Ich habe Band 1 dieser Serie sehr gerne gelesen. Der Name des Windes gefiel mir, weil die Fantasygeschichte nicht nach dem üblichen Schema aufgebaut war. Eine Rahmenhandlung in einem Gasthof, in dem der heldenhafte Wirt einem Chronisten seine Lebensgeschichte erzählt. Wir spürten, dass Kvothe, der als Wirt quasi untergetaucht war, eine sehr wichtige Rolle in der kürzeren Vergangenheit des Landes gespielt haben muss. Aber der Leser erfährt nichts über diese Hintergründe. Stattdessen bekommt er die komplette Lebensgeschichte Kvothes erzählt, dessen Eltern aus dem Schaustellergewerbe von einer siebenköpfigen Bande namens Chandrian ermordet wurden. Kvothe geht an die Zauberschule, um Arkanist zu werden. Ab da wird es dann Harry Potter ähnlich. Intrigen, Dummheiten, Mobbing, gute und fiese Lehrer und Mitschüler. Das war für ein Einstiegsband in Ordnung, aber nun muss es ja irgendwie weitergehen.
Und was passiert in diesem 1. Teil des 2. Bandes, welcher vom Klett-Cotta-Verlag gewinnwirksam und schändlich in zwei Teile aufgespalten wurde, dem GoT-Syndrom? Erst mal passiert bis zu Hälfte wirklich überhaupt nichts Neues. Alle Geschichten aus Teil 1 werden in leichten Variationen wieder erzählt. Kvothe hat kein Geld, Kvothe hat Ärger mit seinem Widersacher, Kvothe kann seine Schulden nicht begleichen, Kvothe himmelt immer noch die selbe Frau an, Kvothe leiht sich Geld, Kvothe hat Ärger mit Lehrern. Einfach nur langatmig und teilweise sogar für mich echt langweilig.
Das Buch ist gut geschrieben. Rothfuss kann mit der Sprache umgehen und sich variantenreich ausdrücken. Da hebt sich das Buch wohltuend von anderen Werken aus diesem Genre ab. Doch Rothfuss bringt es nichts, dass er schreiben kann, denn m.E. kann er nicht erzählen. Er versteht es nicht einen Spannungsbogen zu erzeugen, weder kleine Bögen noch das große Ganze an Bosheit und Gefahr ist zu erkennen. Warum erzählt er so detailreich aus dem Leben des Arkanistenschülers Kvothe. Einfach nur so, weil er es kann? Oder steuert er auf etwas zu, was ich noch nicht erkennen kann. Wahrscheinlich weiß er es selbst nicht so genau, denn Band 3 der Trilogie lässt schon seit Jahren auf sich warten.
Die Geschichte scheint an Abwechslung zu gewinnen, als zur Mitte des Buchs Kvothe auf Wanderschaft geht und die Zauberschule verlässt. Doch die Rasanz endet abrupt, wenn er am Hof eines reichen Gönners als rechte Hand des Maers anheuert. Jemand will offensichtlich den Maer schleichend vergiften und Banditen machen den Wald unsicher und stehlen seine Steuereinnahmen. Dafür braucht man keine 400 Seiten Text. Ein Fantasybuch lebt für mich nun mal von der Unmöglichkeit der zu erledigenden Aufgabe durch den jungen Helden (Ring vernichten, du-weißt-schon-wen töten etc.). Wenn die Aufgabe darin besteht, die Steuereinnahmen wieder sicherzustellen, dann ist das für mich so spannend, wie wenn Herr Schäuble in einer Bundestagsrede sich ausführlich darüber auslässt, dass die schwarze Null im Haushalt stehen muss. Was für eine große Enttäuschung. Ich habe gerade gar keine Lust, mit dem 2. Teil des Bandes weiterzulesen. Wer weiß, ob die Trilogie je fertig wird. Ich kann die vielen sehr guten Bewertungen zu diesem Buch absolut nicht teilen.