“Die Menschen, so Landauer, können diesem Dilemma” (Entsolidarisierung durch Pseudoindividualisierung durch durch das kapitalistische System : Rekonstruktion “Klassenbewusstsein”, um neue systemueberwindende Perspektiven zu eröffnen) “nur entkommen, wenn sie selbst «zur Einsicht und zur inneren Unmöglichkeit, so weiter zu leben, gekommen sind. Um aber die «innere Unmöglichkeit» zu verspüren, müssen die Menschen die PseudoIndividualität, die ihnen das kapitalistische System aufgedrückt hat, abstoßen, um zur eigentlichen Individualität vorzudringen; sie müssen sich der Massenmanipulation erwehren, indem sie sich der seichten «Spaßgesellschaft» entziehen; sie können sich der «Spaßgesellschaft» verweigern, wenn sie begreifen, dass sie unterdrückt sind. Sich von dieser Kette zu lösen, ist letztlich eine individuelle und kollektive Aufgabe der Individuen. Die in den autoritären Gesellschaften lebenden Menschen können ihre autoritären Verhaltensweisen nur abschütteln, wenn sie erkennen, dass sie die «Gesellschaft» sind, wenn sie sich als autonome Individuen in ihrer Gesellschaft bewegen.”
Zunächst einmal das positive: Das Buch ist tatsächlich eine ziemlich gelungene Einführung in das Thema des Anarchismus. Dabei werden die anarchistischen Klassiker (Godwin, Proudhon, Bakunin, Kropotkin, Goldman, Landauer, Rocker) sowie zwei dem Anarchismus nahestehende Persönlichkeiten (Leo N. Tolstoi, Max Stirner) in ihren Grundzügen erläutert. Auch Grundkonzepte erklärt das Buch sehr gut, Beispiele von real existierenden anarchistischen Gesellschaften werden ebenfalls dargestellt. Es ist zudem gut strukturiert und geschrieben, wenn auch stellenweise etwas hochtrabend.
Problematisch ist jedoch die etwas unkritische Darstellung der kritischeren Subjekte des Anarchismus, wie zb. Bakunin. Ich kann zwar verstehen, dass es sich schließlich um eine Einführung in den Anarchismus handelt und es dementsprechend ein eher kurzes, einfaches Büchlein sein soll, doch ein etwas deutlicherer Hinweis, dass man sich mit gewissen Persönlichkeiten des Anarchismus kritisch auseinandersetzen sollte , wäre schön gewesen.
Vier Sterne werden diesem Buch jedoch gerecht, da es grundsätzlich seinen Job wirklich sehr gut erfüllt, und eine Tendenz nicht einfach alles gehörte ohne Prüfung zu übernehmen bei den Interessenten dieses Buches ja durchaus gegeben sein sollte. Falls nicht, wäre es sinnvoll sich vorher solche Kenntnisse anzueignen, dann kann man dennoch eine Menge interessanter Dinge und Theorien erfahren.