Eine atmosphärische Welt mit grandios ausgearbeiteten Charakteren!
Ewigkeitsgefüge von Laura Labas ist ganz anders, als Fans der Autorin wohl erwarten werden. Es achtet auf die ruhigen Töne: Es beschäftigt sich mit den Eigenarten der menschlichen Seele. Was treibt uns an? Was hemmt uns? Ab welchem Punkt ist man bereit, sich selbst für ein höheres Wohl oder das seiner Freunde zu opfern?
Lydia ist eine wundervolle Protagonistin, die sich im selben Sinne von ihren Vorgängerinnen derselben Feder unterscheidet. Zunächst ist sie nicht für den Kampf geboren, hat mit Ängsten, Neid, Selbstzweifeln und einer sie bestimmenden Traurigkeit zu kämpfen, die sie zu Beginn des Romans lähmt. Und dennoch ist sie eine Figur, die die denkbar schwerste Bürde auf ihren Schultern trägt. Man kann sich wohl niemanden vorstellen, der für diese Aufgabe ungeeigneter gewesen wäre – zumindest denkt man das anfangs.
Sie beginnt schnell, sich mit ihrer schrecklichen Situation und ihrer Verantwortung auseinanderzusetzen und wächst und wächst mit jeder Seite.
Sie lernt sich selbst kennen, akzeptiert ihre Fehler und Unzulänglichkeiten, weiß diese aber zu formulieren und um Hilfe zu bitten, wenn sie nötig ist.
Lydia ist das ideale Beispiel, um aufzuzeigen, dass man sich nicht todesmutig in den Kampf stürzen muss, um mutig und stark zu sein. Sie ist eine sehr menschliche und reflektierte Heldin und man kann nicht anders, als sie zu lieben.
Aber nicht nur sie ist ein bemerkenswerter Charakter. Sie alle sind so vielschichtig und toll ausgearbeitet, dass man über sie Seitenweise schreiben könnte.
Es beginnt bei Ace, der so liebevoll ist und sich nicht scheut, seine Gefühle zu artikulieren, zu zeigen, nach ihnen zu leben. Er ist das genaue Gegenteil des typisch verschlossenen, undurchschaubaren Bad Boys und dennoch nicht minder anziehend. Er ist ein Charakter zum Schwärmen! <3
Tristan, der von so vielen inneren Dämonen verfolgt wird, dass es beim Lesen wehtut, und dem man trotzdem gern einmal ordentlich eine verpassen möchte. Er ist der wohl vielschichtigste Charakter. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber er ist der Innbegriff all dessen, mit dem sich der Mensch zu beschäftigen hat. Herzzerreißend.
Nat, eine traurige Figur, die ihr Potential nicht ausschöpfen kann, ihre Wünsche und Träume aufzugeben gezwungen ist, und der man einfach nur das Glück wünscht, das für sie zu unerreichbar zu sein scheint.
Hachja, ich bin begeistert von dieser Figurenkonzeption. Sie alle sind erfrischend anders und ein helles Licht im Dschungel stereotypischer Charaktere der Fantasysparte.
Der Rest des Buches lebt von der herrlichen Atmosphäre. Es erinnert an die guten alten Mystery-Serien, in denen Rituale im Kerzenschein durchgeführt werden, ohne großes Tamtam. Die innere Stärke der Charaktere überwiegt in diesen Moment und mehr braucht es nicht, um einen wohlige Grusel-Schauer über den Rücken fahren zu lassen.
Und natürlich bleibt trotz der ruhigeren Stimmung die Spannung nicht auf der Strecke. Das Ende lässt einen zum Showdown fiebern und man muss und muss und muss einfach wissen, wie es ausgeht. Es gibt so viele Wege verschiedener Gruppen mit den Schatten und den Grausamkeiten der Welt umzugehen, welcher ist der richtige? Ist der Glaube an einen göttlichen Erretter die Lösung oder nur ein Hirngespinst?
Ewigkeitsgefüge ist kein Roman der strahlenden Helden, es ist ein Roman, der tief in die Seele der Menschen schaut, eingebunden in eine toll ausgearbeitete, atmosphärische Welt! Wundervoll!