun natürlich ein neuer Antagonist gefunden werden ...
Trotzdem erzählt Drewery auch in diesem zweiten Teil eine interessante Geschichte - und wir dürfen gespannt sein, wie es Martha und Isaac gelingen wird, das System zu Fall zu bringen.
Noch ein paar Worte zu Klappentext und Cover: Es wird zwar nie dezidiert erwähnt, in welchem Land die Geschichte spielt, doch glaube ich, dass wir hier eher von einem dystopischen Großbritannien ausgehen dürfen als von den Vereinigten Staaten, wie im Klappentext ausgeführt. Einen Premierminister (eine der Figuren im Buch) beispielsweise ordne ich persönlich doch eher den Briten als den Amerikanern zu ...
Das Cover entspricht im Großen und Ganzen dem von Teil 1, nur wurde die Farbe des Titels geändert - und es geht ein auffälliger Riss durch das Gesicht des Mädchens. Dieser Riss ist sicher in einem übertragenen Sinn zu sehen, denn es geht nicht nur um Martha, sondern auch um das System, das durch Marthas Aktivitäten einen Riss erleidet, einen Riss, der es letztendlich zu Fall bringen wird.
Mein Fazit:
"Marthas Mission" ist eine würdige Fortsetzung zu "Marthas Widerstand", auch wenn der Aufbau der Geschichte durch das Ende von Teil 1 meiner Meinung nach etwas schwächelt. Ich denke aber trotzdem, dass jeder, der den ersten Teil mochte, auch seine Freude mit Teil 2 haben wird.