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Siegerkunst. Neuer Adel, teure Lust

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Kunst als Statussymbol der Reichen, Erfolgreichen und Mächtigen: Wolfgang Ullrich beschreibt, wie rückwärtsgewandt sich der Kunstbetrieb derzeit entwickelt. Der freie Künstler ist nicht mehr frei, sondern bedient die Bedürfnisse weniger Sammler nach Exklusivität, Luxus und Repräsentation.

Die Frage ist: Wie sieht diese Kunst aus?

Die Galeristen streiten öffentlich mit der Staatsministerin, der Maler Georg Baselitz veranlasst, seine Bilder in den Museen abzuhängen. Der Entwurf für ein Gesetz zum Schutz von Kulturgut lässt die Wellen hochschlagen: Künstler fürchten, dass der Wert ihrer Werke auf dem internationalen Kunstmarkt sinken könnte. Die Präsenz im Museum – noch unlängst ein Ausweis höchster Anerkennung – bedeutet ihnen nichts. Es geht um Geld.Kunst ist, anders als in den zwei Jahrhunderten der Moderne, wieder ganz unverhohlen eine Sache der Reichen, Erfolgreichen und Herrschenden geworden. Kunst dient wieder der Repräsentation, sie ist ein Luxusgut. Was zählt, ist das Besitzen, nicht das Wahrnehmen und Betrachten von Kunst. Und wer gegen den elitären Kunstbetrieb opponiert, wird – wie die Occupy-Aktivisten auf der documenta 13 – in Windeseile von diesem aufgesogen und vereinnahmt. Wie immer provoziert Wolfgang Ullrich, stellt eine Fülle von Beispielen vor und regt mit Verve zum genauen Hinschauen sowie zur Diskussion an. Über Kunst wirklich zu streiten – das wäre ein Gewinn!

160 pages, Paperback

Published March 4, 2016

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About the author

Wolfgang Ullrich

73 books1 follower

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Community Reviews

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Displaying 1 - 3 of 3 reviews
Profile Image for Christina Dongowski.
258 reviews71 followers
May 25, 2020
Man kann sich über die Prunk- & Protz-Kunst von Jeff Koons & Damien Hirst oder die Salonmalerei von Neo Rauch & Gerhard Richter ärgern oder sie für Verrat an der wahren Kunst oder zeitgenössische Kunst generell für Trickbetrug halten - oder man folgt Wolfgang Ullrich durch seinem Entwurf einer Theorie der Kunst als Gebrauchswert & Repräsentationsobjekt. Bei Ullrich bekommt man eine Haltung zur zeitgenössische Kunst vorgeführt, die sich bereits weitgehend vom Autonomie-Paradigma der Moderne entfernt hat & erhält viele Anregungen, darüber nachzudenken oder gleich selbst auszuprobieren, wie kunstwissenschaftlich mit Kunstobjekten umzugehen wäre, wenn die keinen theoretisch oder philosophisch privilegierten Status mehr haben. Ullrich neigt manchmal ein bisschen zu sehr zum beherzten Vereinfachen theoretischer oder kunsthistorischer Argumente & Traditionen, aber das schadet nicht viel, so bekommt sein grundsätzliches Argument Profil - gerade auch für Leser*innen, die sich für Kunst interessieren, aber sich nicht durch Bibliotheken an Kunstliteratur gekämpft haben. Eigentlich ist „Siegerkunst“ Pflichtlektüre für Kunstwissenschafts-Studierende & Kunstakademie-Zöglinge.
Profile Image for Felix.
36 reviews3 followers
October 10, 2021
Wenn Ullrich die These aufstellt, dass Kunst in Zukunft nicht mehr so "sorgfältig beobachtet und ambitioniert kommentiert" wird, dann erhebt er eigentlich sein eigenes Programm zum allgemeinen Prinzip. Immerhin gibts ein anderes Buch von ihm, in dem es nur darum geht, die Relevanz von Kunstartefakten herunterzuspielen. (Es heißt "Tiefer hängen".) Respekt vor Kunst (hier v.a. Malerei, Plastiken, Installationen) soll nur ein veraltetes Überbleibsel aus der Moderne sein. Zumindest bietet das Buch ein großes, und streitbares, Narrativ über den Wandel von Kulturepochen.
Beim Lesen kommt die traurige Ahnung, dass Siegerkunst, d.h. Kunst, die von reichen, egomanen Personen hergestellt und von andern reichen Leuten für hohe Summen gekauft wird, dass also diese Gewinnerkunst zwingend hundertmal "interessanter", sichtbarer und durchsetzungsfähiger ist als Verliererkunst, obwohl von interessant eigentlich nur die Rede sein kann, weil die Storys um die glaumourösen Facetten von Kunstproduktion und Gerichtsstreits so absurd sind. Deprimierendes Buch.
Profile Image for Rodrigo.
43 reviews
November 5, 2017
Die Hälfe der Buchillustrationen besteht aus einem leerem Rechteck mit dem Text "Die Abdruckgenehmigung wurde vom Rechteinhaber leider verweigert." Die Rechteinhaber reagieren offenbar empfindlich auf diese überzeugende, vernichtende Analyse des gewinnmaximierenden Kunstbetrieb.

Damien Hirst, Jeff Koons, auch Richter, Baselitz usw. werden als Gewinnmaximierer dargestellt, bei denen Kunst nur zufällig als Nebenprodukt abfallen kann. Die Käufer ('Sammler') werden als Leute bloßgestellt, die das entweder nicht begreifen oder - in der Mehrheit der Fälle - Interessen verfolgen, die mit der Förderung von guter Kunst nichts zu tun haben.

Die Analyse ist sachlich, emotionslos, nicht zu widerlegen, mit überzeugenden Beispielen garniert.

Als Leser beendet man das Buch mit dem guten Gefühl, solche 'Siegerkunst' in Zukunft nicht nur als Schrott zu bezeichnen, sondern auch gleich die dazu passenden Argumente an der Hand zu haben.

Nur vier Sterne, weil ich persönlich Text mit etwas mehr Struktur mag und einige Nebenthesen widerlegbar sind.
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