Schweden 50 Jahre in der Zukunft: Verheerende Stürme haben ganze Landstriche verwüstet. Und Schnee fällt schon seit Jahren nicht mehr. Stattdessen färbt ein feiner Sand alles blutrot. Die meisten Menschen sind in die Städte gezogen. Bei den wenigen Familien auf dem Land herrscht ein Klima der Angst. Eines Tages taucht Elins Tante Karin auf dem Hof der Familie auf. Nach ihr wird im ganzen Land gefahndet, denn sie gilt als Terroristin des Untergrunds. Am nächsten Tag wird Elin verhört und verschleppt, doch ihr gelingt die Flucht. Der zweite Teil des düsteren, erschreckend realistischen Zukunftsepos des großen schwedischen Erzählers Mats Wahl.
Mats Wahl (1945-2025) was a Swedish author. He has published 43 books but also written several plays for the theatre, TV programs, novels and movies. Vinterviken (in English: The Winter Bay) is one of his most famous books, which is also a film.
Mitte des 21. Jahrhunderts lebt die 16-jährige Elin in der schwedischen Provinz Dalarna mit Blick auf die Berge Norwegens. Nach einem Klimawandel ist das Land seit Jahren verwahrlost, mafiöse Strukturen haben sich gebildet. Ein allumfassendes Informations- und Kontrollsystem zeichnet alles auf, was in den Häusern der Menschen geschieht. Nicht jede Überwachungstechnik funktioniert noch einwandfrei - aber wer weiß das schon genau. Elins Geschwister leben jeweils in einer eigenen Welt, ihr Bruder Vagn im Reich der PC-Spiele, die jüngere Schwester Lisa leidet unter der Isolation und sucht Trost in der Religion. Im ersten Band hat Elin zur Verteidigung ihrer Familie getötet und seitdem ihre Tochter Gerda zur Welt gebracht, deren Vater Harald ebenfalls ermordet wurde. Weil Elins Tante Karin als Gegnerin des herrschenden Systems verfolgt wird, fürchtet die Familie, Karins Verfolger könnten, ihrer Spur folgend, auf den Hof der Familie gelangen. Elin wird verhaftet und von Gerda getrennt, um herauszufinden, ob ihre Familie Karin unterstützt. Die Sorge um Gerda macht Elin verletzbar. Schlimmer noch ist die Unsicherheit, was gerade in Schweden passiert und wem Elin trauen kann. Notgedrungen vertraut Elin Skarpheden, der sie in eine abgelegene Bergstation zu seinem Bruder Grim bringen will. Dazu muss die junge Frau mit dem wenige Monate alten Baby, das noch gestillt wird, 20 km durch die Wildnis marschieren. Elin hat in und mit der Natur gelebt und findet Skarphedens Fürsorge reichlich penetrant. Glaubt er etwa, sie könne allein keinen Fluss durchqueren?
Elins Flucht durch Schwedens Wälder wird neben dem reinen Überleben mit einem Baby auch zur Auseinandersetzung mit der Welt außerhalb ihres Elternhauses. Skarpheden forscht über die radioaktive Belastung des Landes und macht deutlich, dass die Regierenden fallen müssen, weil nur mit demokratischen Strukturen und internationaler Kooperation eine Lösung der Umweltprobleme möglich ist. Auch Grim scheint als wehrhafter Einzelgänger in seiner Station für die Zukunft des Landes zu forschen. Er will autonome Roboter entwickeln, die fühlen können. Die Begegnung mit Grim verdeutlicht, wie schwer es für Elin ist, sich Informationen zu beschaffen und ein eigenes Urteil zu fällen. Was Grim ihr erzählt, ließe sich auch völlig anders interpretieren …
Elin wird im zweiten Band der Serie gegen ihren Willen zur Kämpferin und zum Idol ihrer Generation. Ihr fällt es sichtlich schwer, die Lage im Land zu beurteilen, weil jeder mit dem Überleben beschäftigt ist und es keine neutralen oder kritischen Informationen gibt. Als Karin ihre Nichte auffordert, in die Politik zu gehen, traut Elin sich das zunächst nicht zu. Elin unterschätzt sich selbst, weil sie bisher nur von ihren Eltern unterrichtet wurde. Die Situation im Schweden der Zukunft ist vergleichbar mit einem Neuanfang nach einem Krieg oder Bürgerkrieg, wenn dringend unbelastete Funktionsträger benötigt werden. Die Frage, ob sich eine Gesellschaft Sicherheit durch totale Kontrolle erkaufen muss und welche Arbeitsplätze es neben hoch entwickelten Robotern noch für Menschen geben wird, scheinen für eine 18-Jährige aus den Wäldern tatsächlich etwas hoch gegriffen. Doch vielleicht qualifiziert sich Elins Generation gerade dadurch, dass sie an Macht nicht interessiert ist.
Mats Wahl folgt im zweiten Band seiner utopischen Reihe für Jugendliche der Entwicklung einer 18-jährigen, die bereits Mutter ist. Mit der Entwicklung der Robotik und staatlicher Überwachung greift er zentrale Themen auf, die ich für eine Zielgruppe ab 13 Jahren jedoch ungeheuer nüchtern erzählt finde. Dass Elin stets erst durch Hinweise der älteren Generation kritisch hinterfragt, was man ihr zuvor erzählt hat, finde ich problematisch, weil die Hauptfigur eines Jugendromans eigenständig handeln und denken sollte.
Bei diesem Buch handelt es sich um den zweiten Band der Sturmland-Reihe. Wie auch im ersten Band schreibt Mats Wahl gekonnt und weiß, wie er seine Leser an der Stange halten muss. Allerdings ist zu sagen, dass sein Schreibstil auch in diesem Buch etwas schwierig. Ich denke, dass einige der Leser aus dem ersten Band die Reihe wegen des Schreibstils nicht unbedingt weiterverfolgt haben. Diejenigen, die der Reihe treu geblieben sind, wissen wie er schreibt. Zusammengefasst: Etwas karg, manchmal gefühllos und sehr schlicht.
Nach wie vor sind die Charaktere nicht sehr zugänglich, nach wie vor besteht eine gewisse Distanz zu ihnen, die sie unnahbar erscheinen lässt. Obwohl die Handlung rasant weitergetrieben wird, obwohl die Charaktere sich weiterentwickeln, ist es die erwähnte Distanz das, was den Leser von der Geschichte fernhält. Das Gelesene bleibt das, was es ist, manchmal nur Worte auf Papier. Am tollsten ist es, wenn Geschichten und Charaktere zu Leben erwachen und das gelingt hier leider nur bedingt.
Auch die Dialoge laufen ähnlich wie im ersten Band ab. Sehr abgehakt und kurz, fast ohne irgendwelche Beschreibungen, die mir die Szene vorstellbar machen. Bis zu einem gewissen Punkt mag ich es, wenn einige Dinge der Fantasie des Lesers überlassen werden, jedoch ist es mir hier ein wenig zu viel des Guten.
Bewertung: Wem der erste Band gefallen hat, der sollte weiterlesen. Ansonsten würde ich eher von dieser Reihe abraten oder sie nur Dystopie-Fans vorschlagen, die auf der Suche nach etwas Neuem sind.
Erste Sätze Sie reiten von Liden aus nach Norden. Als sie den Ripsee vor sich liegen sehen, zügelt Vagn das Pferd.
Klappentext Schweden 50 Jahre in der Zukunft: Verheerende Stürme haben ganze Landstriche verwüstet. Und Schnee fällt schon seit Jahren nicht mehr. Stattdessen färbt ein feiner Sand alles blutrot. Die meisten Menschen sind in die Städte gezogen. Bei den wenigen Familien auf dem Land herrscht ein Klima der Angst. Eines Tages taucht Elins Tante Karin auf dem Hof der Familie auf. Nach ihr wird im ganzen Land gefahndet, denn sie gilt als Terroristin des Untergrunds. Am nächsten Tag wird Elin verhört und verschleppt, doch ihr gelingt die Flucht.
Meine Meinung Das Buch ist aus der Sicht eines auktorialen Erzählers geschrieben und berichtet aus der Sicht von Elin, ab und an auch den Menschen, mit denen sie interagiert. Elin ist trotz ihres jungen Alters bereits Mutter, aber ihre Tochter wächst ohne Vater auf, da dieser getötet wurde. Sie ist stark, mutig, aber auch ein wenig überfordert mit der Wichtigkeit ihrer Person und der ihrer Familie aufgrund ihrer Tante. Dabei wünscht sie sich nur ein ruhiges Leben und will ihrer Tochter einer guten Mutter sein, doch das scheint nicht möglich. Elin gerät während der Geschichte mehrfach an ihre Grenzen, entwickelt sich aber weiter und wächst über sich hinaus. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen und fand ihre Gedanken und Handlungen nachvollziehbar.
Dieser Band spielt etwa 1 Jahr nach dem letzten Band und für Elin hat sich alles verändert, auch wenn sie immer noch das gleiche Zuhause hat. Es wird sich auf sie konzentriert, aber die Missstände des Landes dennoch thematisiert. Es zeigt Grausamkeiten, aber auch Hoffnung, was vielleicht auch den Reiz der Geschichte ausmacht. Der Schreibstil des Autors ist immer noch recht speziell und es baut sich immer noch eine gewisse Distanz zwischen den Ereignissen und dem Leser auf. Das ist ein wenig schade, denn ich hätte gerne weniger Abstand zwischen mir und den Charakteren gehabt. Dennoch war der Schreibstil angenehm und flüssig zu lesen. Das Buch konnte mich fesseln und mitreißen. Es gibt einige überraschende Wendungen und Entwicklungen.
Bewertung Eine gelungene Fortsetzung, die stärker war als sein Vorgänger, aber durch seinen Schreibstil einfach zu viel Distanz aufbaut. Daher gibt es diesmal
Ich bin ein Fan von Dystopien - aber ich habe noch keine gelesen, die so realitätsnah und wahrscheinlich nicht mal so zukunftsfern ist wie "Sturmland". Das wurde im zweiten Teil der Serie (endlich mal keine Trilogie - es werden insgesamt fünf Bände erscheinen) noch bestätigt.
Dieses Buch schließt nicht, wie ich eigentlich erwartet hatte, direkt an den ersten Teil an, sondern es ist ca. ein Jahr vergangen. Am Anfang war es etwas irritierend, im Nachhinein betrachtet aber richtig (vor allem wenn man die Entwicklung der Handlung betrachtet). Es ist viel realistischer, dass sich die äußeren Umstände nicht von heute auf morgen ändern.
Wie auch im ersten Teil sollte man als Leser keine zu enge Beziehung zu den Figuren aufbauen. Denn auch hier zeigt Mats Wahl, dass er auch mal beliebte Personen sterben lässt. Das ist schade, aber auch sehr mutig seitens des Autors und macht seine Bücher und seinen Schreibstil deswegen so besonders. Dieser ist gewohnt kühl, fast schon emotionslos. Auch Romantik sucht man vergebens. Dafür ist alles klar beschrieben und lässt kaum Raum für Spekulationen. Am Anfang musste ich mich wieder an die Präsens-Form gewöhnen, es ist einfach ungewöhnlich und ich konnte mich auch zum Schluss nicht mit ihr anfreunden, aber letztendlich akzeptieren :)
Die Geschichte an sich geht spannend weiter. Es werden neue Personen eingeführt, deren Sinn nicht immer sofort zu erkennen ist. Elin steht diesmal ganz klar im Vordergrund. Sie muss ziemlich viel durchleiden und steht mehr als einmal zwischen den Fronten. Hier fand ich gut, dass der Kontrast zwischen den modernen und den mittelalterlichen Elementen, der in Elins Welt vorherrscht, weiter beschrieben und sogar ausgebaut wurde. Auch das meiner Meinung nach sehr realistisch. Toll fand ich in diesem Zusammenhang auch die Anspielungen bzw. Hinweise auf vergangene und aktuelle Forschungen. Wer weiß, was heute schon möglich wäre. Leider gab es aber immer mal Dinge, die ich nicht unbedingt glauben konnte. Dazu gehörte zum Beispiel das Verhalten von Elin, dass ziemlich wankelmütig sein konnte, was das Vertrauen oder die Gastfreundschaft von anderen Menschen angeht. Und auch wenn das Buch ziemlich sachlich geschrieben ist, hätte ich mir doch gewünscht, dass sie an der ein oder anderen Stelle einfach mal mehr Emotionen zeigt - denn manchmal wirkt sie einfach nicht menschlich.
Eben weil die Ausgangssituation ziemlich realistisch ist (Übernahme der Technik, Umweltkatastrophen, verstrahlte Natur), hat das Buch einen hohen Gänsehautfaktor.
Der Schluss ist ziemlich gemein, denn man will sofort weiterlesen. Aber gerade die letzten Kapitel haben zum einen Fragen beantwortet, zum anderen aber auch aufgeworfen, dass man gar nicht anders kann als dem Erscheinen des nächsten Teils entgegenzufiebern.
Alles in allem ist es fast schon lustig, dass ich Sachen, die ich im ersten Moment kritisieren möchte, nach einem "darüber nachdenken" doch etwas positives abgewinnen kann. Weil Mats Wahl eben nicht der Mainstream ist, den man kennt und schon tausendmal gelesen hat. Weil er ungeschriebene Gesetze bricht, in dem er schnell eine Romanze aufbaut, nur um sie sofort danach aufs Brutalste enden zu lassen. Dass er ganz klar kein Schwarz-Weiß zeichnet, sondern dass es eben nicht genau erkennbar ist, wer denn jetzt zu den Guten gehrt und wer nicht. Dass er eine emotionslose Sprache benutzt und so kaum große Gefühle aufkommen lässt.
Insgesamt bin ich nämlich dann doch begeistert von dem Buch und der ganzen Reihe. Ich mag das andersartige und gebe - leichte Abzüge wie oben erwähnt - 4 Sterne. Meine Empfehlung: Lasst euch auf die Sprache ein, lasst euch auf den Stil ein und ihr werdet die Bücher lieben! Erwartet was neues, denn genau das bekommt ihr!
Ein Wermutstropfen ist sicher die lange Zeit zwischen den Erscheinungsterminen bzw. bis alle Bände erschienen sind. Denn dadurch dass in beiden Bänden Geschehnisse nicht groß ausgeschmückt werden und schwerwiegende Tatsachen wie der Tod eines Menschen genauso viel Platz einnimmt wie banale Sachen (zum Beispiel wenn die Protagonistin Grütze kocht) befürchte ich, dass der Anschluss schwer fallen wird. Um nicht komplett verwirrt zu werden sollte man über ein Re-Read der bereits erschienenen Bände nachdenken - es wäre schade, wenn man sonst die komplexen Strukturen nur zur Hälfte durchschaut. Dies ist aber nur meine ganz persönliche Meinung - und ich bin ziemlich detailverliebt.
Bra andra del i serien. Här kommer Wahls allvar till sin bästa rätt - med allvarssvärtade penseldrag målar han en bild av ett (möjligt?) Sverige där samhället krackelerat och tilltron till våra politiska institutioner är obefintlig. Ser fram emot nästa del.