Erst verdunkelt sie dein Herz, dann die ganze Welt?
Adam Eli hat seine Chance genutzt: Er ist erfolgreicher Ghostwriter, tut alles, um seine kriminelle Jugend vergessen zu machen. Eines verbindet ihn noch mit seinem alten Leben: Seine große Liebe Willenja. Die letzte Begegnung liegt lange zurück, bis heute weiß er nicht, ob sie ihn damals ans Messer lieferte. Antwort darauf verspricht der Internettycoon Balthus - wenn Adam sich an der Suche nach Will beteiligt. Denn die junge Frau hat den Prototyp einer künstlichen Intelligenz gestohlen. Um Geld zu erpressen? Oder vielleicht sogar einen Terroranschlag zu verüben? Eine atemlose Jagd von den Urwäldern Boliviens über Abu Dhabi und Tokio beginnt …
Ein packender Thriller über die Frage, was Menschsein bedeutet. Mit psychologischer Tiefe, rasantem Plot und einer wunderbaren Sprache
Jenny-Mai Nuyen wurde 1988 als Tochter deutsch-vietnamesischer Eltern in München geboren. Geschichten schreibt sie, seit sie fünf ist, und mit dreizehn verfasste sie ihren ersten Roman. Ihr literarisches Debüt "Nijura – Das Erbe der Elfenkrone" gilt sie als eine der aufregendsten Entdeckungen der letzten Jahre. Jenny-Mai Nuyen studiert Filmwissenschaft an der New York University.
Der Name der Autorin war mir schon bekannt, allerdings hatte ich bisher immer nur Bücher in Richtung Fantasy in ihrem Zusammenhang gesehen. Der neue Thriller hat mich deshalb sehr gereizt - zum einen weil ich eh schon immer etwas von ihr lesen wollte und zum anderen, inwieweit sie einen Thriller schreibt, da vor allem ihr atmosphärischer Schreibstil meist hervorgehoben und gelobt wird. Auf diese Mischung und wie das zusammenpasst, war ich sehr gespannt!
Die Atmosphäre jedenfalls war durchwegs sehr einnehmend und fesselnd. Ich hab von Anfang an einen Sog gespürt, mich weiter in der Geschichte fallen zu lassen. Schon der Prolog, der zwar verrät, wohin das ganze letztendlich führen wird, hat meine Neugier geweckt - umso gespannter war ich, dass trotzdem alles noch offen war. Überhaupt ist der Aufbau sehr geschickt gemacht, denn man weiß eigentlich sehr lange nicht, wie das ganze zusammenhängt.
Adam Eli, ein sehr in sich gekehrter junger Mann, der in seiner Vergangenheit lebt, gefangen in der Erinnerung zu seiner einzigen großen Liebe, die er nie vergessen kann. Seine Obsession drängt ihn in die Einsamkeit, in den Verzicht auf alles menschliche, weil er auf das Gefühl aus der Vergangenheit einfach nicht verzichten kann. Durch ihn lernt man dann auch Will kennen, ein Mädchen, deren Tragweite größer ist, als man anfangs glauben mag. Auch wenn scheinbar sämtliche Geheimdienste hinter ihr her sind, bleibt es lange Zeit ein Rätsel, welche Rolle sie tatsächlich spielt. Und dann natürlich Mariel Marigny, auch ihr Part bleibt mysteriös, denn hinter ihrer Suche steckt auch mehr, als man anfangs vermutet.
Während man zwar tiefe Einblicke in alle Charaktere bekommt, da die Perspektiven zwischen ihnen wechseln, kommt man der Wahrheit nur langsam näher; gerade im letzten Drittel steigt die Spannung immer mehr an und es gab einige Überraschungen, mit denen ich so nicht gerechnet hatte!
Es ist insgesamt eher ruhiger, mit einer sehr intensiven Stimmung, die durch die Figuren geprägt ist: ihre Ängste, Zweifel und undurchsichtigen Beweggründe. Das zieht sich durch die gesamte Handlung und hat mich jeden Moment eindinglich spüren lassen. Groß angelegte Action darf man hier nicht erwarten, aber eine eindringliche und sehr tiefgreifende Geschichte über die Menschen, ihre Absichten und Gefühle - und über den Fortschritt der Technik, der uns Freiheit verspricht, aber zwischen Korrelation und Abhängigkeit gefangen hält.
"Um den ganzen Erdball knisterte das Geplapper und dehnte sich mit jeder Sekunde weiter aus, deckte noch mehr ab, machte sich zur absoluten Oberfläche der Menschheit: Sie bestand hauptsächlich aus süßen Tierbabyfotos, Selfies und Pornos. Ein in Milliarden Bits übersetzter Schrei nach Liebe." S. 219
Die Frage nach der Unterwerfung stellt sich, nach der Abhängigkeit der Handys, Tablets, PCs und sämtlichen anderen technischen Errungenschaften, die uns das Leben zwar leichter machen, aber dafür auch eingeschränkter. Wir wissen nicht, was dahinter schlummert, wohin es führen wird und trotzdem setzen wir alles daran, weiter zu forschen und unser Wissen zu vermehren - um die Welt zu begreifen? Um den Sinn zu erfassen? Ob er tatsächlich mittels Hardware zu finden ist, oder nicht doch mit "Heart", mit dem Herzen?
Mit dem Ende war ich nicht ganz so zufrieden, aber vielleicht musste es so enden, denn schließlich ist die Zukunft nicht eindeutig, sondern ein sich ständig entwickelnder, neu erschaffender Prozeß.
4.5 Sterne - amtosphärisch dicht, mit vielen menschlichen Abgründen und technischem Fortschritt, dessen Entwicklung kaum mehr aufzuhalten ist. Fiktiv und trotzdem konsequent an der Realität!
Kurzbeschreibung In jungen Jahren lernte Adam Eli, mittlerweile ein Ghostwriter mit dubiosen Aufträgen Willenya kennen. Sie war schon von Kind auf damit beschäftigt andere zu beklauen, da sie nichts anders von ihrer Mutter gelernt hatte. Bei einem Coup wurde sie erwischt und auch wie Adam in ein Boot Camp im Amazonischen Regenwald verfrachtet. Dort an genau diesem Ort passierte etwas, was beide nicht nur voneinander trennt, sondern auch Adam in die Bolivianische Gefangenschaft brachte, in der er eine ganze Zeit lang darauf wartete, zu erfahren ob ihn Willenya verraten hat.
Eines Tages wieder zurück in einem fast geregelten leben, was angesichts der Tatsache das Adam dies verabscheute, im Moment genau das ist, was er versucht mit seinen Ghostwriter Fähigkeiten zu durchbrechen, bekommt er eine dubiose Nachricht in der der Absender auf Willenya anspielt und von Adam die mithilfe will, das er Willenya auffindet.
Warum und weshalb, will er Adam nicht verraten und ein aufregendes Katz und Maus Spiel beginnt.
Cover Das Cover ist Atmosphärisch Düster und gelungen mit dem Schwarz Ton und dem Hintergrund der Stadt. Dazu die Goldschrift die hier mit den Titel Neugierig macht, finde ich gelungen und passend.
Schreibstil Die Autorin Jenny-Mai Nuyen hat einen spannenden und vor allem flüssigen Schreibstil, der einen nicht nur mitnimmt auf die spannende Frage weshalb Willenya etwas gestohlen hat was sie nicht sollte, oder ob sie damals Adam wirklich verraten hat und was ihre Motive dafür sind, das sie einfach so verschwunden war. Fragen über Fragen die in dieser Geschichte aus verschiedenen Sichtweisen erzählt wird. Denn hier geht es nicht nur um Willenya und Adam, sondern auch noch um Mariel oder Jommy. Ein Netz aus verschiedenen Strukturen hat die Autorin hier erschaffen die sich miteinander verweben und es nicht nur Fragen aufwirft, sondern auch die Antworten darauf.
Meinung Wenn des Rätsels Lösung nicht offensichtlich ist ...
Dann sind wir bei Adam Eli der sich mit Ghostwriter Tätigkeiten über Wasser hält. Denn sein Mittelsmann zu den dubiosen Aufträgen ist froh, jemanden wie Adam an der Hand zu haben. Die Privatschüler aus Österreich bezahlen sehr viel Geld für Hausarbeiten, gefälschte Praktikumspapiere und vieles mehr. Deshalb ist Adam umso überraschter von seiner kriminellen Vergangenheit eingeholt zu werden in Form eines Namens. Der Name, der ihm seit seiner Jugend nicht mehr aus dem Kopf geht und den er seit Neun Jahren nicht mehr gehört hat. Denn eine Mail beinhaltet Material über Willenya, auch kurz Will genannt, die Adam in der Zeit des Bootcamps für schwer erziehbare Problemkinder im Amazonas Regenwald kennenlernte und verliebte sich in sie. Was er zu dem Zeitpunkt nicht wusste war, das Will bei einem geplanten Coup, wo sie Adam mitnahm nicht mehr da war. Denn der Coup lief schief und Adam fand sich bei der Polizei und später im Gefängnis Boliviens wieder. Das allein drängte in ihm die Frage auf seit damals, ob Will ihn verraten hatte und was mit ihr passierte. Fragen die er bis jetzt nicht beantworten konnte und genau da fängt die Mail an. Denn ein unbekannter hat Tonaufnahmen von Will. Die eine schwere Kindheit hatte und natürlich will Adam wissen, was der mysteriöse Auftraggeber von ihr will.
Allerdings muss er erstmal herausfinden wo Will steckt und da sollen ihm die Tonbandaufnahmen helfen. An seine Seite wird ihm Mariel Mariguy gestellt, die als Privatdetektin und frühere Beamtin für Datenschutz arbeitet. Der ist nicht davon begeistert mit jemanden zusammenzuarbeiten und doch werden die zwei ein Team. Nur weshalb er Will suchen soll ist noch nicht erklärt.
In der Zwischenzeit bekommen wir einen Einblick zu Clementine Shell die sich hinter einem Pseudonym versteckt und auf der Flucht ist, denn man ist ihr auf den Fersen. Sehr viele wollen was sie hat und somit scheint sie nirgends sicher zu sein.
Was die beiden miteinander zu tun haben. Nun sagen wir es mal so, laut Prolog steht ein Schock der Welt bevor in Form eines totalen Kollapses der Rechenzentren die allesamt in den Großstädten explodiert sind, wie auch jegliche Abkapselung der Satelliten. Nichts war mehr erreichbar und alle lag lahm. Die Ausschreitungen und Plünderungen nahmen zu und keiner wusste weshalb dies geschah.
Deshalb lest diese Geschichte denn hier geht es um mehr als dir Frage des Menschsein, die Frage nach der Technik oder nach den Motiven. Es ist ein vielschichtiger Roman mit vielen verschiedenen Beweggründen bis hin zum Ende das mich begeistert hat.
Fazit Absolut gelungen!!! Wenn alles angezweifelt werden darf, dann sind wir bei Adam Eli der die Wahrheit sucht...
Bevor ich dazu komme dieses Buch zu bewerten, muss ich dem Rowohlt-Verlag nochmal danken, dass ich dieses tolle Buch rezensieren durfte und die nette Betreuung ❤
Mehrere von euch kommt der Name Jenny-Mai Nuyen bekannt vor. Nur durch ihren Namen bin ich auf das Buch gestoßen. Manche ihrer Bücher stehen auf meiner WL und deswegen freue ich mich umso mehr, dass eines schon den Weg in mein Bücherregal gefunden hat. Das Cover des Buches finde ich echt ansprechend. Durch die drei Farben Schwarz, Weis IMG_0541und Bronze explodiert -im farblichen Sinne- das Cover nicht so doll. Trotzdem wirkt es auf mich im positiven Sinne. Unten ist eine Stadt aus bronzenen Kästchen dargestellt, die gerade zerfällt. Die Idee und Umsetzung gefällt mir echt gut ❤
Schon alleine der Prolog setzt die Grenze von meiner Erwartung ziemlich hoch. In dem Falle ist es auch echt wichtig diesen Prolog zu haben, weil man sonst keinen so großen Zwang hat das Buch weiter zu lesen. Außerdem ist das Buch in Teile unterteilt, welche den Tag, an dem man sich gerade befindet, zum Ausdruck bringen. Die Seite wird ebenfalls von der zerfallenen Stadt gezeichnet, welches also ein immer wiederkehrendes Symbol ist und auch zur Geschichte passt. Die einzelnen Teile sind jedoch nicht in Kapitel unterteilt. Man hat immer nur einen Perspektivenwechsel, weil Jenny-Mai Nuyen in dem Falle die allwissende Autorin ist. Im Allgemeinem finde ich es bei dem Buch auch echt wichtig, aber leider verliert man ab und zu die Orientierung. Die Protagonisten vergisst man nicht, aber bei kleineren Personen kommt man doch schnell durcheinander. Meistens auch, weil sie einfach nur so kurze Zeit teil eines Abschnittes sind. Trotzdem sind die Geschehnisse von denen wichtig. Die Spannung ist von vorne bis zum Schluss da. Gerade weil die Ereignisse passieren könnten.
Ich liebe diesen Thriller. Trotzdem kann ich ihm nur 4 von 5 Teetassen geben, weil ich wegen der Perspektivenwechsel öfter als einmal rausgekommen bin. Insgesamt kann ich das Buch echt weiter empfehlen, weil es etwas besonderes ist ❤
Erst verdunkelt sie dein Herz, dann die ganze Welt? Adam Eli hat seine Chance genutzt: Er ist erfolgreicher Ghostwriter, tut alles, um seine kriminelle Jugend vergessen zu machen. Eines verbindet ihn noch mit seinem alten Leben: Seine große Liebe Willenja. Die letzte Begegnung liegt lange zurück, bis heute weiß er nicht, ob sie es war, die ihn damals verriet. Antwort darauf verspricht der Internettycoon Balthus - wenn Adam sich an der Suche nach Willenja beteiligt. Denn die junge Frau hat den Prototyp einer künstlichen Intelligenz gestohlen. Um Geld zu erpressen? Oder vielleicht sogar einen Terroranschlag zu verüben? Eine atemlose Jagd von den Urwäldern Boliviens über Dubai bis Tokio beginnt …
Über die Autorin:
Jenny-Mai Nuyen wurde 1988 als Tochter deutsch-vietnamesischer Eltern in München geboren. Geschichten schreibt sie, seit sie fünf ist, mit zehn folgte das erste Drehbuch, mit dreizehn ihr erster Roman. Seit ihrem literarischen Debüt «Nijura – das Erbe der Elfenkrone» gilt sie als eine der größten Entdeckungen der letzten Jahre. Nach einem Filmstudium an der New York University lebt Jenny-Mai Nuyen heute in Berlin, studiert Philosophie und widmet sich dem Schreiben.
Mein Fazit und meine Rezension:
Adam Eli ist erfolgreicher Ghostwriter und erleichtert so manchem Studenten das Leben - vor allen Dingen aber die Abgabe von Hausarbeiten. Doch obwohl er sich mit vielerlei Themen beschäftigt, ist er ansonsten doch auf sich allein gestellt: von seiner Familie hat er sich abgewandt, Freunde scheinen nicht vorhanden zu sein. Bis auf die eine Freundin, aus der tatsächlich mehr geworden ist, aber die jetzt einer düsteren Vergangenheit angehört - seiner düsteren und kriminellen Vergangenheit. Und eben diese Freundin ist auch der Grund, warum er eine Zeit lang im Gefängnis gewesen ist: Willenya Curuvija, ein Mädchen mit einer bewegten Vergangenheit und einer geheimnisvollen Zukunft und sie ist verschwunden. Bis zu dem Tag, an dem Adam von einem Internettycoon beauftragt wird, seine einstige große Liebe wiederzufinden, denn diese hat ihm etwas gestohlen, was ihm und auch der Menschheit wichtig ist. Doch was genau möchte er von Will? Und ist Adam bereit sich seiner Vergangenheit und seiner großen Liebe zu stellen?
Adam Eli ist das, was wir einen klassischen Einzelgänger nennen - wenn nicht sogar einen Einsiedler. Er wohnt allein in seiner Wohnung mit dem Nötigsten, was er zum Leben braucht und kann sich aufgrund seiner Tätigkeit als Ghostwriter sehr gut selbst versorgen. Doch bereits zu Beginn der Geschichte merkt man, dass ihm etwas schmerzlich auf der Seele brennt und dass er von einer gewissen Frau einfach nicht loskommen kann.
Immer wieder schweifen wir Leser gemeinsam mit Adam ab in die Vergangenheit und treffen dort endlich auf den jungen Adam, aber auch auf die ominöse Willenya - ein Mädchen mit einem außergewöhnlichem Namen, aber auch einem außergewöhnlichen Sinn für Humor. Im Laufe der Geschichte erfahren wir bruchstückhaft, was Adam und Will widerfahren ist und was die Beiden letztendlich getrennt hat. Dass sie getrennte Wege gegangen sind, ist dabei nicht Adams Verdienst, sondern der von Will - was mich schon zu der Frage bringt, ob er sie tatsächlich sucht, weil er sie für sich finden möchte (um Antworten zu bekommen) oder aber tatsächlich um des Geldes Willen. Doch auch diese Frage wird schnell geklärt.
Willenya selbst ist auch kein unbescholtenes armes Mädchen. Bereits im Kindesalter hat sie ihre leiblichen Eltern gegen sich aufgebracht und tatsächlich bei der Polizei angezeigt - schnell landet sie in einer Pflegefamilie, in der Familie, die sie - auf Geheiß ihrer leiblichen Eltern - bestohlen hat. Ob das wohl gut geht? Tja, mehr oder minder ... denn auch dort ist Will nicht gut aufgehoben. In den Räumen der gutbetuchten Pflegefamilie geschehen so manche Dinge, die ich auch getrost heute noch einem Jugendamt anzeigen würde, wenn ich denn davon Wind bekommen würde. Aber mehr möchte ich darüber nicht verraten, nur so viel: Will ist ein gebrandmarktes Kind und mit jedem weiteren Kapitel versteht man mehr und mehr ihre Beweggründe.
Doch was hat es mit dem Auftraggeber, dem Internettycoon, auf sich, der unbedingt an Will heran möchte? Bereits im Klappentext erfährt man, dass diese ihm etwas gestohlen hat und zwar nichts geringeres als eine Künstliche Intelligenz ... bereits hier muss ich erwähnen: ja, ich habe den Klappentext zuvor gelesen, als ich das Buch angefragt habe, aber nicht, als ich es endlich in den Händen hielt und das war auch besser so! Meines Erachtens verrät der Klappentext zu viel von der Geschichte - wenn auch die Hintergründe nach wie vor im Dunklen bleiben. Hier hätte man vielleicht etwas geheimnisvoller formulieren müssen. Denn, hätte ich den Klappentext erneut direkt vor dem Lesebeginn gelesen, hätte ich wohl das Buch nach wenigen Kapiteln zugeklappt und weggelegt.
Die Geschichte als solche hat es allerdings wirklich in sich! Wir treffen als Leser nicht nur auf Charaktere, die tiefe Wunden haben und auf kriminelle Vergangenheiten zurückblicken, sondern auch auf Informationen, die so diffus und doch spannend erscheinen, dass man einfach am Ball bleiben muss! Das Buch konnte ich einfach nicht weglegen - ich muss an dieser Stelle wohl nicht erwähnen, dass ich es innerhalb weniger Stunden beendet habe. Auch die darin enthaltenen Themen treffen einfach den Nerv der Zeit, sprechen die immer weiter fortschreitende Digitalisierung der Menschheit an und die aufkeimende Diskrepanz von Abhängigkeit und wahrer Freiheit. Was bedeutet heute schon Freiheit?
Die Autorin Jenny-Mai Nuyen war mir zuvor nicht bekannt, obwohl diese schon einige Bücher veröffentlicht hat (wie ich recherchiert habe). Als Mädchen aus dem 1988er Jahrgang kann sie nicht nur geschickt mit den Themen der heutigen Zeit umgehen, sondern hat auch noch einen großen Sprachgebrauch, der weder langweilig noch eintönig daherkommt. Wenn ihr also einen Thriller lesen wollt, der euch tatsächlich von Anfang bis Ende in Atem hält, dann empfehle ich dieses Buch - nur lasst vorher den Klappentext außer acht ...
Das Rätsel jener Nacht – Fesselnd, tiefgründig, aber ruhig
Willenya war Adam Elis Geliebte, sein Selbstbetrug und sein Lebensinhalt. Kennengelernt haben sie sich in einem Bootcamp für schwer erziehbare Jugendliche in Bolivien, aus dem sie zusammen flohen. Neun Jahre ist es inzwischen her, dass sie sich gesehen oder gesprochen haben, denn damals vor neun Jahren, lässt Willenya Adam Eli bei einem Einbruch in ein Haus, bei dem sie erwischt werden, scheinbar im Stich. Adam Eli wird gefasst und sitzt die nächsten zwei Jahre unschuldig in einem bolivianischen Gefängnis.
Heute will Adam Eli seine Vergangenheit nur noch vergessen. Er lebt zurückgezogen und arbeitet als Ghostwriter. Eines Tages erhält er einen anonymen Videoclip per Mail, auf dem Willenya von ihrer missbräuchlichen Kindheit erzählt. Man verspricht Adam mehr Clips, wenn er sich auf die Suche nach Willenya begibt, die den Prototyp einer künstlichen Intelligenz gestohlen haben soll. Adam kann nicht anders und nimmt den geheimnisvollen Auftrag an, denn er will wissen was in jener Nacht in Bolivien geschah, als sie sich plötzlich verloren hatten.
Eine spannende Jagd von den Urwäldern Boliviens über Dubai bis Tokio beginnt.
Die Autorin:
Jenny-Mai Nuyen wurde 1988 als Tochter deutsch-vietnamesischer Eltern in München geboren. Geschichten schreibt sie, seit sie fünf ist, mit zehn folgte das erste Drehbuch, mit dreizehn ihr erster Roman. Seit ihrem literarischen Debüt «Nijura – das Erbe der Elfenkrone» gilt sie als eine der größten Entdeckungen der letzten Jahre. Nach einem Filmstudium an der New York University lebt Jenny-Mai Nuyen heute in Berlin, studiert Philosophie und widmet sich dem Schreiben.
Reflektionen:
Mit dem Thriller Heart Ware hat Jenny-Mai Nuyen einen sehr atmosphärischen Thriller geschrieben. In einem schönen, klaren und flüssigen Erzählstil fängt die Autorin den Leser mit Leichtigkeit ein. Der Schreibstil, ebenso angenehm und leicht wie eine Feder, ist zwischendurch eine besondere, literarische Perle, leider jedoch nicht durchgehend.
Die Stärke dieses Thrillers ist die düstere, geheimnisvolle, fast mystische Atmosphäre. Jenny-Mai Nuyen kreiert sie durch die besondere Charakterzeichnung der Hauptfigur Adam Elis und dessen Emotionen. Ob es noch Liebe ist zwischen Adam und Will oder ob Adam nur noch wissen will was in jener Nacht in Bolivien passiert ist, ist für den Leser lange Zeit nicht sicher greifbar.
Die Stimmung ist geheimnisvoll bis mysteriös und als sich Adam auf die gefährliche Suche nach Will begibt, wird die Story mit einer zusätzlichen Portion Spannung und Action versorgt. Die Spannung agiert jedoch nicht immer auf einem hohen Niveau. Zwar ist man von der ungewöhnlichen Geschichte gefesselt, man liest fasziniert Auszüge aus den jeweiligen Legenden der wohlgeformten Figuren und fiebert der Auflösung entgegen, aber zwischendurch reißt die Spannungskurve immer wieder ab. Manche Geschehnisse, die die Geschichte nur mäßig vorantreiben, sind langatmig und ohne Tempo erzählt und so konnte mich die Autorin nicht vollumfänglich überzeugen.
Jenny-Mai Nuyen hat die Handlung mit zahlreich agierenden Figuren ausgestattet. Ein konzentriertes Lesen ist daher zu empfehlen. Wie die vielen Figuren im Wechselspiel der Perspektiven miteinander verbunden sind, erschließt sich erst nach und nach und vor allem bleibt man spannender Weise lange im Unklaren, welche Figur gute oder bösartige Absichten hegt.
Besonders berührend und gelungen sind die Emotionen der Figuren dargestellt. Adam Eli ist ein Eigenbrötler, innerlich zerrissen und nie im Einklang mit sich. Die Videoclips, in denen Willenya von ihrer Kindheit und Jugend erzählt, gehen an keinem Leser spurlos vorbei, ohne zu berühren. Im Laufe der Geschichte kommen weitere Figuren hinzu, die jeweils auf ihre Weise berührende Legenden und auch Absichten hegen. Diese sind zunächst nie klar definieret, so dass sie sich immer nur Stück für Stück dem Leser offenbaren.
Jenny-Mai Nuyen ist es gelungen der Geschichte eine außergewöhnliche Tiefgründigkeit zu verleihen, in dem sie einer künstlichen Intelligenz menschliche Emotionen erlaubt. Was im Computerzeitalter oft als Gefahr dargestellt wird, entpuppt sich in dieser Story zu einer unerwarteten Konsistenz, die im Wechselspiel der Perspektiven Wendungen und Erkenntnisse fesselnd in Szene setzt.
Fazit und Bewertung:
Heart Ware ist ein fesselnder Thriller, trotz dass Spannung und Tempo manchmal auf der Strecke bleiben. Sprachlich wohl formuliert treibt man durch ein Meer von Perspektivwechseln und berührenden Legenden interessant gezeichneter Charaktere. Für einen Thriller fehlte es mir etwas an Pfeffer und dennoch hat mir die tiefgründige Handlung angenehme und außergewöhnliche Lesestunden geschenkt.
Ich weiß nicht so wirklich, was ich von diesem Buch halten soll. Jenny-Mai Nuyen war mir bisher nur von ihren Fantasy-Romanen bekannt, die ich vor Jahren gelesen und sehr genossen habe. Mittlerweile lese ich aber kaum Fantasy mehr und da kam mir Heartware, ein Thriller, eigentlich gerade recht. Ich fand spannend zu sehen, wie eine Fantasy-Autorin sich an einem anderen Genre versucht. Aber so wirklich abgeholt hat mich Heartware einfach nicht.
Es geht um Adam Eli, der seit knapp einem Jahrzehnt seiner Jugendliebe Willenya nachtrauert, obwohl ihr Handeln dafür sorgte, dass er in ein bolivianisches Gefängnis musste. Als er dann beauftragt wird, Will zu finden, ist er zwar skeptisch, aber lässt sich darauf ein. Es folgt ein kompliziertes Netzwerk aus Kapiteln mit wechselnden Perspektiven und Charakteren, die eine Intrige bilden, die die Welt verändern soll.
Grundsätzlich klingt das erst einmal ganz interessant, aber das Pacing ist etwas zu langsam, um wirklich den Thrill aufzubauen und die Charaktere sind so unnahbar und uncharismatisch zugleich, dass es mir sogar recht egal war, wenn ihnen etwas zugestoßen ist. Im letzten Drittel nimmt die Geschichte endlich etwas mehr Fahrt auf, aber jegliche Spannung, die aufgebaut wird, wird mit überlangen Monologen und Erklärungen direkt wieder abgemildert. Die fast schon poetische Ausdrucksweise, die die Autorin und ihre Charaktere teilweise an den Tag legen beißen sich mit der Thematik der Intrige, in der Macht, Hacking und Technologie eine so große Rolle einnehmen.
Es hat mich mehrfach direkt aus der Handlung gerissen, wenn Charaktere auf einmal von (nicht unpassenden) vulgären Ausdrücken direkt in philosophisch anmutende Ausführungen übergingen. So redet einfach kein Mensch in der modernen Welt. Vielleicht ein besonders altkluger Typ, vielleicht Adam Eli, aber sicher nicht alle um ihn herum. Selbst wenn man sich entscheidet, eine Figur sich dermaßen ausdrücken zu lassen, sollte man vielleicht bedenken, dass andere Menschen entsprechend etwas irritiert oder sogar amüsiert darauf reagieren und nicht die komplett gleiche Ausdrucksweise an den Tag legen.
Hätten ein oder zwei der Twists zum Ende vielleicht schon früher stattgefunden, hätte Nuyen auch viel mehr Zeit gehabt, sich mit den Folgen für ihre Welt und die Charaktere darin auseinanderzusetzen. Stattdessen müssen wir uns mit einem Zeitsprung begnügen und mit etwa 5 Seiten, in der einige Jahre zusammengefasst werden - ohne, dass wirklich irgendwelche der interessanten Ansätze weiter ergründet werden könnten. War Nuyen auf eine Fortsetzung aus, oder hatte sie schlicht selbst keine Lust mehr auf ihr Werk?
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Thematik fand ich sehr faszinierend und interessant. Die Frage nach einer künstlichen Intelligenze wurde sehr gut aufgegriffen, aber ich hätte mir noch ein paar mehr Informationen gewünscht, die im ganzen Buch behandelt werden und nicht nur im letzten Drittel. Bis zum letzten Drittel war noch nicht mal davon eine Rede. Der Klappentext spoilert somit schon ziemlich, worum es geht und wer einer der geheimen Auftragsgeber ist. Was ich eigentlich ziemlich schade finde. Adam Eli, Will und die restlichen Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Sie waren sehr facettenreich gestaltet und es hat mir sehr gut gefallen, dass nicht nur die Perspektiven bunt gemischt gewechselt wurden, sondern auch Teile der Vergangenheit thematisiert wurden. Es war gut, dass man sich nie sicher sein konnte, wer zu den "Guten" und wer zu den "Schlechten" gehört. Spannung pur war angesagt, leider hat mich das Ende ein wenig enttäuscht. Ich mochte die Geschichte sehr gerne, leider war das Ende nicht gerade in meinem Sinn und offene Enden mag ich sowieso nicht so gerne. Ein paar Fragen bleiben offen und manche Handlungsweisen (Will) kann ich nicht nachvollziehen. Insgesamt hat mir das Buch insbesondere die Charaktere, die Handlung (außer das Ende) und die Thematik sehr gut gefallen. Der einzigste Kritikpunkt ist nur das Ende, was mir unpassend erschienen ist und nicht ganz passen wollte. Den Klappentext sollte man anpassen, damit keine Spannung verloren geht.
Adam Eli soll seine alte Liebe finden, weil sie etwas sehr Wertvolles gestohlen haben soll... Etwas, das die Welt bedrohen könnte... Dabei trifft er auf die Hackerin Marigny, die auf ihn angesetzt wurde. Eine Hetzjagd beginnt... Der Schreibstil der Autorin hat mich ziemlich schnell in den Bann gezogen, die Geschichte selbst war aber ein ständiges auf und ab. Sie ist geprägt von Nervenkitzel, ab und zu ging es mir zu schnell voran in der Geschichte. So auch das Ende. Ein Grundkern der Geschichte war mir viel zu schnell abgehandelt ohne viel Wums. Richtig gut gefallen hat mir die Geschichte rund um Marigny und Eli. Die verschiedenen Sichtweisen im Buch haben alles schön aufgelockert
Dieses Buch war so gar nicht meins.. ich hatte etwas ganz anderes erwartet und bekommen habe ich eine Geschichte, für die ich entweder zu wenig technisches Verständnis habe oder die einfach mit Absicht völlig abstrus und verwirrend ist.. ich bin weder auf die eigentliche Thematik klar gekommen, noch auf die Charaktere, die alle irgendwie zutiefst verstörte Menschen waren.. wo das ein Thriller sein soll weiß ich auch nicht.. Meine ausführliche Rezension gibts auf dem Blog: https://liveyourlifewithbooks.wordpre...